Abbruch im Relegationsspiel Mannheimer Brandstifter

Das Aufstiegsspiel gegen Uerdingen hätte für Waldhof Mannheim der größte Tag der jüngeren Vereinsgeschichte werden sollen. Dank eines kleinen Teils der Fanszene wurde es ein Tag, der den Verein um Jahre zurückwirft.
Schwarzer Rauch im Mannheimer Fanblock

Schwarzer Rauch im Mannheimer Fanblock

Foto: Simon Hofmann/ Bongarts/Getty Images

Es war ein schöner Fußballtag. Einer, an dem sich einer der einst größeren Namen im deutschen Fußball von seiner besten Seite präsentieren konnte: 25.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion. Eine Stimmung, von der mancher Bundesligist träumen kann. Und ein spannendes Spiel, bei dem die Heimmannschaft alles tat, um vielleicht doch noch in die dritte Liga aufzusteigen.

Doch dann folgten die Szenen, die aus einem Fußball-Feiertag ein Spiel machten, das dem SV Waldhof Mannheim noch auf Jahre wie ein Klotz am Bein hängen wird.

In der 82. Minute beschlossen vier Dutzend Waldhof-Fans beim Stand von 2:1 für KFC Uerdingen, ihre eigene Agenda durchzusetzen. Sie zündeten Rauchtöpfe, feuerten Raketen aufs Spielfeld und ließen Böller detonieren. Minutenlang. Gästetorwart René Vollath, der nach dem Spiel über ein Piepen im Ohr klagte, brachte sich früh in Sicherheit. An eine Fortsetzung der Partie war im Funkenregen und Dauergeböllere nicht zu denken.

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Ausschreitungen bei Relegationsspiel: Rauchbomben, Raketen, Böllerschüsse

Foto: Simon Hofmann/ Bongarts/Getty Images

Es folgten einige Minuten, in denen in etwas niedrigerer Frequenz gezündet wurde, und in der die Vereinsoffiziellen - allen voran Waldhof-Trainer Bernhard Trares und Sportdirektor Jochen Kientz über die Lautsprecher an die Fans appellierten, sich zu benehmen. Es nützte nichts, kaum war nach der 20-minütigen Spielunterbrechung die Durchsage zu hören, dass das Spiel fortgesetzt werde, falls das Abbrennen der Böller aufhöre, wurde umso intensiver weiter gezündet.

Und während Mannheims Spieler kopfschüttelnd zurück in die Kabine gingen, feierten die Uerdinger den Aufstieg. Derweil liefen über die sozialen Medien erste Kommentare über die "asozialen Waldhöfer". Eine erwartbare Reaktion, wenn man vor dem Fernseher sieht, wie die geografische Mitte einer Fankurve für einen Spielabbruch sorgt. Die Polizei sprach im Anschluss von insgesamt 45 Verletzten.

Randalierer im eigenen Stadion ausgepfiffen

Derweil sah man im Stadion ein differenziertes Bild. Tausende Zuschauer applaudierten der Mannschaft, die sich mit hängenden Köpfen noch mal beim ausverkauften Stadion bedankte. Zuvor hatte das halbe Stadion gepfiffen - gegen die wenigen der eigenen Fans, die ein Spiel beendeten, weil sie das so wollten. Und denen es völlig egal war, dass direkt vor ihnen, auf der anderen Seite des Zaunes, Ordner standen, neben denen die Böller detonierten.

So wie es ihnen egal war, dass der stinkende, dicke schwarze Rauch direkt unters Dach zog und sich Hunderte Zuschauer mit Schal vor Mund und Nase in weniger gesundheitsgefährdende Regionen zurückzogen. "Was ein peinlicher, respektloser Scheißauftritt", schrieb der Waldhof-Fanklub "Doppelpass" nach Schlusspfiff an die Adresse der Pyromanen. Und drückte damit die vorherrschende Meinung im Carl-Benz-Stadion aus.

Ein Wiederholungsspiel ist unrealistisch

Was aber ging in den Brandstiftern vor? Dachten sie, dass es bei einem Spielabbruch ein Wiederholungsspiel geben würde? Dann hätte man sich doch vielleicht mit einem Bruchteil der Energie, die man aufs Hineinschmuggeln von unfassbaren Mengen an Pyrotechnik verwendet hatte, mal in Sachen Regelkunde schlaumachen können. Der DFB hat bereits Ermittlungen angekündigt, vermutlich wird das Spiel 2:0 für Uerdingen gewertet, was am sportlichen Ausgang der Relegation nichts ändern würde.

Also waren es doch schlicht und einfach egoistische Motive? Um die eigene Macht zu zeigen? Um im Internetranking mit anderen "toughen Szenen" Punkte zu sammeln? Um den Uerdingern im Block gegenüber zu imponieren, die ihrerseits in der ersten Halbzeit in Prügeleien mit Mannheimer Zuschauern und Ordnern verwickelt waren?

Für Groll gegen die eigene Mannschaft gibt es keinen Grund. Waldhof hat mit bescheidenen Mitteln (Uerdingen dürfte einen etwa dreimal größeren Etat haben) die Relegation geschafft, in der Regionalliga in Offenbach und Saarbrücken gewonnen. Sie zeigt unter Trares schönen Offensivfußball und hat in beiden Relegationsspielen gegen Uerdingens Übermacht angekämpft. Das war es, was man von dieser Mannheimer Mannschaft erwarten konnte. Der KFC war besser, so etwas kann passieren.

"Ein Riesendesaster"

Am Tag danach steht der SV Waldhof vor einem Scherbenhaufen. Von den vielen Tausend Zuschauern, die am Sonntag seit Jahren zum ersten Mal wieder im Stadion waren, dürften viele nicht so schnell wiederkommen. Mögliche Sponsoren, die die Kulisse beeindruckt haben dürfte, werden sich das ab der 82. Minute sicher noch mal überlegt haben. "Das ist für den SV Waldhof in jeder Beziehung ein Riesendesaster", hat Vereinspräsident Klaus-Rüdiger Geschwill dem "Mannheimer Morgen" gesagt. Angerichtet haben es ein paar Dutzend Menschen, die sich für wichtiger halten als den Rest des Stadions.

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