Wechsel-Hickhack Alberto-Transfer nach Bremen perfekt

Trotz mittlerweile eingeleiteter Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen dessen Ex-Club und seine Vermarktungsagentur hat Werders Wunschspieler heute in Bremen unterschrieben. Auch ein argentinischer Nationalspieler ist im Visier der Strafverfolger.


Bremen - Das wochenlange Tauziehen um Carlos Alberto ist beendet. Der Brasilianer wechselt mit sofortiger Wirkung zu Werder Bremen. Nach einem beispiellosen Hick-Hack um die Transfermodalitäten einigte sich der Bundesligist mit allen maßgeblichen Parteien über die Konditionen des Wechsels. Für den offensiven Mittelfeldspieler von Fluminense Rio de Janeiro zahlen die Bremer eine Ablösesumme von rund acht Millionen Euro. Damit ist der Südamerikaner der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte.

Brasilianer Alberto: Demnächst in Grün-Weiß
REUTERS

Brasilianer Alberto: Demnächst in Grün-Weiß

"Alberto hat am Donnerstag den medizinischen Check bestanden und einen Vertrag unterschrieben. In den kommenden Tagen werden noch ausstehende Formalitäten erledigt", teilte Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs heute mit. Der erste prominente Zugang der Bremer für die neue Saison wird morgen mit Allofs seiner neuen Mannschaft in das Trainingslager nach Bad Ragaz/Schweiz nachreisen.

"Werder hat eine sehr gute Mannschaft, die erfolgreich und sympathisch auftritt. Ich freue mich auf meine Zeit hier. Ich weiß aber auch, dass ein gutes Stück Arbeit auf mich wartet und ich viel trainieren muss, um die Erwartungen der Mannschaft, des Trainers und der Fans zu erfüllen", sagte der Brasilianer. Er war bereits am vergangenen Sonntag nach Bremen gekommen. Die Verhandlungen hatten sich aber als schwierig erwiesen, weil der Spieler im Besitz der britischen Investorengruppe Media Sports Investment (MSI) war.

Gegen diese und die Clubführung von Erstligist Corinthians, die beide an dem Transfer des 22-Jährigen beteiligt waren, sind unterdessen in Sao Paulo wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Bildung einer kriminellen Gruppe Anklagen erhoben worden. Das könnte eine Erklärung für das tagelange Hickhack um die Verpflichtung des Mittelfeldspielers sein.

Es soll außerdem eine Anfrage eines russischen Clubs für Alberto gegeben haben. Das berichtete die "Kreiszeitung Syke". Angeblich bot der Mitbewerber eine Ablöse von zehn Millionen Euro und das doppelte Gehalt für den Spieler. "Es gibt Mitbewerber, derer man sich erwehren muss", erklärte Allofs noch vor Kurzem.

Die brasilianische Staatsanwaltschaft hat Interpol eingeschaltet und die Auslieferung des russischen MSI-Hauptgeldgebers Boris Beresowski, der in London Exilrecht genießt, sowie des Präsidenten Kia Joorabchian und Finanzdirektors Nojan Bedroud gefordert. Auch gegen Corinthians-Boss Alberto Dualib und weitere Clubfunktionäre laufen nun offiziell Ermittlungen.

Der Traditionsclub hat eine Frist von zehn Tagen bekommen, Unterlagen über alle Spieler, die mit Geld der MSI verpflichtetet worden sind, der Justiz vorzulegen, um den Weg der Zahlungen zu erkunden. Carlos Alberto war 2005 für 7 Millionen Euro durch die MSI vom portugiesischen Topclub FC Porto an Corinthians vermittelt worden.

Mit der MSI-Gruppe in Verbindung stehen auch die argentinischen Nationalspieler Carlos Tevez und Javier Mascherano, bei deren Transfers zum englischen Premierligisten West Ham United es "wegen Einfluss einer dritten Partei" Verstöße gegen Ligastatuten gab, weshalb der Club zu einer Rekordgeldstrafe von umgerechnet 8 Millionen Euro verurteilt worden war. Tevez hat sich bereits zu einem Wechsel zu Manchester United entschieden, doch der für das Wochenende geplante Abschluss der Verhandlungen ist ebenfalls ins Stocken geraten.

mig/sid/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.