Wechsel-Provokationen Van der Vaart soll hohe Geldstrafe zahlen

Das war ein teurer Spaß: Rafael van der Vaart kostet das provokante Fotoshooting mit einem Valencia-Trikot 50.000 Euro. Er sieht das nicht ein, doch der HSV besteht darauf - und will ihm die Summe einfach vom Gehalt abziehen. Unterdessen hat Valencia offenbar das Angebot erhöht.


Hamburg - Nach Angaben des HSV muss Rafael van der Vaart 50.000 Euro zahlen - wegen offensiv geäußerter Wechselabsichten zum FC Valencia, heißt es in der Begründung. Der Spieler hatte sich unter anderem für die spanische Zeitung "As" mit dem Trikot des spanischen Clubs fotografieren lassen, und damit HSV-Fans und Vereinsleitung gegen sich aufgebracht.

Gegen die Strafe verwahrt sich van der Vaart: "Ich zahle gar nichts." Doch HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer macht ihm einen Strich durch die Rechnung. "Da kann er gar nichts machen, das wird ihm vom Gehalt abgezogen. Rafael muss die Realität akzeptieren."

Erst gestern hatte er im tagelangen Machtkampf nachgegeben: "Der HSV sagt Nein, dann muss ich wohl bleiben. Das ist auch kein Problem, dann gebe ich weiterhin 100 Prozent", sagte der Star der Hamburger gestern nach dem 1:0 gegen Bayer Leverkusen, bei dem er den entscheidenden Treffer per Elfmeter erzielte.

Doch der Poker geht weiter: Der FC Valencia erhöhte nach Informationen der "Sport Bild" am Montagabend sein Angebot für den Niederländer von 14 auf 22 Millionen Euro. Der HSV betreitet dies. "Uns liegt kein Angebot vor, das über das alte hinausgeht", sagte Pressesprecher Jörn Wolf. Van der Vaart ist noch bis 2010 an den HSV gebunden, kann diesen aber 2009 für festgeschriebene 1,5 Millionen Euro Ablöse verlassen.

Van der Vaart war beim gestrigen Spiel Dreh- und Angelpunkt seines Teams, demonstrierte Nervenstärke, als er in der 64. Minute den Handelfmeter verwandelte. "Ich hatte Angst. Ich habe gedacht, was die Fans mit mir machen, wenn ich verschieße", räumte der 24-Jährige ein. Zu Beginn des Spiels war er von den Zuschauern ignoriert oder ausgepfiffen worden, am Ende wurde er von Anhängern und Mitspielern gefeiert. "Natürlich sind wir froh, dass er bleibt, denn er ist ein Spieler, der den Unterschied zwischen gut und sehr gut ausmacht", sagte Torwart Frank Rost und fügte hinzu: "Im Fußball muss man heute seine moralischen Vorstellungen ganz nach unten schrauben, fast gegen Null."

Dass van der Vaart nach der Partie gegenüber Beiersdorfer und Stevens trotzdem seine Wechselabsicht erneuerte, ändert nichts an der Entscheidung der Hamburger. Berater Sören Lerby hat sich inzwischen von dem Trikot-Foto distanziert - ihm hätte ein Verfahren von der Fifa gedroht.

Auch von Valencia ist nichts Offizielles mehr zu hören - zuletzt war dort erneut ein Absage-Schreiben des HSV eingegangen, das in Kopie auch an die DFL und Fifa ging. Zudem hatten die Hamburger Anwalt Christoph Schickhardt eingeschaltet. "Es scheint, der Berater hat die Fibel 'Zehn Schritte, um einen Verein mürbe zu machen' angewandt", sagte Hoffmann, "aber das hat auch nichts genützt. Mein Bauchgefühl sagt mir, das Thema verliert jetzt an Dynamik."

Van der Vaart reist nun erstmal zu seiner Nationalmannschaft, die am Mittwoch in Genf gegen die Schweiz spielt. Zu seiner Verteidigung sagt er: "Ich habe das alles nicht gesagt, um die Fans zu verärgern. Der HSV ist ein Super-Verein."

Ob er allerdings am kommenden Donnerstag im Uefa-Cup-Rückspiel gegen Honved Budapest (Hinspiel 0:0) aufläuft, darf bezweifelt werden. In diesem Fall wäre van der Vaart bis zur Winterpause für keinen anderen Verein mehr im Europapokal spielberechtigt.

