Videobeweis in Stuttgart Vier Minuten bis zur Fehlentscheidung

Ohne den Videobeweis hätte der 1. FC Köln womöglich einen Punkt beim VfB Stuttgart ergattert. Die Probleme bei der Auslegung bleiben, die Schiedsrichter fahren keine einheitliche Linie.
Schiedsrichter Benjamin Cortus beim Betrachten der Videobeweis-Bilder

Schiedsrichter Benjamin Cortus beim Betrachten der Videobeweis-Bilder

Foto: Matthias Hangst/ Bongarts/Getty Images

Der 2:1-Sieg des VfB Stuttgart gegen den 1. FC Köln war 88 Minuten lang ein normales Fußballspiel. Der FC begann gut, geriet in Rückstand, bekam dann Probleme und glich doch noch aus. Es hätte ein verdienter Punktgewinn werden können, doch in besagter 88. Minute entschied Schiedsrichter Benjamin Cortus auf Foulelfmeter für Köln. Stürmer Sehrou Guirassy ging nach einem vermeintlichen Foul von Dennis Aogo zu Boden.

Schon Sekunden nach seinem Pfiff machte Cortus dann aber die mittlerweile so typische Schiedsrichter-Geste, er griff sich ans Ohr und hörte seinem Video-Assistenten in Köln zu. Insgesamt dauerte die Entscheidungsfindung fast vier Minuten, Cortus ging zwischenzeitlich sogar an die Seitenlinie und schaute sich die Szene auf einem Monitor an.

Cortus entschied sich letztlich für eine Rücknahme seiner Entscheidung, was inhaltlich verständlich ist, denn es war kein klares Foul von Aogo sondern eher ein unglücklicher Zusammenprall - insgesamt war es eine schwer aufzulösende Szene. Trotzdem sorgte die Entscheidung nach dem Schlusspfiff für viele Diskussionen, zumal dem VfB im Anschluss auch noch der Siegtreffer gelang.

"Es gibt einen Kontakt, und der Schiedsrichter hat eine Entscheidung getroffen", sagte Kölns Sportdirektor Jörg Schmadtke nach dem Spiel beim TV-Sender Eurosport. "Das ist keine klare Fehlentscheidung. Dann frage ich mich, warum die sich in Köln einmischen? Das muss mir irgendwann einer erklären. Ich werde die nächsten drei Tage von allen möglichen Experten erklärt bekommen, warum das kein Elfmeter ist. Die Szene zeigt, dass das, was besprochen wurde und das, was getan wird, zwei unterschiedliche Dinge sind."

Denn Hellmut Krug, "Chefinstruktor" (was immer dies genau sein mag) des DFB in Fragen des Schiedsrichterwesens, hatte wegen der anhaltenden Diskussionen rund um den Videobeweis vor wenigen Wochen eine Sache klargestellt: Sollte eine Entscheidung des Schiedsrichters lediglich strittig und nicht klar auflösbar sein, soll sein im Spiel gefälltes Urteil bestehen bleiben. Der Vorfall in Stuttgart gehört in genau diese Kategorie, nach den Ausführungen Krugs hätte es somit Elfmeter geben müssen.

Es sei denn, Cortus hätte auf Foul von Guirassy entschieden. Das hat der Schiedsrichter aber nicht getan, denn das Spiel wurde mit Schiedsrichterball weitergeführt.

Es bleibt dabei: Der Videobeweis kann den Fußball gerechter machen, doch in der Bundesliga fehlt eine einheitliche Linie.

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, der Schiedsrichterball sei falsch ausgeführt worden, da kein Kölner Spieler in der Nähe war. Richtig ist, dass sich während der Ausführung beliebig viele Spieler in der Nähe des Referees aufhalten dürfen - also auch nur einer. Die Anwesenheit eines FC-Profis war also nicht erforderlich.

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