Fotostrecke

Fotostrecke: Nach der Pause aufgedreht

Foto: REUTERS

Wolfsburgs Sieg über Mailand Lachen und Leiden

Kevin de Bruyne und André Schürrle prägten das Wolfsburger 3:1 gegen Inter Mailand. Während der Belgier mit zwei Toren Mann des Abends war, erlebte der Weltmeister seinen bisherigen Tiefpunkt beim VfL.

Kevin de Bruyne klang unsicher. Er wisse nicht, ob er alles richtig gemacht habe, er hoffe doch. Nach dem 3:1-Erfolg seines VfL Wolfsburg im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League gegen Inter Mailand war der Mittelfeldspieler auf den Zaun des Fanblocks gebeten worden, er bekam ein Megafon in die Hand gedrückt und sollte den Jubel dirigieren.

"Es war das erste Mal für mich", sagte de Bruyne über die Verbrüderung mit dem harten Kern des Publikums. Was genau er ins Megafon gerufen habe, wollte er nicht berichten. "Ihr wisst doch, was man da sagt", bedeutete er der Reportern. Dann lachte er.

De Bruyne war der Mann des Abends im Wolfsburger Stadion, mit einer Vorlage und zwei Toren trug er entscheidend dazu bei, dass der VfL mit anderthalb Beinen im Viertelfinale steht. Im Rückspiel in Mailand am kommenden Donnerstag (21.05 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) könnten sich die Wolfsburger sogar eine knappe Niederlage leisten. Was aber nicht heißt, dass im Lager des VfL grenzenloser Frohsinn herrschen würde. Denn de Bruyne war nur einer von zwei Spielern, die beim Sieg gegen Inter im Blickpunkt standen.

Der zweite war André Schürrle.

Für geschätzt 32 Millionen Euro war der Weltmeister zu Beginn der Rückrunde vom FC Chelsea nach Niedersachsen gewechselt, und nachdem Schürrle mit zwei Vorlagen bei seinem Debüt gegen Hoffenheim Anfang Februar höchste Erwartungen geweckt hatte, knickte seine Formkurve ein. Zuletzt fehlte dem Offensivmann die Bindung zum Spiel, wie es in der Fachsprache heißt, er hat seinen Platz beim VfL noch nicht gefunden. Noch immer wartet Schürrle auf seinen ersten Treffer für den neuen Arbeitgeber.

"André hat nicht gut gespielt, das kann er besser"

Gegen Mailand erlebte Schürrle den vorläufigen Tiefpunkt seiner Zeit als Wolfsburg-Profi. In der sechsten Minute bekam er ein Zuspiel von Robin Knoche nicht unter Kontrolle, Inters Stürmer Mauro Icardi erbeutete den Ball und leitete die Führung durch Rodrigo Palacio ein. Und weil Schürrle nach vorne wenig Bemerkenswertes gelang, war sein Arbeitstag schon nach der Hälfte des Spiels beendet. Trainer Dieter Hecking versuchte gar nicht erst, Schürrles Auswechselung in der Halbzeitpause mit taktischen Erwägungen zu begründen: "André hat nicht gut gespielt, das kann er besser."

Fotostrecke

Wolfsburg in der Einzelkritik: Caligiuris Vergangenheit, Naldos Urgewalt

Foto: Peter Steffen/ dpa

Als wenn das noch nicht genug der Demütigung gewesen wäre, lief es ohne Schürrle plötzlich für die Wolfsburger. Vieirinha wechselte aus der Abwehr ins offensive Mittelfeld und krönte eine starke Leistung mit der Vorarbeit zu de Bruynes 2:1 nach einer guten Stunde. Daniel Caligiuri brachte Inters Hintermannschaft im Fünf-Minuten-Takt durcheinander. Er war besonders motiviert als Sohn eines Italieners und langjähriger Fan von Inters Stadtrivalen AC Mailand. Kurz vor Schluss wurde auch noch Ivan Perisic eingewechselt. Er ist nach vierwöchiger Verletzungspause zurück im Dienst und konkurriert ebenfalls mit Schürrle um einen Posten in der Offensive.

Die Wolfsburger wollen die Debatte um den teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte nicht hochkochen lassen, aber sie wissen, dass das schwer werden dürfte. "Nach einem 3:1 möchte ich darüber eigentlich nicht reden", sagte Trainer Hecking, schilderte dann aber doch seine Sicht auf Schürrles Lage. "Natürlich ist die Erwartung groß. Ich kann nur sagen: Bleibt ruhig!", appellierte der Trainer an die Öffentlichkeit.

Dem VfL dürfte das Problem mit Schürrle bekannt vorkommen. In der vergangenen Saison machte der Verein eine ähnliche Situation mit de Bruyne durch. Der Belgier war wie Schürrle im Winter vom FC Chelsea nach Wolfsburg gewechselt, brachte wie Schürrle wenig Spielpraxis mit und hatte Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung. De Bruyne kann die Leiden des neuen Mitspielers deshalb gut nachvollziehen: "Das ist eine richtig schwere Situation. Ich kann verstehen, dass er im Moment ein bisschen müde wirkt. Aber ich mache mir keine Sorgen", sagte er über Schürrle.

Mit de Bruyne und dem VfL Wolfsburg hat es ja auch geklappt. Das Spiel gegen Inter Mailand war dafür Beleg genug.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.