Pokalsieger VfL Wolfsburg Alle mal ausrasten

Der VfL Wolfsburg krönt eine starke Saison: Kevin De Bruyne führte seinen Klub gegen Borussia Dortmund zum Pokalsieg. Und es sieht sogar so aus, als könnte der Belgier zumindest noch ein Jahr bleiben.

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Von Jörg Kramer, Berlin


Kevin De Bruyne machte einen nüchternen Eindruck. "Acht Liter" passten in den goldenen Pokal, den er mit seiner Mannschaft beim 3:1-Finalsieg gegen Borussia Dortmund gewonnen hatte, rief ihm ein Reporter ermutigend zu, "acht Liter!"

Der Star des VfL Wolfsburg - hemdsärmelig, Glitzer-Boots zur Designerjeans und das rotblonde Haar zu schräg aufragenden Stacheln frisiert - legte sein Jackett lässig über den Rollkoffer und murmelte: "Trinke eh kein Bier."

Schön und gut, aber ging es hier nicht um Champagner? Der VfL war Pokalsieger und De Bruyne hatte nach seiner ersten kompletten Saison mit Wolfsburg seinen ersten Titel. Aber der schnelle und technisch starke Belgier gehört nicht gerade zu den Feierbiestern. Okay, "die Saison war überragend", gab er zu. De Bruyne hat in dieser Bundesligasaison zehn Tore erzielt und 22 Treffer vorbereitet.

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Doch die erste Etappe der feucht-fröhlichen Nachspiel-Zeit überstand er im Berliner Olympiastadion schon mal komplett alkoholfrei: Während die Kameraden ausgelassen in der Kabine auf den Triumph anstießen, ließ sich De Bruyne vom Arzt behandeln. Der rechte Fuß war knapp über dem Knöchel bereits zur Pause mit fünf Stichen genäht worden - "richtig tief", sagte er, und richtig schmerzhaft sei die Fleischwunde. Und als die Mannschaft mit grün blinkenden Spaßbrillen auf den Nasen um 1.15 Uhr die Kreuzberger Event-Location enterte, die der Klub für Funktionäre, Freunde und Geschäftspartner gemietet hatte, hielt sich der junge Torschütze eher im Hintergrund.

"Ruhig mal ausrasten!", empfahl Manager Klaus Allofs seinen Spielern in der grün-weißen Partynacht. Und nach dem "Freudengeheul in Berlin", wie die Wölfe ihre Sause nannten, deutet vieles auf eine rosige Zukunft des Volkswagen-Klubs hin. Eine Zukunft womöglich auch mit dem weithin begehrten Superstar, zumindest noch für ein Jahr. VW-Chef Martin Winterkorn, der nachts um halb zwei persönlich den Pokal in die Luft stemmte, hatte zuletzt eine Art Machtwort gesprochen, als er verkündete: Seine Hoffnung sei "sehr groß, dass er bei uns bleibt". Es war ein Machtwort auch im Aufsichtsrat von Bayern München, dem Winterkorn angehört. Die Botschaft ist dem Vernehmen nach in der Bayern-Führung angekommen: nämlich, dass der deutsche Rekordmeister zumindest für die kommende Saison nicht um De Bruyne werben soll und wird.

Natürlich kann jetzt immer noch Real Madrid kommen oder ein Manchester-Klub und 60 bis 80 Millionen Euro Ablöse bieten für den Mann, der vor eineinhalb Jahren für 25 Millionen vom FC Chelsea kam. Dann wäre Allofs verhandlungsbereit, das hat er De Bruyne zugesichert.

Uefa lässt VW freie Hand

Aber inzwischen kann Wolfsburg dem genialen Torvorbereiter ein attraktives Arbeitsumfeld bieten mit der Champions-League-Teilnahme und allen finanziellen Möglichkeiten. Die Uefa hat mittlerweile das Wolfsburger Finanzierungsmodell abgesegnet, weil die Zuwendungen von VW einem messbaren Werbewert für das Unternehmen entsprächen. VfL-Finanzvorstand Wolfgang Hotze sagte SPIEGEL ONLINE kürzlich, was das nun bedeuten kann: Der Werbewert dürfte mit der geschafften Qualifikation für die Champions League wegen der größeren internationalen Medienpräsenz nochmals um etwa 50 Prozent steigen. Wenn VW also bisher zum Beispiel 100 Millionen Euro jährlich für Wolfsburgs Fußballtruppe zahlen würde, dürften es nach den Uefa-Regeln des Financial Fair Play künftig 150 Millionen im Jahr sein.

