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Wolfsburg im Viertelfinale Großer Sieg, kleine Freude

Wolfsburg gehört nach dem Sieg gegen Gent zu den besten acht Mannschaften Europas. "Man wird ganz anders ernst genommen", sagt Julian Draxler. Aber wo ist die Euphorie?

Ausgangslage des Abends: Der VfL Wolfsburg stand, trotz zweier später Gegentore im Hinspiel, mit einem Bein im Viertelfinale der Champions League. Wie man so sagt. Um ihrerseits im Rennen zu bleiben, brauchte die königliche Athletik-Assoziation aus Gent mindestens zwei Auswärtstore. Das war keine leichte Aufgabe beim heimstarken VfL.

Option eins unter diesen Vorzeichen: bedingungsloser Sturmlauf der Belgier, quasi Sensation oder zweistellige Niederlage. Option zwei: mit Anstand verabschieden. Hein Vanhaezebrouck entschied sich für die zweite Variante.

Aufstellungen des Abends:

Wolfsburg: Casteels - Träsch, Knoche, Dante, Rodríguez - Luiz Gustavo, Guilavogui - Schürrle, Arnold, Draxler - Kruse.
Gent: Sels - Nielsen, Gershon, Asare - Rafinha, Renato Neto, Kums, Matton, Dejaegere - Milicevic, Simon.

Ergebnis des Abends: 1:0 (0:0)

Die erste Hälfte:

Die zweite Hälfte: Wolfsburg wurde dominanter. Gent wartete weiter ab. Erst in der 74. Minute fiel das Tor, das alle Zweifel beseitigte, die niemand mehr hatte. Träsch auf Draxler, der mit einem schönen Solo auf der rechten Seite, Belgier wie Slalomstangen, Rücklage auf André Schürrle, 1:0. Game over.

Volkshochschulwissen des Abends: Fußballerisch war das Spiel über lange Strecken zum Vergessen. Immerhin bot die Begegnung Anlass, seine Flämisch-Kenntnisse aufzubessern. "Zonder spits" spielte Gent beim VfL, berichtete  "Het Nieuwsblad": "ohne Stürmer". Auch dass "Rückspiel" "Terugwedstrijd" bedeutet, wird in Erinnerung bleiben.

Sparfüchse des Abends: Die Wolfsburger Zuschauer, die ihr schwer erarbeitetes Geld nicht für vage Ideale wie "erstes und vielleicht einziges Champions-League-Achtelfinale, das je in meiner Stadt stattfindet" ausgeben. Sondern die abwarten, bis ein bekannterer Gegner anreist. Dabei hatte die "Wolfsburger Allgemeine " vor dem Spiel Optimismus verbreitet: "Immerhin ist für den Abend kein Regen angesagt."

Heimlicher Gewinner des Abends: Das ZDF. Der TV-Vertrag schreibt dem Sender vor, dass er nur Spiele am Mittwoch übertragen darf, solange noch mehrere deutsche Mannschaften im Wettbewerb vertreten sind. Das ergibt zwar ungefähr so viel Sinn wie eine Vorschrift, nur Spiele zwischen Teams mit einer ungeraden Anzahl an Buchstaben im Vereinsnamen zu senden, aber hey: Vertrag ist Vertrag. Dadurch kommen die deutschen Free-TV-Zuschauer morgen in den Genuss, Chelsea gegen PSG zu sehen, anstatt das blutleere Gekicke aus Wolfsburg zu verfolgen.

Heimlicher Verlierer des Abends: Das ZDF. Sollte der FC Bayern gegen Juventus weiterkommen, sind im Viertelfinale weiter zwei deutsche Teams vertreten. Wenn dann Bayern gegen Barcelona spielt und Zenit gegen Wolfsburg, sehen die Fans eines der beiden Bayern-Matches nur auf Sky.

Weltmeister des Abends: André Schürrle ist zurück. In seinem ersten Jahr beim VfL erzielte der Nationalspieler drei Tore. Also eins alle vier Monate. Innerhalb der vergangenen Woche hat er gleich viermal getroffen. Glas-halb-leer-Typen mögen einwenden, dass die Gegner Hannover und Gent hießen. Aber das wäre kein konstruktiver Journalismus.

Ausblick des Abends: Der VfL, zurzeit nur Siebter der Bundesliga, muss am Wochenende bei der TSG Hoffenheim antreten. Das wird, so traurig es klingt, schwerer als das Achtelfinale der Champions League. Immerhin dürfte die Atmosphäre im Stadion sich nicht groß vom Spiel gegen Gent unterscheiden.

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