Vorwürfe gegen die Fifa Blatter verspricht Klärung bis zum Wahltag

Joseph Blatter gibt den Aufklärer: Bis zur Neuwahl des Fifa-Chefs will der Amtsinhaber ermitteln, was an den Korruptionsvorwürfen gegen hochrangige Mitglieder des Weltverbandes dran ist. Afrikas Verband hat derweil Zahlungen Katars eingeräumt.

Fifa-Chef Blatter: Drei Wochen Zeit zur Klärung der Vorwürfe
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Fifa-Chef Blatter: Drei Wochen Zeit zur Klärung der Vorwürfe


Hamburg - Fifa-Boss Joseph Blatter hat nach den jüngsten Bestechungsvorwürfen gegen sechs Spitzenfunktionäre des Fußball-Weltverbandes eine Aufklärung bis zur Präsidenten-Wahl am 1. Juni in Zürich versprochen. "Wir müssen das jetzt machen. Wir haben dafür noch genau drei Wochen Zeit", sagte der 75-jährige Schweizer am Mittwoch in einem Interview des TV-Senders "Al-Jazeera". Blatter, der seit 13 Jahren an der Spitze der Fußball-Weltverbandes Fifa steht, strebt eine vierte Amtszeit an. Sein Herausforderer ist Mohamed bin Hammam aus Katar.

Die Vorwürfe beziehen sich auf die umstrittene WM-Vergabe der Turniere 2018 an Russland und 2022 an Katar. Im Vorfeld, so die Spekulationen, sollen Gelder an Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees geflossen sein. Der afrikanische Fußballverband Caf hat eingeräumt, dass Katar als Sponsor des Verbandes aufgetreten ist. Dies habe aber nichts mit der WM-Vergabe zu tun gehabt, behaupten die Afrikaner.

Als Sponsor der Caf-Generalversammlung soll Katars WM-Bewerbungskomitee 2022 eine Zahlung in Höhe von 1,8 Millionen Dollar geleistet haben. Dieser Sponsor-Deal sei von der Caf-Exekutive am 8. Januar 2010 in Angolas Hauptstadt Luanda abgesegnet worden, teilte der Verband mit. Als Gegenleistung habe Katars Bewerbungskomitee die "Exklusivrechte" erhalten, im Vorjahr vor der Generalversammlung zu sprechen und Präsentationen vor Mitgliedern zu machen.

Fifa-Generalsekretär fordert Beweise

Der britische Sportminister Hugh Robertson fordert die Fifa zu tiefgreifenden Reformen auf. Er erklärte zudem, dass er nach der Niederlage bei der Vergabe der WM 2018 mit anderen Ländern über eine Abspaltung des Fußball-Mutterlandes England von der Fifa diskutiert habe.

Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke forderte vom englischen Verband (FA) einen genauen Report über die Aussagen von Ex-Chef David Triesman an, die dieser am Dienstag mit dem britischen Politiker Damian Collins bei einer Parlamentsanhörung in London erhoben hatte. Laut Triesman haben vier Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees vor der Vergabe der WM 2018 Gegenleistungen für ihre Stimme gefordert. Collins weitete die Anschuldigen auf zwei weitere Funktionäre aus, die je 1,5 Millionen Dollar dafür bekommen haben sollen, dass sie bei der Vergabe der WM 2022 für Katar votierten.

Name und Stellung der Beschuldigten haben es in sich. Triesman, der wegen unbewiesener Vorwürfe gegen die WM-Mitbewerber Russland und Spanien/Portugal vor sieben Monaten seinen Posten verlor, sprach unter anderen vom Chef der mittel- und nordamerikanischen Konföderation Concacaf, Fifa-Vize Jack Warner aus Trinidad und Tobago, und dem brasilianischen Verbands-Chef Ricardo Teixeira. Collins nannte den Präsidenten des afrikanischen Fußball-Verbands (Caf), Issa Hayatou aus Kamerun.

Rogge sieht den Sport als beschädigt an

Das sind deutlich hochrangigere und bekanntere Funktionäre als die 2010 unter dem Verdacht der Bestechlichkeit suspendierten Fifa-Exekutivmitglieder Amos Adamu aus Nigeria und Reynald Temarii aus Tahiti.

Teixeira kündigte umgehend rechtliche Schritte gegen Triesman an.Der Caf bezeichnete die Anschuldigungen gegen Hayatou am Mittwoch als "reine Erfindung". Auch der Präsident des südamerikanischen Fußball-Verbandes (Conmebol), Nicolas Leoz aus Paraguay, hat sich gegen Bestechungsvorwürfe gewehrt. In einer Stellungnahme hieß es, der Verband habe von Beginn an die unterlegene Bewerbung von Spanien und Portugal unterstützt und bedauere die Anschuldigungen zutiefst.

IOC-Präsident Jacques Rogge sieht wegen der Vorwürfe das Image des gesamten Weltsports beschädigt. Rogge forderte "handfeste Beweise". Der Belgier ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass er die Vorwürfe für imageschädigend hält und forderte von den Sportverbänden einen Kampf auf allen Ebenen gegen Korruption: "Wir müssen dagegen ankämpfen. Wir müssen absolut sicherstellen, dass der Sport auf der Management-Ebene sauber ist und der Sport auf der Athleten-Ebene auch sauber ist."

Blatter hatte eine "Null-Toleranz"-Strategie bei Korruption zum zentralen Thema seines Wahlkampfes gemacht. Sein Herausforderer bin Hammam, dessen Heimatland Katar überraschend den Zuschlag für die WM 2022 bekommen hatte, hält den Weltverband nicht für bestechlich: "Die Fifa ist nicht korrupt. Wir sind Opfer der Popularität unseres Spiels."

Die einzig positive Nachricht für den Weltverband: Der gescheiterte Kandidat Australien verzichtet nach Angaben von Premierministerin Julia Gillard darauf, auf eine Neuwahl des WM-Standortes 2022 zu drängen. "Das ist eine Frage, die ausschließlich die Fifa zu klären hat", sagte Gillard. Australien war beim Vergabe-Prozess bereits in der ersten Runde gescheitert.

aha/dpa



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daniellaun 11.05.2011
1. -
Wenn ein Land wie Quatar eine WM austragen darf, dann muss Korruption im Spiel sein. Das Land ist doch kaum größer als das Saarland und spielt Fußballtechnisch kaum eine Rolle. Außerdem herrscht in der Wüste ein Klima, das eine Fußball-WM fast unmöglich macht. Und was ist mit den Stadien? Die sind doch kaum vorhanden. Nicht wenige halten das Land für gänzlich ungeeignet, eine WM auszutragen.
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