Vom DFB zum US-Team Schalkes Jones wechselt die Nationalmannschaft

Die Freiheit, wählen zu können: Jermaine Jones kehrt der deutschen Nationalmannschaft den Rücken und wird künftig für die USA auflaufen. Der dreifache DFB-Auswahlspieler verlässt das Löw-Team durch eine Hintertür im neuen Fifa-Regelwerk.


Hamburg - Eigentlich ist Jermaine Jones als Kämpfer bekannt, doch der Schalker hat den Kampf um einen Platz in der deutschen Nationalmannschaft überraschend schnell aufgegeben. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bestätigte am Freitag, dass der 27-Jährige künftig das US-Trikot tragen werde. Jones besitzt die deutsche und die US-Staatsbürgerschaft.

Nationalspieler Jones: Künftig für die USA
Getty Images

Nationalspieler Jones: Künftig für die USA

"Ich finde, dass ich nie so richtig die Chance bekommen habe im DFB-Team, obwohl ich im Verein meine Leistungen immer gebracht habe. Ich will da nicht nachkarten. Ich habe schon lange im Kopf gehabt, für die USA zu spielen. Für mich beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt", sagte Jones dem Internet-Portal Sport 1.

Der Mittelfeldspieler hat den DFB bereits am 9. Juni darüber informiert, dass er sich gemeinsam mit seinem Berater Roger Wittmann entschieden habe, künftig für die USA zu spielen. Dabei bezieht er sich auf die neuen juristischen Voraussetzungen nach den Beschlüssen des Fifa-Kongresses.

Jones bestritt bisher drei Länderspiele für die DFB-Auswahl. Da er jedoch in keinem Pflichtspiel für das deutsche Team zum Einsatz kam, hat er gemäß den neuen Fifa-Statuten die Möglichkeit, künftig für die USA zu spielen. Jones ist der erste Nationalspieler, der von diesem modifizierten Statut Gebrauch macht.

"Bei unserem Spiel in Gladbach hatte mich Michael Bradley angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, für die USA zu spielen. Ich habe ihm gesagt, dass ich das sehr gern tun würde. Eigentlich hatte ich aber gedacht, dass das wegen meiner U21-Einsätze nicht mehr möglich ist. Aber durch die neuen Fifa-Beschlüsse weiß ich, dass das mit einem Wechsel dann doch funktioniert", sagte Jones.

"Wir haben die Entscheidung von Jermaine Jones zur Kenntnis genommen und akzeptieren sie. Ich wünsche ihm viel Glück für seine sportliche Zukunft", sagte Bundestrainer Joachim Löw, der zuletzt nicht mehr auf den in der Rückrunde starken Jones gesetzt hatte. Im defensiven Mittelfeld war der Schalker hinter Michael Ballack, Torsten Frings, Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger höchstens noch fünfte Wahl.

Beim Confed-Cup in Südafrika, der am Sonntag beginnt, wird er wohl noch nicht für die USA auflaufen. "Der Antrag auf Spielberechtigung ist gestellt, aber ich habe noch keine weiteren Informationen. Daher gehe ich davon aus, dass es mit dem Confed-Cup nichts mehr wird", sagte Jones. Den Antrag auf Aufnahme in den US-Kader hatte er Informationen von "Sport Bild online" zufolge bereits nach der Nichtnominierung für die Asienreise der Nationalmannschaft (29. Mai bis 2. Juni 2009) gestellt.

Der gebürtige Frankfurter rechnet sich durch seinen Wechsel in die USA bessere Chancen auf eine Teilnahme an der WM 2010 aus. Derzeit liegen die USA in der CONCACAF-Qualifikation aussichtsreich auf dem zweiten Platz. Die ersten drei Teams qualifizieren sich direkt für Südafrika.

mig/sid/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.