Fotostrecke

Bundesliga: Müller mit breiter Brust, Özil eiskalt

Foto: Sandra Behne/ Bongarts/Getty Images

Vorentscheidung in der Bundesliga München feiert die Meisterschaft

Das Rennen ist faktisch gelaufen: Der FC Bayern hat sich mit einem Triumph über Bochum die Meisterschaft höchstwahrscheinlich gesichert. Louis van Gaal rief zur Spontanparty auf: "Ich bin ein Feierbiest!" Rivale Schalke wurde von Bremen besiegt, auch der erste Absteiger steht fest - Hertha BSC.

Hamburg - Der erste von drei Titeln wäre Bayern München nur noch durch eine Fußball-Sensation zu nehmen. Dank eines 3:1 (2:0)-Sieges gegen den VfL Bochum und der gleichzeitigen 0:2 (0:0)-Niederlage Schalkes gegen Werder Bremen beträgt der Vorsprung der Münchner nach dem 33. Spieltag drei Punkte und 17 Tore. Offiziell ist der Titel noch nicht - die Schale wird dem Rekordmeister erst am kommenden Samstag beim Gastspiel in Berlin übergeben. Es wäre der 22. Titel.

Schalke bleibt nur der Trost der sicheren Champions-League-Teilnahme. Eine definitive Entscheidung dagegen ist im Abstiegskampf gefallen - Hertha BSC muss nach einem 1:1 (1:0) in Leverkusen in der kommenden Saison in die zweite Liga.

Bayern-Coach Louis van Gaal zeigte sich nach der Partie äußerst selbstbewusst: "Ich hatte erwartet, dass wir heute Meister werden, und habe meine Töchter und Enkel eingeladen." Und gab anschließend den Takt für den Abend vor: "Ich habe gesagt, dass wir jeden Titel feiern werden. Ich bin ein Feierbiest", sagte der erste holländische Meister-Trainer in Deutschland lachend.

Dreifach-Torschütze Thomas Müller sagte, eine Feier sei zwar nicht geplant. "Aber ich bin spontan." Ähnlich klang der überragende Bayern-Akteur der Saison: "Ich bin sehr stolz und sehr froh", sagte Torjäger Arjen Robben: "Heute haben wir den ersten Titel gewonnen und können ein bisschen feiern."

In der mit 69.000 Zuschauern ausverkauften Münchner Arena dominierte Bayern gegen den oft überforderten VfL Bochum von Beginn an die Partie. Ivica Olic, dreifacher Torschütze beim 3:0 im Champions-League-Halbfinale in Lyon, traf in der sechsten Minute freistehend vor VfL-Keeper Philipp Heerwagen den Ball jedoch nicht richtig. Der erste Treffer für die Gastgeber fiel dann in der 18. Minute. Von rechts durfte Außenverteidiger Philip Lahm in den Strafraum flanken, wo Thomas Müller den Ball mit der Brust über die Linie drückte. Nur zwei Minuten später setzte sich Lahm erneut auf der rechten Außenbahn durch, flankte weit auf die linke Strafraumseite, von wo Franck Ribéry das Spielgerät volley zurück in die Mitte passte - genau auf den Kopf Müllers. Dieser hatte keine Mühe zu verwandeln.

Jubel bei Ergebnis-Einblendungen aus Schalke

Erst als die Bayern nun das Tempo etwas drosselten, hatte der VfL durch Zlatko Dedic und Milos Maric zwei Schussmöglichkeiten. In der 69. Minute machte der 20-jährige Müller dann mit dem 3:0 seinen ersten Dreierpack für die Bayern perfekt. Großen Jubel unter den begeisterten Bayern-Fans gab es auch, als auf den riesigen Leinwänden die Zwischenstände aus Schalke eingeblendet wurden. Den letztlich bedeutungslosen Anschlusstreffer für die Gäste markierte Christian Fuchs (85.).

Auf Schalke begannen beide Mannschaften offensiv. Die Gastgeber, die wie Werder in Bestbesetzung antreten konnten, hatten vor 61.673 Zuschauern in der ausverkauften Arena die erste Torchance. Nach einem Freistoß von Lukas Schmitz traf Stürmer Jefferson Farfan mit einem Kopfball allerdings nur das Außennetz (6.). Zwei Minuten später dann die erste Möglichkeit für die Bremer: Eine Flanke des früheren Schalkers Mesut Özil faustete Nationaltorhüter Manuel Neuer direkt vor die Füße von Philipp Bargfrede, der allerdings aus 18 Metern über das Tor schoss.

Danach verflachte das Spiel, beide Teams warteten auf Fehler des Gegners. Für Aufregung sorgte erst wieder Kevin Kuranyi. Der Schalker Torjäger köpfte den Ball nach einer Flanke des Brasilianers Rafinha an die Latte (22.). In der 42. Minute stand dann Schiedsrichter Knut Kircher im Mittelpunkt. Schalkes Defensivmann Benedikt Höwedes drang in den Bremer Strafraum ein und wurde dort von Werder-Verteidiger Per Mertesacker elfmeterreif zu Boden gebracht - Kircher jedoch pfiff nicht.

