Wahlkampf im Fußball-Weltverband Fifa ermittelt gegen Bin Hammam

Die Korruptionsvorwürfe gegen Mitglieder der Fifa haben jetzt Konsequenzen. Der Weltfußballverband ermittelt gegen Asiens Spitzenfunktionär Mohamed Bin Hammam. Seine Chancen, Fifa-Vorsitzender zu werden, sinken dadurch beträchtlich. Er sieht die Anschuldigungen als taktisch motiviert.

Fußball-Bosse Bin Hammam (l.), Blatter: Wahlkampf mit harten Bandagen
AFP

Fußball-Bosse Bin Hammam (l.), Blatter: Wahlkampf mit harten Bandagen


Hamburg - Der Wahlkampf um den Vorsitz beim Weltfußballverband Fifa wird mit harten Mitteln geführt: Eine Woche vor der Kampfabstimmung um das Präsidentenamt hat die Fifa-Ethikkommission ein Ermittlungsverfahren gegen den Herausforderer von Amtsinhaber Joseph Blatter, Mohamed Bin Hammam, sowie gegen Exekutivkomitee-Mitglied Jack Warner eingeleitet. Zudem wird gegen zwei weitere Fifa-Funktionäre aus der Karibik ermittelt.

Nach Angaben der Ethikkommission wurde das Ermittlungsverfahren nach einem Hinweis von Exekutivkomitee-Mitglied Chuck Blazer aus den USA eröffnet. Demnach soll es bei einem Treffen des Fußball-Verbandes der Karibik (CFU) Absprachen gegeben haben. Funktionären soll Geld geboten worden sein, wenn sie bei der Kampfabstimmung Bin Hammam ihre Stimme geben. Das Treffen war laut Ethikkommission von Warner, der auch Vorsitzender des Nord- und Mittelamerikanischen Fußballverbandes Concacaf ist, initiiert worden. Warner beteuerte in einer Erklärung, er sei sich keines Fehlverhaltens bewusst. Der Zeitpunkt der Vorwürfe und der wenige Tage vor der Präsidentenwahl angesetzten Anhörung seien "interessant".

Bis 27. Mai sollen Bin Hammam, Warner sowie die beiden Funktionäre Debbie Minguell und Jason Sylvester Stellung zu den Vorwürfen beziehen. Am Mittwoch sagte Bin Hammam: "Das war ein schwieriger und schmerzvoller Tag für mich, aber wenn es irgendeine Gerechtigkeit in dieser Welt gibt, werden diese Beschuldigungen in alle Winde zerstreut. Dieser Schritt ist nicht mehr als Taktik von Leuten, die kein Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten haben, um erfolgreich die Präsidentschaftswahl zu bestehen."

Am 29. Mai müssen sich die Beschuldigten dann vor der Ethikkommission in Zürich verantworten. Nach Angaben der Kommission besteht der Verdacht, dass die betroffenen Fifa-Mitglieder den Ethik-Code des Fußball-Weltverbandes möglicherweise verletzt haben.

Katar hat alle Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen

Der Fußballverband Katars, dem Hammam vorsteht, hatte noch am Dienstag alle Bestechungsvorwürfe im Zuge der WM-Vergabe für das Turnier 2022 zurückgewiesen. Die Anschuldigungen seien substanz- und haltlos.

Die englische Zeitung "Sunday Times" hatte berichtet, dass Katar angeblich Bestechungsgelder an Fifa-Funktionäre gezahlt hat, um den Zuschlag für die WM 2022 zu erhalten. Außerdem erklärte der britische Parlamentarier Damian Collins, dass ihm Beweise für Bestechungszahlungen in Höhe von 1,5 Millionen Dollar an zwei Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees vorlägen.

Zudem hatte der Brite Lord David Triesman in einer Anhörung vor dem britischen Parlament vier Exekutivkomitee-Mitgliedern "anstößiges und unethische Verhalten" im Zuge des Bewerbungsprozesses vorgeworfen. Collins hatte die Vorwürfe dann auf zwei weitere Mitglieder erweitert.

Die Chancen für Bin Hammam, am 1. Juni zum neuen Fifa-Vorsitzenden gewählt zu werden, dürften damit weiter gesunken sein. Schon zuvor hatte sich der Großteil der Kontinentalverbände für eine Wiederwahl Blatters ausgesprochen. So hat der 75-jährige Schweizer die Unterstützung aus Europa und Afrika sicher.

aha/sid

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Seite 1
cs001 25.05.2011
1. .
Da muss Herrn Blatter ja mächtig der Ars.. auf Grundeis gehen, wenn er jetzt so versucht, einen Konkurenten auszuschalten.
Toe Jam 25.05.2011
2. no title
Zitat von sysopDie Korruptionsvorwürfe*gegen Mitglieder*der Fifa haben jetzt Konsequenzen. Der Weltfußballverband ermittelt gegen Asiens Spitzenfunktionär Mohamed Bin Hammam. Seine Chancen, Fifa-Vorsitzender zu werden, sinken dadurch beträchtlich. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,764854,00.html
Konsequenzen? Wie sollen die aussehen? Die einzige glaubwürdige& angemessen Konsequenz wäre, die Vergabe rückgängig zu machen. Aber diese Konsequenz wird es nicht geben.
Ganjo 25.05.2011
3. Natürlich
ist die Wahl auf Katar als Austragungsort einer Fussballweltmeisterschaft aus rein sportlichen Gründen gefallen. Weil Katar eben viel Entwicklungspotential hat und auch klimatisch sehr gut für die Austragung eines solche Ereignisses geeignet ist! Das ist doch lächerlich!
Mr Bounz 25.05.2011
4. ----------
Ja, so ist das wenn Herr Schmiergeld Persönlich (Blatter) einen Gegner hat der mehr bezahlen kann .... dann kommt Blatter mit der Korruptionskeule. Eigentlich schon fast Lustig wie falsch dieses Spiel doch ist. Korrupte Alte Säcke .... Mal sehen wann der erste schreibt, "Ich würde das auch so machen ...." Völlig Charakterlos!
spawn478 25.05.2011
5. Lächerliches Spiel
Blatter, der 1998 nur durch gekaufte asiatische und afrikanische Stimmen (gekauft von Bin Hammam, angeblich hat er als Gegenleistung die Vergabe der WM an sein Land verlangt) gewählt wurde, macht jetzt also einen auf Saubermann. Wohlgemerkt NACH der Doppelvergabe zweier Weltmeisterschaften (damit es nicht soviel kostet, schließlich konnten sich Katar und Russland so die Zuwendungen teilen) und NACHDEM es zig Beweise gibt, dass die Abstimmung gekauft war. Wenn Blatter auch nur eine Spur von Anstand hätte, dann würde er selber zurücktreten. Aber verglichen mit Bin Hammam ist er offensichtlich der bessere Kandidat. Mal sehen, wieviel Millionen es kostet, um die Afrikaner und Asiaten vom Gegenteil zu überzeugen. Wobei in Zeiten der Eurokrise ja auch ein paar Euroländer auf Geld angewiesen sind. Dem griechischen und portugiesischen Verband gehts bestimmt nicht gut. Immerhin haben wir schon mal die Gewissheit: Im FIFA-Präsidium sitzt auch zukünftig ein äußerst widerwärtiger Mensch.
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