Viertelfinalist Frankreich Spanier erleben blaues Wunder

Spaniens Turnier-Trauma hält an: Erneut reichte es nicht für einen Durchmarsch bis ins Finale einer WM. Frankreich hat mit dem überraschenden Sieg gegen die Iberer das Viertelfinale erreicht. Dort treffen "Les Bleus" auf Brasilien - eine Wiederauflage des Endspiels von 1998.

Von Pavo Prskalo


Hannover - Im Stade de France zu Paris ging der Stern Zinedine Zidanes auf. 1998 schoss Zidane, damals 26 Jahre jung, Frankreich gegen Brasilien mit zwei Toren zum WM-Titel, sein Antlitz wurde überlebensgroß an den Triumphbogen projiziert. Nun, acht Jahre später, kommt es erneut zu diesem Duell und Zidane konnte nach dem Schlusspfiff im Achtelfinale gegen Spanien seine Freude darüber nicht verbergen. "An Brasilien haben wir gute Erinnerungen", sagte er.

Mit seinem Treffer zum 3:1 in der Nachspielzeit zerstörte Zidane nicht nur alle Titelhoffnungen der Spanier, er verlängerte ganz nebenbei auch seine Karriere, die er nach der WM auf jeden Fall beenden wird, noch um mindestens ein Spiel. "Das Abenteuer geht weiter, wir sind glücklich, dass wir diesen Schritt geschafft haben. Wir wollten unseren Fans zeigen, dass wir noch die Qualität haben", so der 34-Jährige.

Allerdings teilen nicht alle seine Mitspieler diese Vorfreude. Torjäger Thierry Henry merkte mit Blick auf die Partie gegen den Rekordweltmeister an, dass "wir jetzt einen Berg vor uns haben".

Dass es überhaupt so weit kommt, verdanken die Franzosen nicht allein Zidane. Vor allen Dingen Mittelfeldkollege Patrick Vieira zeigte gegen Spanien, wie auch schon beim 2:0-Vorrundensieg gegen Togo, eine überragende Vorstellung. Nicht nur dass der Profi von Juventus Turin mit einem Traumpass den Ausgleich durch Franck Ribéry einleitete, Vieira war es auch, der mit seinem Kopfballtreffer in der 82. Minute die "Equipe tricolore" endgültig auf die Siegerstraße brachte.

"Patrick Vieira und Zinedine Zidane sind in der Vorrunde oft kritisiert worden, aber in diesem Spiel waren sie die Besten", lobte der französische Nationaltrainer Raymond Domenech. Dieser hatte sich vor der Partie bereits den Unmut Zidanes zugezogen, als er mit Thierry Henry erneut nur eine Sturmspitze ins Rennen schickte. David Trezeguet musste draußen bleiben. Doch Zidane und Co. steckten trotz der Entscheidung des Trainers und des Rückstandes (David Villa hatte per Foulelfmeter in der 28. Minute getroffen) nicht auf.

Spanien dagegen muss die Koffer packen. Wie so oft bei großen Turnieren. Seit 1950 ist das Team über kein WM-Viertelfinale mehr hinaus-gekommen. Dabei hatte die Mannschaft von Trainer Luis Aragones in den drei Vorrundenspielen neben Argentinien den besten Fußball gezeigt. Seit dem Aus bei der Euro 2004 war man 25 Spiele ungeschlagen geblieben, die schwächelnden Franzosen sollten kein ernstzunehmendes Hindernis auf dem Weg zum Titel sein. Also schickte Aragones mit Raúl, Villa und Fernando Torres drei Stürmer auf den Platz, sie sollten es gegen die französischen Fußballgreise um Zidane, Lilian Thuram und Fabien Barthez schon richten.

Doch noch nicht mal eine Stunde war gespielt, da verließ Aragones der Mut. Die Angreifer Raúl und Villa nahm er vom Platz, dafür kamen die offensiven Mittelfeldspieler Joaquín und Luis Garcia. "Nach dem Seitenwechsel haben wir leider zu viele Fehler gemacht", sagte Aragones. Wahrscheinlich meinte er damit auch sich selbst.

Die Franzosen blieben ihrer Taktik treu: Warten auf Fehler des Gegners. Ein solcher unterlief der spanischen Defensive kurz vor Schluss, Vieira bedankte sich. Die größte Genugtuung wird aber Zidane verspürt haben. Hatte die spanische Presse den Altstar vor der Partie noch verspottet ("Wir werden Zidane in Rente schicken"), schickte dieser nun die spanische Elf auf die Heimreise. Die Brasilianer sollten gewarnt sein.

Spanien - Frankreich 1:3 (1:1)
1:0 Villa (28./Foulelfmeter)
1:1 Ribéry (41.)
1:2 Vieira (83.)
1:3 Zidane (90.+2)
Spanien: Casillas - Sergio Ramos, Pablo, Puyol, Pernía - Xavi (72. Marcos Senna), Xabi Alonso, Fábregas - Torres, Villa (54. Joaquín), Raúl (54. Luis Garcia)
Frankreich: Barthez - Sagnol, Thuram, Gallas, Abidal - Vieira, Makelele - Ribéry, Zidane, Malouda (74. Govou) - Henry (88. Wiltord)
Schiedsrichter: Rosetti (Italien)
Zuschauer: 43.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Puyol / Vieira, Zidane, Ribéry



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