Vierfacher EM-Karteninhaber "Meine Eltern haben mich für bekloppt erklärt"

Florian Peter ist zu beneiden: Der Fußball-Fan hat vier deutsche Teamticketserien für die EURO 2008 zugelost bekommen und kann die Löw-Elf bis ins Finale begleiten. Bei SPIEGEL ONLINE wird Peter seine Erlebnisse täglich in einem Blog veröffentlichen.


SPIEGEL ONLINE: Herr Peter, Sie haben vier Teamserien für die deutsche Nationalmannschaft zugelost bekommen. Wie kommen Sie mit dem Neid von Millionen Fußball-Fans klar?

Peter: Ganz gut, ich kenne das schon von der WM 2006. Damals hatte ich eine Teamserie für Brasilien zugelost bekommen. Die hat am Ende allerdings nicht das gehalten, was sie versprach und es war ein bisschen langweilig, alle Spiele alleine zu besuchen.

EM-Kartenbesitzer Peter: "Ich hätte 200 Leute mitnehmen können"
Simone Höfer

EM-Kartenbesitzer Peter: "Ich hätte 200 Leute mitnehmen können"

SPIEGEL ONLINE: Diesmal dürfen Sie gleich drei Personen mitnehmen. Nach welchen Kriterien haben Sie die Auswahl getroffen?

Peter: Als ich kurz vor Weihnachten die Bestätigung bekam, dachte ich zuerst an Spam. Das änderte sich dann aber ziemlich schnell, als die Uefa mir 3800 Euro von meiner Kreditkarte abgebucht hat. Dadurch musste alles schnell gehen. Ich habe eine Liste mit potentiellen Kandidaten gemacht, drei davon haben sofort zugesagt. Ich hätte 200 Leute mitnehmen können.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie sich auf diese Reise vorbereitet? Gab es ein Trainingslager in Ihrer Dortmunder Stammkneipe?

Peter: (lacht) Nein, im Gegenteil: Ich habe eine Diät gemacht und drei Kilo abgenommen. Schließlich erwarten mich während der EM jede Menge Grillfleisch und sicher auch das eine oder andere Bier in unserem Ferienhaus in Klagenfurt.

SPIEGEL ONLINE: Da ist ja der Streit, wer das Auto fährt, programmiert.

Peter: Nein, denn wir haben einen Moslem dabei, der strikter Anti-Alkoholiker ist. Ansonsten ist aber durchaus Trinkfestigkeit vorhanden. Zudem sind wir alle vier Patrioten. Ich habe im Deutschland-Wahn Merchandise bestellt, so dass wir uns in den drei Wochen sicher nicht verstecken müssen.

SPIEGEL ONLINE: Mit viel Pech scheidet das Team von Jogi Löw schon in der Vorrunde aus. Was machen Sie in diesem Fall?

Peter: Daran will ich noch gar nicht denken. Ich will erstmal alles mitnehmen was geht. Unsere Tour besteht ja nicht nur aus den Deutschland-Spielen. Wir werden an den anderen Tagen in verschiedene Städte fahren, um das internationale Flair dieser EM zu erleben. Natürlich hoffe ich auf einen Finaleinzug, schließlich halte ich einen Gutschein für dieses Spiel bereits in den Händen.

SPIEGEL ONLINE: Diese Karten werden auf dem Schwarzmarkt teuer gehandelt. Wo liegt denn Ihre Schmerzgrenze?

Peter: Ganz ehrlich: Wenn ich mit dem Geld die Schlussrate meines Autos bezahlen könnte, würde ich wohl schwach werden. Aber da sprechen wir über 5000 Euro.

SPIEGEL ONLINE: Was sagt Ihre Freundin zu dem Trip?

Peter: Die hat Gott sei Dank Verständnis für meine Leidenschaft. Meine Eltern haben mich dagegen für bekloppt erklärt, soviel Geld für ein paar Fußballspiele auszugeben.

SPIEGEL ONLINE: Was erwidern Sie den Fans, die Ihnen vorwerfen, der Uefa Geld für ein hochkommerzielles Ereignis wie die EURO in den Rachen zu werfen?

Peter: Ich sehe diesen Aspekt natürlich auch, aber der Kommerz interessiert mich nicht mehr, sobald das Spiel angepfiffen ist. Das gehört eben dazu. Solange ich nicht wie bei der WM Budweiser im Stadion trinken muss, kann ich damit leben. Und die Fans, die aus Protest nicht hingehen würden, unterstützen das System dann, indem Sie den Fernseher einschalten. Das ist auch nicht viel konsequenter.

SPIEGEL ONLINE: Wie lautet Ihr persönlicher EM-Wunsch?

Peter: Das es in den Stadien und in den Städten friedlich bleibt. Und natürlich, dass wir jede Menge Anekdoten erleben, mit denen wir unser tägliches Blog bei SPIEGEL ONLINE füllen und die Leser so ein wenig an der EM teilhaben lassen können.

Das Interview führte Mike Glindmeier



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