Wolfsburgs Stürmer Bendtner Lord Extra

Über Nicklas Bendtner hört man einiges: Trunkenheit am Steuer, spätes Erscheinen beim Training. Nur mit den Toren klappt es nicht so. Im Sommer dürfte der dänische Stürmer beim VfL Wolfsburg Konkurrenz bekommen.

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Aus Neapel berichtet


Nicklas Bendtner hat immer noch Spaß an seinem Job. Das zeigt sich an Nebensächlichkeiten, beim Warmmachen vor dem Training, zum Beispiel.

Als die Spieler des VfL Wolfsburg am Mittwochabend vor dem Training ihre Runden um den Platz im Stadio San Paolo drehten, um sich auf das Viertelfinal-Rückspiel in der Europa League beim SSC Neapel vorzubereiten, hatte niemand einen Ball am Fuß. Niemand außer Bendtner.

Er bewegte den Ball zwischen der linken und rechten Innenseite, machte Übersteiger, spielte den Ball mit der Hacke und der Sohle und freute sich ganz offensichtlich des Lebens.

Dabei ist die Lage des 27 Jahre alten Angreifers aus Dänemark trist. Seit Sommer ist Bendtner in Wolfsburg angestellt. Durchgesetzt hat er sich nicht. Er kommt auf 16 Einsätze in der Bundesliga, die meisten als Einwechselspieler, oft ist er nur ein paar Minuten auf dem Platz. Erst dreimal wirkte er über 90 Minuten mit. Gerade mal ein Tor ist ihm im nationalen Betrieb gelungen.

Halbes Jahr aus Nationalelf verbannt

Besser ist seine Bilanz in der Europa League: In sieben Spielen traf er vier Mal, bei der 1:4-Demütigung gegen Neapel vor einer Woche gelang ihm der Ehrentreffer. Trotzdem dürfte Bendtner im Rückspiel am Abend (21.05 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wieder nur auf der Bank sitzen. "Wenn er die Chance bekommt, erwarte ich, dass er auf sich aufmerksam macht", sagte Trainer Dieter Hecking.

Auf sich aufmerksam machen - das ist Bendtners Spezialität. Allerdings geschieht das meistens nicht im Sinne seiner Vorgesetzten. Sein Ruf ist schlecht, für Spieler wie ihn wurde der Begriff Skandalnudel eingeführt. Im März 2013 wurde er wegen Trunkenheit am Steuer festgenommen und musste seinen Führerschein abgeben, der dänische Verband strich Bendtner für ein halbes Jahr aus der Nationalmannschaft.

Beim Spiel des VfL Wolfsburg am vergangenen Wochenende gegen Schalke 04 hatte Bendtner eigentlich von Beginn an dabei sein sollen, doch weil er eine Stunde zu spät zum Abschlusstraining gekommen war, warf ihn Trainer Hecking für die Partie aus dem Kader, dazu gab es eine Geldstrafe. Bendtner hat die unglückliche Gabe, Chancen leichtfertig zu vertun.

Arsenal-Coach Wenger verzweifelte an ihm

Seine Karriere ist deshalb ein ständiges Hin und Her. Mit 17 Jahren kam er zum FC Arsenal, einem Verein, in dem junge Spieler unter der Anleitung von Trainer Arsène Wenger zu Weltstars reifen. Beziehungsweise: reifen können. Bei Bendtner war Lehrmeister Wenger machtlos. Anstatt in London zu Ruhm und Ehre zu kommen, wurde der Angreifer zum Dauerreisenden, spielte leihweise in Birmingham, Sunderland und bei Juventus Turin. Durchsetzen konnte er sich nirgends.

Deshalb war die Verwunderung groß, als ihn der VfL Wolfsburg unter Vertrag nahm. Bendtner kam ablösefrei, ohne großes Risiko für den Klub. Dennoch war die Frage: Warum?

Bislang trug Bendtner wenig zur Beantwortung bei.

