Bei DFB-Pokalspiel gegen Nürnberg Stadionsprecher von Waldhof Mannheim würdigt verstorbenen Neonazi

Vor dem Pokalspiel gegen Nürnberg sagte Mannheims Stadionsprecher wie üblich die Aufstellung der Heimmannschaft an – diesmal widmete er sie einem verstorbenen Neonazi. Der Klub sagt, die Aktion sei nicht abgesprochen gewesen.
Fankurve von Waldhof Mannheim beim Pokalspiel gegen Nürnberg

Fankurve von Waldhof Mannheim beim Pokalspiel gegen Nürnberg

Foto: Uwe Anspach / dpa

Der Stadionsprecher des Fußball-Drittligisten Waldhof Mannheim hat die Präsentation der Aufstellungen vor dem Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg (0:1) einer bekannten Figur der Neonazi- und Hooliganszene gewidmet. Der »Rheinpfalz« zufolge ging es um den am vergangenen Sonntag verstorbenen Christian Hehl.

»Diese Aktion war mit dem Verein nicht abgestimmt. Wir werden darüber sprechen und schauen, wie wir darauf reagieren«, sagte Geschäftsführer Markus Kompp der »Rheinpfalz« am Dienstagabend nach dem Pokalspiel Mannheims. »Ich möchte klarstellen, dass dieses Gedankengut nicht der Haltung des SV Waldhof entspricht.«

Hehl war der »Rheinpfalz« zufolge als Neonazi bekannt. Demnach hatte er für die rechtsextreme Partei NPD im Stadtrat gesessen. 2018 wurde er im Stuttgarter Landtag zu seinen Verbindungen zur rechtsextremen Terrorzelle NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) befragt. Hehl war mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung. 1997 sagte ein Richter am Landgericht Frankenthal im Zuge eines Prozesses, dass Hehl eine »menschenverachtende Gesinnung und Brutalität« habe.

»Privat zugetragene Wünsche«

2014 erhielt Hehl ein zweijähriges Stadionverbot vom SV Waldhof, der sich jetzt von der Würdigung des Verstorbenen distanzierte. In einem Statement auf der Klubwebsite  reagierte der Verein auf die Vorkommnisse. Die Nennung Hehls habe »verständlicherweise« in Fankreisen und den Medien für Verwunderung gesorgt.

»In einer ersten Aufarbeitung« habe Stephan Christen, der Stadionsprecher, versichert, Hehl und dessen Vita nicht gekannt zu haben. »Er wollte wie in den 29 vorangegangen Jahren üblich, ihm privat zugetragene Wünsche eigenständig erfüllen«, schreibt der Verein.

Für die Zukunft strebe Waldhof der Mitteilung zufolge »klare Regelungen« zu derartigen Widmungen oder Trauerbekundungen an. »Selbstverständlich distanzieren sich der SV Waldhof und unserer Stadionsprecher weiterhin von rechtsradikalem Gedankengut«, schreiben die Mannheimer.

mrk

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