Vor Afrika-Cup in Angola Ein Toter und mehrere Verletzte bei Angriff auf Togos Nationalteam
Nationalspieler Obidale (hinten, links), Akakpo (vorn, Mitte): Bei Schießerei verletzt
Foto: Noel Koukou Tadegnon/ REUTERSHamburg - Zwei Tage vor dem Start des Afrika-Cups ist das togoische Nationalteam bei einer Grenzkontrolle in einen Schusswechsel geraten. Der Bus mit Spielern und Verantwortlichen, darunter der bei Bayer Leverkusen unter Vertrag stehende Ergänzungsspieler Assimiou Toure, geriet an der Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und dem Afrika-Cup-Gastgeber Angola unter Maschinengewehrfeuer.
Wie der togoische Verband bestätigte, sei der Busfahrer bei dem Vorfall nahe der angolanischen Provinz Cabinda im Kugelhagel getötet worden. Zudem seien insgesamt neun Mitglieder der Delegation, darunter zwei Spieler, verletzt worden, allerdings nicht lebensgefährlich.
Thomas Dossevi vom FC Nantes sagte dem französischen TV-Sender Infosports, dass es sich bei den verletzten Spielern um Torhüter Kodjovi Obidale vom französischen Amateurclub GSI Pontivy und Verteidiger Serge Akakpo vom rumänischen Club Vaslui handele. Togos Star Emmanuel Adebayor blieb nach Angaben seines englischen Clubs Manchester City unversehrt.
"Einer von ihnen wurde von einer Kugel in den Rücken getroffen, der andere in die Niere", sagte Dossevi der französischen Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben des FC Vaslui soll der 22-Jährige Akakpo von zwei Kugeln getroffen worden sein und viel Blut verloren haben. Er sei aber nicht mehr in Lebensgefahr. Die Verletzten wurden in ein Krankenhaus in Cabinda gebracht und behandelt.
Wie es dem Leverkusener Assimiou Toure geht, war nicht bekannt. "Wir haben versucht, Kontakt herzustellen, was uns bis jetzt nicht gelungen ist", sagte Bayers Pressesprecher Dirk Mesch am Freitagabend.
"Wir wurden wie Hunde beschossen"
Dossevi schilderte den Vorfall. "Wir hatten gerade die Grenze überquert, nachdem wir die Formalitäten hinter uns gebracht hatten. Dann brach Maschinengewehrfeuer aus", sagte der 30-Jährige vom FC Nantes. "Die Angreifer waren vermummt und bis an die Zähne bewaffnet. Auf uns wurde wie auf Hunde geschossen. Wir haben für 20 Minuten unter den Sitzen gekauert. Die Polizei feuerte zurück. Es war schrecklich und ein Schock. Ich habe mich gefühlt, als ob Krieg ausgebrochen ist", so Dossevi weiter.
Verängstigte togoische Spieler forderten nach dem Angriff eine Absage des Turniers vom 10. bis 31. Januar in Angola, was der Kontinetalverband Caf umgehend ablehnte. "Wenn es möglich ist, sollte man das ganze Turnier boykottieren. Warum nicht gleich alle Spiele absagen. Wir wollen jedenfalls nur zurück nach Hause", sagte Alaixys Romao vom französischen Erstligisten Grenoble Foot. Togos Auftaktspiel in der Gruppe B in der Provinzhauptstadt Cabinda ist für Montag gegen den deutschen WM-Gruppengegner Ghana angesetzt.
Der Sprecher des Afrikanischen Fußball-Verbandes CAF, Suleimanu Habuba, sagte, der Zwischenfall habe wie ein Schock gewirkt. "Unsere erste Priorität ist die Sicherheit der Spieler, aber das Turnier wird weiter gehen." In einer Erklärung teilte der Verband mit, es sei eine Krisensitzung abgehalten worden, bei der der Angriff verurteilt worden sei. Die angolanischen Behörden hätten eine Untersuchungskommission in die Region geschickt, um die Lage zu erkunden. Es sei auch ein Gespräch zwischen einem hohen angolanischen Politiker und dem CAF-Präsidenten Issa Hayatou am Samstag geplant. Dabei sollen Entscheidungen getroffen werden, um einen ordnungsgemäßen Ablauf des Wettbewerbs zu garantieren.
Angolanischer Minister: "Terroristischer Akt"
Von Seiten der Turnier-Organisatoren kamen zunächst irritierende Reaktionen auf diesen Zwischenfall. Zunächst wurde mitgeteilt, dass lediglich ein Reifen am Bus geplatzt sei. Danach hieß es, dass man von einem Vorfall keinerlei Kenntnis habe.
Zu der Tat bekannte sich laut der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa die "Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda" (FLEC). In der Öl-reichen Exklave Cabinda, die im Norden an die Republik Kongo und im Süden an die Demokratische Republik Kongo grenzt, kämpfen die Rebellen um Unabhängigkeit. Der angolanische Minister Antonio Bento Bembe, der für die Region Cabinda zuständig ist, verurteilte den Anschlag als " terroristischen Akt".