Das liegt wohl auch daran, dass er mit seiner Umgebung fremdelt, dass er in die niedersächsische Provinz nicht so recht passt. Bendtner ist ein Weltmann, er sammelt Hüte, hat Wohnungen in London und Kopenhagen, nach der Karriere würde er gerne in die Modebranche gehen. Zum Training kommt er gerne im Anzug. In Wolfsburg nahm er Abstand von dieser Angewohnheit.

Mehr Tore für Dänemark als Barack Obama

Die Kollegen wiesen ihn darauf hin, dass das vielleicht doch ein bisschen übertrieben sei. Bendtner ist extravagant, schießt oft auch über die Grenze zur Arroganz hinaus. "Wenn man mich fragt, ob ich zu den besten Stürmern der Welt gehöre, sage ich ja. Weil ich es glaube", soll er einmal erklärt haben.

Durch seine Skandale und sein ausgefallenes Auftreten ist Bendtner zu einer Kultfigur im Internet geworden. Es sind Bilder im Umlauf, die ihn in Papstkleidung zeigen, mit dem Ballon d'Or, der Auszeichnung für den besten Spieler der Welt. Und mit großer Freude weist das Netzvolk darauf hin, dass Bendtner mehr Tore für die dänische Nationalmannschaft geschossen hat als Barack Obama.

Von seinen Fans wird er ehrfürchtig Lord genannt, Lord Bendtner. Da ist es nur konsequent, dass sich der Angreifer angeblich ein Stück Land in Schottland gekauft hat und den Ehrentitel damit auch offiziell tragen darf. Der Ursprung des Internet-Hypes ist für ihn selbst nicht ersichtlich: "Ich weiß nicht, woher es kommt und wie ich es verstehen soll. Ist es lustig? Werde ich damit veralbert? Ist es ernst gemeint?", sagte er in einem Interview mit der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung".

Bendtners Vorgesetzte beim VfL sind weit davon entfernt, sich der Verehrung anzuschließen. Sie wollen zur neuen Saison einen zusätzlichen Stürmer verpflichten, immer wieder wird Romelu Lukaku vom FC Everton als Kandidat genannt. Die Wolfsburger wissen, dass es in der Champions League nicht reicht, sich auf Tore von Bas Dost zu verlassen - und zu hoffen, dass Bendtner irgendwann auch auf dem Platz auf sich aufmerksam macht, nicht nur daneben.



insgesamt 4 Beiträge
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Bundeskanzler20XX 23.04.2015
1. Kein Lord, Kardashian!
Er ist ein Kardashian des Fußballs, ohne Leistung viel Geld verdienen , im Fach Wirtschaftskunde hatte er sicher eine Eins. Denn wer ohne Leistung Geld verdient hat den Kapitalismus verstanden.
spitzaufknoof 23.04.2015
2. Wie
andere ewige Talente auch. Es wird ihm leicht gemacht aber er kriegt leider immer wieder die Kurve nicht. Auch in Wolfsburg scheint es wieder mal nicht zu klappen. Mal gucken wohin die Reise als nächstes geht.
manu.h56 23.04.2015
3. Blasphemie!
So ein kritischer Artikel grenzt an Gotteslästerung!
jensen12345 23.04.2015
4. ...
Zitat: "Über Nicklas Bendtner hört man einiges: Trunkenheit am Steuer, spätes Erscheinen beim Training. Nur mit den Toren klappt es nicht so. Im Sommer dürfte der dänische Stürmer beim VfL Wolfsburg Konkurrenz bekommen. " Fakt ist, dass Bendtner in diesem Jahr öfter getroffen hat für Wolfsburg als der völlig überschätzte Schürrle. Schürrle bringt es in sämtlichen Pflichtspielen für Wolfsburg auf gerademal einen einzigen Treffer (und das gegen den designierten Absteiger VFB Stuttgart). Die "Leistungen" von Schürrle bei Wolfsburg sind Woche für Woche schwach und damit knüpft er nahtlos an seine schwachen Leistungen an, die er konstant bei Chelsea gezeigt hat.
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