Schiedsrichterexperte zur Weißen Karte in Portugal »Ich war überrascht wie alle anderen«

Eine Weiße Karte im Fußball? Da musste auch der Regelkenner Alex Feuerherdt nachlesen, was es damit auf sich hat. Vier Fragen an den Betreiber des Schiedsrichter-Podcasts »Collinas Erben«.
Ein Anruf von Jan Göbel
Weiße Karte im Fußball – in Portugal gar nicht so ungewöhnlich

Weiße Karte im Fußball – in Portugal gar nicht so ungewöhnlich

Foto: [M] DER SPIEGEL ; Getty Images / iStockphoto

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SPIEGEL: Herr Feuerherdt, im portugiesischen Frauenfußball wurde eine Fairplay-Aktion mit einer Weißen Karte belohnt. Diese Geschichte hat bei unseren Leserinnen und Lesern großes Interesse geweckt. Wussten Sie als Schiedsrichterexperte, was es mit dieser Aktion auf sich hatte?

Feuerherdt: Nein, das wusste ich nicht, ich war genauso überrascht wie alle anderen. Deshalb habe ich erst einmal ein paar Texte gelesen, die ich zum Thema gefunden habe.

SPIEGEL: Seit 2015 gibt es die Karte in Portugal, zunächst im Futsal und im Kinderfußball, inzwischen auch im Frauenfußball. Wann ist Fair Play würdig genug, um mit einer eigenen Karte ausgezeichnet zu werden?

Feuerherdt: Das ist immer etwas sehr Subjektives. In diesem Fall war es so, dass jemandem auf der Tribüne schlecht wurde und sich die medizinischen Abteilungen beider Mannschaften um die Person gekümmert haben. Das fand die Schiedsrichterin offenbar bemerkenswert. Miroslav Klose hat im September 2012 in der Serie A als Lazio-Spieler ein Handspiel zugegeben und dafür in Italien einen Fairplay-Preis gewonnen. Das wäre wohl auch eine Aktion, die man während eines Spiels mit einer Weißen Karte belohnen könnte.

Zur Person
Foto: Stefanie Fiebrig

Der Publizist Alex Feuerherdt ist Mitgründer und -betreiber von »Collinas Erben«, einem Podcast, der sich mit der Schiedsrichterei beschäftigt. Zudem ist er seit 1985 selbst Schiedsrichter und hat Spiele bis zur Oberliga geleitet. Er ist seit Jahren verantwortlich für die Aus- und Fortbildung der Referees in Köln sowie Schiedsrichter-Coach im Fußballverband Mittelrhein. Als Experte tritt er regelmäßig in Radio- und TV-Sendungen auf.

SPIEGEL: Warum kann der portugiesische Verband eine Regel wie die Weiße Karte einfach so einführen?

Feuerherdt: Nationale Besonderheiten bei der Umsetzung des Regelwerks sind nicht ungewöhnlich, oft gibt es dann auch Unterschiede zwischen Profi- und Amateurbereich. In den ersten beiden portugiesischen Männerligen gibt es die Weiße Karte zum Beispiel gar nicht. In Deutschland haben einige Landesverbände die Zeitstrafe eingeführt. Das erlauben die Fußballregeln, aber nur bei den Amateuren. Die Verbände können dann selbst entscheiden, ob sie darauf zurückgreifen wollen oder nicht.

SPIEGEL: Was halten Sie von der Weißen Karte?

Feuerherdt: Für mich war es bisher ausreichend, wenn der Schiedsrichter eine Fairplay-Aktion im Spielbericht vermerkt hat. Es gibt aber Situationen, in denen die Weiße Karte sinnvoll ist. Im Stadion fehlt den Fans die Zeitlupe, manche Situationen bleiben unklar, und die Weiße Karte könnte helfen, für alle im Stadion sichtbar zu machen, dass hier gerade etwas sehr Faires passiert ist. Zum Beispiel, dass ein Spieler eine Schwalbe oder ein irreguläres Tor zugegeben hat. Und, natürlich ist es ohnehin immer gut, wenn Fair Play auch belohnt wird.

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