Ex-Schalker Özil an beiden Bremer Toren beteiligt

Das erste Tor der Begegnung fiel dann in der 55. Minute. Werder-Spielmacher Özil war auf seinem Weg Richtung Tor weder von Schmitz noch von Marcelo Bordon aufzuhalten und schob den Ball überlegt in die linke untere Ecke ein, keine Chance für Schalkes Keeper Neuer. Wenig später bereits die Entscheidung: Nach Vorarbeit von Özil konnte der portugiesische Stürmer Hugo Almeida problemlos zum 2:0 einschieben (64.).

Hertha abgestiegen, Freiburg gerettet

Alles versucht, und doch alles verloren: Der fünfte Abstieg von Hertha BSC Berlin in der Bundesliga-Geschichte ist perfekt. Nach dem 1:1 (1:0) bei Bayer Leverkusen ist für die Elf von Trainer Friedhelm Funkel der Klassenerhalt nicht mehr möglich. Leverkusen verlor im Kampf um die Champions-League-Teilnahme zwei Punkte. Vor 30.210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena brachte der Brasilianer Raffael die Berliner zunächst in Führung (12.), doch Manuel Friedrich gelang für Bayer noch der Ausgleich (59.).

Borussia Dortmund hat die Teilnahme an der Champions League unterdessen praktisch verspielt. Im letzten Heimspiel der Saison kam die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp gegen den VfL Wolfsburg über ein 1:1 (0:0) nicht hinaus und hat nun drei Punkte und 17 Tore Rückstand auf den Tabellendritten Werder Bremen. Vor 80.300 Zuschauern vergab Nuri Sahin die größte BVB-Chance in der ersten Halbzeit: der Mittelfeldmann scheiterte mit einem Strafstoß Wolfsburgs Torhüter Diego Benaglio. Angreifer Edin Dzeko brachte den VfL mit seinem 21. Saisontreffer in der 69. Minute in Führung, bevor der eingewechselte Marco Stiepermann (81.) für den Ausgleich sorgte.

Der VfB Stuttgart muss nach dem 2:2 (0:0) gegen den FSV Mainz 05 noch einmal um den sechsten Tabellenplatz bangen. Mit einem Doppelschlag rettete Ciprian Marica (73./75.) wenigstens einen Zähler, nachdem Malik Fathi (52.) und André Schürrle (63.) die Mainzer 2:0 in Führung gebracht hatten. Vor dem Spiel hatte es gute Nachrichten für die Schwaben gegeben. Torjäger Cacau verlängerte seinen Vertrag bis 2013.

Hamburg trifft viermal gegen Nürnberg, Hannover sechsmal gegen Gladbach

Mit dem 2:2 (1:1) beim 1. FC Köln brachte sich Aufsteiger SC Freiburg am vorletzten Spieltag endgültig in Sicherheit. Die frühe Führung der Rheinländer durch Zoran Tosic (9.) glich Mohammadou Idrissou (31./57.) mit zwei Toren für den SC aus, der mit 32 Zählern den Klassenverbleib geschafft hat. Sebastian Freis (84.) verhinderte die neunte Kölner Heimniederlage.

Der Hamburger SV besiegte den 1. FC Nürnberg 4:0 (3:0). Jonathan Pitroipa (9.), Mladen Petric (19./25.) und Ruud van Nistelrooy (74.) stürzten den "Club" mit ihren Treffern in größte Abstiegsnöte. Vor dem Saisonfinale gegen den 1. FC Köln fiel das Team von Trainer Dieter Hecking auf Relegationsplatz 16 zurück.

Dagegen feierte Hannover 96 mit dem 6:1 (4:0) gegen Gladbach einen wichtigen Erfolg im Kampf um den Klassenerhalt. Karim Haggui (16.), dem beim Hinspiel im Borussia-Park zwei Eigentore unterlaufen waren, Sergio Pinto (24.), Didier Ya Konan (27.), Mike Hanke (39.), Sofien Chahed (53.) und Arnold Bruggink (74.) schossen Hannover auf den 15. Rang. Den Treffer für lustlose Gladbacher erzielte der eingewechselte Patrick Herrmann (69.). Damit sicherte sich 96 eine günstige Ausgangsposition für das Abstiegsendspiel am kommenden Samstag beim VfL Bochum.

Eintracht Frankfurt verlor sein letztes Heimspiel der Saison gegen 1899 Hoffenheim 1:2 (1:0). Pirmin Schwegler (21.) traf für die Gastgeber, ehe Prince Tagoe mit seinen ersten beiden Bundesligatreffern (80./88.) Hoffenheim im Schlussspurt noch drei Punkte sicherte.

fsc/wit/sid/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.