Völler-Interview "Es gibt keinen Grund, in Panik zu verfallen"

Trotz der derben Niederlage gegen Frankreich will sich Rudi Völler nicht davon abbringen lassen, weiter junge Spieler in seine Mannschaft einzubauen. Der DFB-Teamchef ist überzeugt, dass sich sein Kader bis zur EM verbessern wird.


DFB-Teamchef Rudi Völler: "Wenn es in die Hose geht, nehme ich es auf meine Kappe"
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DFB-Teamchef Rudi Völler: "Wenn es in die Hose geht, nehme ich es auf meine Kappe"

Herr Völler, wie beurteilen Sie den letzten Auftritt Ihrer Mannschaft in diesen Jahr?

Rudi Völler:

Wir sind natürlich enttäuscht und dieses 0:3 gegen Frankreich tut auch richtig weh. Die erste Hälfte haben wir noch ganz gut gespielt, nach dem 0:2 hatten wir keine Chance mehr. Und unter dem Strich zählt das nackte Ergebnis und das wird uns jetzt wohl noch einige Zeit verfolgen, da wir erneut gegen einen so genannten Großen nicht gewinnen konnten. Nach 60 Minuten haben wir uns ergeben, da haben wir wieder mit der gleichen Ängstlichkeit gespielt wie vor einigen Jahren in Frankreich. Das hat mich richtig geärgert. Nach dem 0:2 hat mir der Sauhund-Effekt gefehlt, nach dem Motto, von denen lassen wir uns nicht vorführen.

Lag die Niederlage möglicherweise auch daran, dass es in der deutschen Mannschaft ein Führungsproblem gibt?

Völler: Ich will die Gründe für die Niederlage nicht auf ein Führungsproblem beschränken. Vielmehr hat sich gerächt, dass wir unsere Chancen nicht genutzt haben. Gegen solche Gegner muss man seine Möglichkeiten einfach nutzen, sonst steht man am Ende mit leeren Händen da. Wenn man die Dinger nicht macht, kann man nicht unentschieden spielen, erst recht nicht als Sieger den Platz verlassen. Zudem wird jeder Fehler gegen solche Teams gnadenlos bestraft. Wir wussten allerdings vorher, dass man Spieler wie Henry, Zidane, Pires oder auch Trezeguet nie ganz ausschalten kann.

Ist es denn nicht frustrierend, dass man zum achten Mal in Serie gegen einen Großen des Fußballs verloren hat?

Völler: Wie gesagt, es tut weh, dass wir wieder gegen einen ganz Großen verloren haben und wir erst wieder in drei Monaten das nächste Spiel haben. Aber wir dürfen jetzt den Kopf nicht in den Sand stecken und müssen es gegen die Niederlande wieder versuchen. Das habe ich der Mannschaft auch gleich nach dem Spiel gesagt. Es gibt keinen Grund, in Panik zu verfallen. Zudem gibt es Große und Große. Frankreich steht sicherlich noch über Italien und den Niederlanden. Zudem muss man in Freundschaftsspielen auch was riskieren. Wir hätten uns es auch einfacher machen können, total defensiv spielen und Zidane einen auf die Füße stellen können. Das darf aber nicht unser Anspruch sei. In Freundschaftsspielen müssen wir auch was riskieren. Wenn das dann in die Hose geht, nehme ich es auf meine Kappe.

Wie richten Sie nach dieser Lehrstunde ihre vielen jungen Spieler wieder auf?

Völler: Sicherlich haben Sie heute am eigenen Leib erfahren, wo der Unterschied zu den ganz großen Mannschaft liegt. Frankreich und Brasilien sind derzeit nun mal das Maß aller Dinge. Aber gerade unsere jungen Spieler wie Kuranyi, Hinkel oder Friedrich haben hin und wieder angedeutet, dass sie auf einem guten Weg sind. Ich werde auf dieser Schiene bleiben und wir werden weiter konsequent unseren Weg gehen. Die jungen Spieler werden sich bis zur EM weiter verbessern.

Muss Ihnen rund sieben Monaten vor dem EM-Start denn nach der Leistung gegen die Franzosen nicht Angst und Bange werden?

Völler: Nein. Das Ergebnis tut weh, wirft uns aber nicht um. Bis zur EM wird sich noch eine Menge tun. Wir werden in aller Ruhe weiterarbeiten. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir bei der EM eine gute Rolle spielen werden. Zudem behauptet ja keiner, dass wir bei der EM alle Teams weg hauen. Denn dort sind die Gruppen möglicherweise sogar stärker besetzt als bei einer WM. Wir werden dort auf Topteams treffen und wissen das alles auch sehr gut einzuschätzen. Es wird noch eine Weile dauern, bis wir dahin kommen, wo die Franzosen sind.

Wie haben Sie das viel beachtete Duell zwischen Zinedine Zidane und Michael Ballack gesehen?

Völler: Dass Zidane eine überragende Partie gezeigt hat, habe nicht nur ich gesehen. Michael war sehr bemüht, aber er kann es natürlich besser. Man kann diese beiden Spieler aber nicht miteinander vergleichen. Zidane ist der Zauberer, Ballack der Vollstrecker. Sicherlich war Zidane, wenn es denn ein Duell war, der Gewinner. Bei seinem Spiel muss man mit der Zunge schnalzen, auch wenn man Trainer der gegnerischen Mannschaft ist.

Ein Wort zum Comeback von Jens Nowotny.

Völler: Ich muss mir das Spiel erst mal in Ruhe auf Video anschauen. Aber klar ist, es ist noch nicht der Nowotny, der er vor seiner Verletzung war. Das wussten wir aber vorher. Für ihn war es in einem solchen Spiel natürlich besonders schwer, da seine Mitspieler in der Abwehr nicht ihren besten Tag erwischt hatten.

Aufgezeichnet von Jürgen Zelustek, sid



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