So viel VW-Geld sei gar nicht nötig, meint Allofs, der ja in der Champions League ohnehin jetzt mit Mehreinnahmen von 20 bis 30 Millionen rechnen kann. Aber allein das Wissen um all diese Möglichkeiten macht einen Arbeitsplatz in der VfL-Mannschaft so reizvoll. Und nach der Verpflichtung des bisherigen Mönchengladbachers Max Kruse, der sein neues Team schon in Berlin besuchte, wird die Mannschaft offensiv schon mal nicht schwächer.

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Also was nun? "Immer diese Scheiße", sagte Kevin De Bruyne, um die Fragen nach seiner Zukunft abzuwehren. Diese Nacht sei zum Genießen da. Es folgen zwei Länderspiele mit Belgien bis zum Urlaub und ein Gespräch mit Allofs. Der will seinem besten Spieler den ohnehin bis 2019 gültigen und mit rund fünf Millionen Euro jährlich dotierten Vertrag aufbessern. Vielleicht wird er auf acht Millionen erhöhen - da fehlt es De Bruyne dann wohl wirklich bald an nichts. Also ruhig mal ausrasten.

Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg 1:3 (1:3)
1:0 Aubameyang (5.)
1:1 Luiz Gustavo (22.)
1:2 De Bruyne (33.)
1:3 Dost (38.)
Dortmund: Langerak - Durm (68. Blaszczykowski), Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl (68. Piszczek) - Mchitarjan, Kagawa, Reus (79. Immobile) - Aubameyang
Wolfsburg: Benaglio - Vieirinha, Naldo, Klose, Rodriguez - Arnold (81. Schürrle), Luiz Gustavo - Perisic (74. Guilavogui), De Bruyne, Caligiuri (85. Träsch) - Dost
Schiedsrichter: Felix Brych
Zuschauer: 75.815 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Mchitarjan (2), Schmelzer - De Bruyne (2), Vieirinha (2)



insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
alois.wistelhuber 31.05.2015
1. So ist Fußball
Als neutraler Beobachter muss ich sagen, dass der Sieg der Wolfsburger mehr als glüclich ist. Wenn man mehrfach das leere Tor nicht trifft, dabei selbst aber zwei sehr unglückliche Treffer (Nr 1 und 2) kassiert und zudem der gegnerische Torwart wiederum mehrfach großen Dusel hatte, dann kann man nicht gewinnen. Dortmund spielte klar den besseren Fußball, aber irgendwann gibt man dann auf. Seis wies sei. Morgen kräht kein Hahn mehr danach. Dass an der Spitze der Fifa ein oberschmieriger Wicht steht, ist viel schlimmer.
jaakow 31.05.2015
2. bruyne
selten bin ich der Meinung, dass ein Spieler nicht ersetzbar ist und noch mehr Geld in den Schlund bekommen sollte. Aber de Bruyne spielt eine derartig geniale Saison und entscheidet auch die wichtigsten Spiele. Dennoch gebe ich ihm nur noch maximal 1 Jahr, dann ist er für mindestens 60 Millionen weg.
mrmink 31.05.2015
3. Fair Play
Was haben 100 oder gar 150 Millionen mit fair Play zu tun?! Andere Vereine in der Bundesliga können von 10% davon nur träumen. Die zwei Klassen Liga wird den Fußball zerstören und grottenlangweilig machen. DFB, Uefa und die Fifa machen nur Regeln für die größten Geldgeber. Es ist in Deutschland doch bezeichnend, das VW mit Wolfsburg und Bayern die Finger im Spiel hat, Meister, Vizemeister und Pokalsieger alles in den Händen von Herrn Winterkorn.
clauebers 31.05.2015
4.
Zitat von alois.wistelhuberAls neutraler Beobachter muss ich sagen, dass der Sieg der Wolfsburger mehr als glüclich ist. Wenn man mehrfach das leere Tor nicht trifft, dabei selbst aber zwei sehr unglückliche Treffer (Nr 1 und 2) kassiert und zudem der gegnerische Torwart wiederum mehrfach großen Dusel hatte, dann kann man nicht gewinnen. Dortmund spielte klar den besseren Fußball, aber irgendwann gibt man dann auf. Seis wies sei. Morgen kräht kein Hahn mehr danach. Dass an der Spitze der Fifa ein oberschmieriger Wicht steht, ist viel schlimmer.
das neutral stelle ich mal ganz bewusst in frage, sogar die meisten dortmundfans haben das anders gesehen
ma.wittmann65 31.05.2015
5. Alte Probleme
Dortmund zeigte immer wieder die alten Schwächen. Sie können kein eigenes Spiel aufziehen und zeigen immer wieder gewaltige Probleme in der Abwehr. Bei allen Lobgesängen auf Jürgen Klopp: Diese Probleme konnte er nicht abstellen. Zeit genug hatte er dafür. Bei allen anderen Vereinen wäre so ein Trainer entlassen worden.
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