Viertelfinale Deutschlands Geheimrezept gegen Argentinien

Selbstzweifel? Keine Spur. Vor dem Viertelfinale der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien kennt die Zuversicht im deutschen Lager keine Grenzen. Stürmerstar Klose hat sogar schon Mitleid mit den Südamerikanern.


Berlin - "Die Argentinier waren zu Beginn des Turniers sicherlich Favorit auf den WM-Sieg. Jetzt haben sie aber das Pech, dass sie gegen uns spielen müssen", sagte Miroslav Klose, der nicht nur sein Team im Vorteil sieht. Auch die persönlichen Stärken betreffend, stellt der 28-Jährige nach vier Turniertreffern und zwei Torvorlagen ein bisher nicht gekanntes Selbstvertrauen zur Schau. "Natürlich haben die Argentinier gute Abwehrspieler, doch ich denke, dass ich mich in meiner derzeitigen Verfassung vor keinem Verteidiger verstecken muss", sagte der Stürmer, als er auf die starke Innenverteidigung der Argentinier angesprochen wurde.

Klose und Ballack im Training: "Es passt einfach"
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Klose und Ballack im Training: "Es passt einfach"

Auch seine Mannschaftskollegen geben sich vor dem Viertelfinale am Freitag (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) siegessicher. "Wir glauben echt an den Titelgewinn. So ein Selbstbewusstsein war bei uns lange nicht da", sagte Kapitän Michael Ballack im Interview mit der "Sport Bild". "Im Moment haben wir einfach einen Lauf. Es passt derzeit einfach bei uns."

Selbst Ersatztorhüter Oliver Kahn spürt "den Druck und den Kitzel", den dieses wichtige Spiel im Team hervorruft. Es sei "ein spezieller Geist in der Mannschaft. Man merkt bei jedem, welches Ziel wir haben", so der 37-Jährige.

Co-Trainer Joachim Löw zeigte sich ähnlich selbstbewusst, verwies aber auch auf Stärken des "schwierigsten Gegners" des Turniers. Von einem vorgezogenen Endspiel gegen Argentinien wollte er nichts wissen. Löw sprach aber von einer Partie mit "höchster Bedeutung", bei dem ein Sieg natürlich auch positive Auswirkungen auf den anschließenden Turnierverlauf habe.

Löw lobte Argentinien als "eingespielteste und homogenste Mannschaft des Turniers. Was wir seit zwei Jahren immer mal wieder, und seit sechs Wochen intensiv betreiben, die Mannschaftsbildung, das machen die Argentinier seit Jahren", sagte Löw. Um eine Chance zu haben, müsse man den Argentiniern "im Mittelfeld auf die Nerven gehen - und Passwege zu machen", so der 46-Jährige.

Neben dem neuen Selbstbewusstsein dominiert im deutschen Lager die Harmonie. So ist von den Differenzen, die Kapitän Ballack zu Anfang des Turniers mit Jürgen Klinsmann hatte, nichts mehr zu spüren. Der Bundestrainer hatte den 29-Jährigen im Auftaktspiel gegen Costa Rica auf der Bank gelassen, obwohl sich dieser nach einer Wadenverletzung wieder fit gefühlt hatte. Kritiker sahen in dem Machtkampf zwischen Klinsmann und seinem wichtigsten Akteur eine ernsthafte Gefahr für die Stimmung innerhalb der Mannschaft.

Jetzt sprach sich Michael Ballack für eine weitere Zusammenarbeit mit dem Bundestrainer aus: "Ich würde mich freuen, wenn er weitermacht. Er ist ein junger, ehrgeiziger Trainer. Er hat die Mannschaft umgebaut, verjüngt. Und jetzt bei der WM fruchtet es, und man kann sagen: Er tut der Mannschaft gut. Er hat sie weitergebracht. Es passt", sagte Ballack.

Auch Kahn gab sich sehr versöhnlich. Die langjährige Nummer eins lobte seinen Nachfolger im Tor der deutschen Nationalmannschaft, Jens Lehmann, und bezeichnete dessen Leistung bei dieser WM als "tadellos". Er wirke sehr "abgeklärt und ruhig", sagte Kahn.

Mit einem Erfolg im WM-Viertelfinale würde die Nationalmannschaft einen Rekord in der Geschichte des DFB aufstellen. Nach bisher vier Erfolgen im Laufe dieser WM peilt die Mannschaft von Bundestrainer Klinsmann bei der Partie am Freitag die bislang unerreichte Marke von fünf Siegen innerhalb eines WM-Turniers an. Seit der 1:4-Niederlage in Italien am 1. März 2006 hat die DFB-Elf von den vergangenen acht Spielen sieben gewonnen und einmal Unentschieden (2:2 gegen Japan) gespielt.

fpf/knu/sid



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