mig/sid/dpa



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Seite 1
Tomislav, 15.08.2007
1.
Zitat von sysopImmer mehr Stars tricksen sich aus gültigen Verträgen, um zu einem anderen Verein zu wechseln. Sind Sie der Meinung, dass die Manager wieder verstärkt auf die Einhaltungen der Verträge pochen sollten? Welche Möglichkeiten oder Sanktionen gibt es dafür? Oder gilt bei Ihnen eher das Motto "Reisende soll man nicht aufhalten"?
Reisende sollte man wirklich nicht aufhalten. Jemand der unter "Zwang" für einen Verein spielt, bringt sowieso nicht mehr seine 100%-ige Leistung. Abgesehen davon, wird es doch andersrum auch oft so betrieben. Spieler die man nicht mehr haben will schiebt man ab, mobbt sie raus, etc.
JustusJonas, 15.08.2007
2. Typisch HSV
Seit Netzer nicht mehr beim HSV ist (okay, die Zeiten sind auch insgesamt anders) hat es der HSV nie mehr geschafft, ein Team aufzubauen. Jedesmal, wenn man mal in der oberen Tabellenregion war, wurde sofort den Verlockungen des Geldes nachgegeben und die Spieler waren weg. Ob Kovac, Salihamidzic, Butt, Ujfalusi, van Buyten, Boulahrouz - immer ließ man wichtige Spieler ziehen und damit zerfiel die Mannschaft. Ganz fatal ist das dann, wenn das nicht zu Saisonende, sondern wie jetzt am Beginn passiert. Das Signal ist doch klar, jeder talentiertere Spieler wie Kompany, Trochowski oder Feilhaber wird den Verein verlassen. Dann ist wieder Geld in der Kasse, aber keine Mannschaft. Meiner Meinung nach sollte der HSV nun mal Stärke zeigen und Van der Vaart nicht ziehen lassen, gegen Budapest auf den Platz tragen, dann ist das Kapitel Champions League mit Valencia erledigt. Er hat einen Vertrag, den muss er erfüllen, er ist dem HSV und den Fans auch etwas schuldig, schließlich hat er ihn von der Bank aus Amsterdam weggeholt und ein Podium gegeben. Wenn er dann aus Trotz schlecht spielt, sollte man ihn einfach bei den Amateuren verhungern lassen, dann wird er sich schon überlegen, ob er die EM aufs Spiel setzen wird. Die Konkurrenz wie Sneijder kann sich derweil bei Real profilieren. Sollte Valencia dann noch mal richtig was draufpacken, so 35 Mio bieten, kann man ihn immer noch ziehen lassen, dann hat man vielleicht noch die Chance, einen adäquaten Ersatz zu verpflichten.
Frau Wutz, 15.08.2007
3.
Mir ist nicht ganz klar, warum die Vereine nicht diese Verträge so gestalten, dass ein Spieler wie nun in Hamburg regressflichtig gemacht werden kann. Denn er schadet dem Verein, auch wirtschaftlich. Klar würde Hamburg eine ordentliche Ablöse bekommen, doch damit hätte der HSV noch lange keinen spielerisch gleichwertigen Ersatz. Ansonsten: Spieler solchen Charakters sollte man so schnell wie möglich loswerden. Sie schaden dem gesamten Mannschaftsgefüge.
seifertinho 15.08.2007
4. von mehreren Faktoren abhängig
So wie die Spieler auch bei sportlichem Versagen auf ihre Millionenverträge pochen, sollten die Clubs bei sportlichen Topleistungen eines Spielers auf Vertragserfüllung bestehen. Dazu gehört jedoch der entsprechende Hintergrund: Zunächst in finanzieller Dimension, denn die Ablöse darf nicht zum Einlenken verlocken. Ferner auch und besonders hinsichtlich der Verträglichkeit für die Gruppe. Das Management muss abwägen, ob der Spieler noch tragbar ist und Leistungsbereitschaft aufbringt. Letzteres wird Werder Bremen dazu bewogen haben, Miro Klose an die Bayern zu verscherbeln. Nun hat sich Raffael van der Vaart beim Hochheben seines Sohnes am Rücken verletzt und der Verdacht liegt nahe, dass er sich damit eine Europacupteilnahme mit dem FC Valencia offenhalten möchte (vgl. Khalid Bhoularouz 2006). Wenn es soweit ist, hat ein Verein kaum noch die Wahl und muss den Spieler verkaufen! Gegenbeispiele gibt es ebenfalls. Bei Werder Bremen hatten die Spieler Marco Bode und Dieter Eilts mehrfach lukrative Angebote anderer Clubs, haben jedoch nie ihren Wechsel provoziert. Eilts sagte irgendwann sinnemäß, dass er einfach Pech gehabt habe, dass sein Vertrag nie zum richtigen Zeitpunkt auslief... Fazit: Es hängt ab von im wesentlichen zwei Faktoren - dem Reiz des Geldes - dem Charakter des Spielers
nillivanmilli 15.08.2007
5. Wohl nicht praktikabel, .....
... aber eventuell doch möglich. Verzichtet auf all das Geld und setzt den Kerl auf die Tribüne. Und sei es nur zur Abschreckung für die anderen Geldsäcke. 2010 kann er dann Straßen kehren.
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