Weltfußballer-Kandidat Ronaldo Großartiger Großkotz

Wer wird Weltfußballer 2012? In Zürich wird am Abend der Beste des vergangenen Jahres geehrt - verdient hat die Auszeichnung Cristiano Ronaldo. Im Vergleich zu Dauerkonkurrent Lionel Messi spricht mehr für den Portugiesen. Plädoyer für einen chancenlosen Außenseiter.

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Cristiano Ronaldo ist ein begnadeter Fußballer, ein Ausnahmekönner, aber er hat ein großes Problem: sich selbst. "Die Leute sind neidisch auf mich, weil ich schön und reich bin", hat Ronaldo im vergangenen Jahr einmal gesagt. Sein Ziel sei es, "eine Legende zu werden. Ich möchte ewig sein." Wegen solcher Sätze gilt er als Großkotz.

Am Montag hat Ronaldo einen wichtigen Termin in der Schweiz, Anzug statt Trikot ist angesagt. In Zürich wird abends der Weltfußballer des Jahres 2012 mit dem Ballon d'Or ausgezeichnet. Dann wird Ronaldo, 27, auf Lionel Messi, 25, treffen, den Zauberzwerg vom FC Barcelona. Es geht um die Antwort auf die große Frage: Wer war der Beste im vergangenen Jahr? Und bei allem Respekt vor Andrés Iniesta, Messis Teamkollege und dritter Nominierter, geht es eigentlich nur um die Frage: Ronaldo oder Messi?

"Wenn ich könnte, würde ich mich selbst zum Weltfußballer wählen", hat Ronaldo gesagt. Er ist geradezu besessen davon, diesen Fußball aus Gold ein zweites Mal nach 2008 zu bekommen. Dreimal in Folge hoffte Ronaldo anschließend auf die Auszeichnung, dreimal in Folge schnappte sich Messi den Pokal.

Messi gegen Ronaldo, das ist immer auch ein Vergleich der Zahlen. Also dann, bitteschön: Messi wurde vergangene Saison mit 50 Treffern Torschützenkönig in der spanischen Primera División. Zweiter war Ronaldo, der 46-mal traf. In der Champions League war Messi ebenfalls bester Torschütze, erzielte 14 Treffer. Ronaldos zehn Treffer bedeuteten in dieser Statistik Platz drei. Beim Portugiesen kommen noch drei Tore bei der EM hinzu, Messi bestritt 2012 mit Argentinien kein großes Turnier. Dafür hat er den 40 Jahre alten Rekord von Gerd Müller für die meisten Tore in einem Kalenderjahr gebrochen, 91 waren es am Ende.

Ronaldo gewann mit Real die Meisterschaft vor Barça

All diese Zahlen belegen, dass in Zürich zwei der torgefährlichsten Spieler der Welt zur Wahl stehen. Aber Tore erfüllen in einer Mannschaftssportart ja keinen Selbstzweck. Sie sind das Mittel, um Spiele und Titel zu gewinnen. Und damit ist Ronaldo im Vorteil, er hat mit Real Madrid die Meisterschaft geholt, mit neun Zählern Vorsprung auf den FC Barcelona, der sich mit dem Pokalsieg begnügen musste. Der Portugiese spielte dabei die wohl beste Saison seiner Karriere, glänzte auch als Vorbereiter. Vor allem aber erzielte er häufig die wichtigen Tore: Im Rückspiel bei Barça etwa (2:1), auch bei Stadtrivale Atlético (4:1) oder im Heimspiel gegen Levante (4:2), als er jeweils dreimal traf und so die Siege sicherte.

Vergleicht man die Leistungen und das Erreichte in der Champions League, geht es zwischen Ronaldo und Messi unentschieden aus. Weil beide mit ihrem Club im Halbfinale rausflogen, und beide dabei im Rückspiel einen Elfmeter vergaben: Messi traf gegen den FC Chelsea nur die Latte, Ronaldo scheiterte im Elfmeterschießen an Bayern-Torwart Manuel Neuer.

Bleibt die EM, bei der Ronaldo Portugal mit zwei Toren gegen die Niederlande und einem Treffer gegen Tschechien fast im Alleingang ins Halbfinale beförderte, wo gegen Spanien Schluss war. Messi war bei der EM natürlich nicht dabei, kann Ronaldos drei Treffern also auch nichts entgegensetzen. Das aber darf nicht gegen den Portugiesen sprechen.

Luxusschlitten, Modelabel, Liebeskünste

Rein sportlich betrachtet muss Ronaldo den Ballon d'Or gewinnen, weil er mit seinen Teams erfolgreicher war als Messi und daran großen Anteil hatte. Aber so eine Wahl ist ja nie objektiv, weil in Jurys immer Menschen sitzen, in diesem Fall Trainer und Kapitäne der Nationalmannschaften sowie Sportjournalisten, die immer auch nach Sympathien abstimmen. Und deshalb hat Ronaldo wohl leider keine Chance.

Seien wir doch ehrlich: Ronaldo kommt als Fußballer unsympathisch rüber, wie ein eitler Pfau. Mit seinem perfekt durchtrainierten Körper, seinen gegelten Haaren und seinen Brillis im Ohr wirkt er für viele Fans wie ein Schnösel. Die Anhänger des Gegners werden geradezu aggressiv, wenn er seine Freistöße in dieser Cowboy-Manier zelebriert oder nach einem Tor seine Hose hochzupft, um auf seinen muskelbepackten Oberschenkel zu zeigen.

Ronaldo brachte bereits mit 22 Jahren einen Bildband über sein Leben heraus, in seiner Garage stehen zehn Luxusschlitten, Lamborghini, Porsche, Maserati. Er hat sein eigenes Modelabel CR7 gegründet, ist der bestbezahlte Fußballer der Welt, die Klatschseiten sind voll mit Geschichten von Ronaldos angeblich großartigen Liebeskünsten.

Über sich selbst sagt Ronaldo: "Ich bin, wie ich bin, und ich gratuliere mir." Das Problem: Er denkt solche Dinge nicht nur, er spricht sie auch aus. Eigentlich müsste Ronaldo wegen seiner fußballerischen Genialität geliebt werden - stattdessen gibt es sogar Real-Fans, die ihn auspfeifen.

Gewinnt Ronaldo den Ballon d'Or nicht, hätte das dieses Mal kaum sportliche Gründe. "Natürlich würde ich gerne gewinnen. Aber das Leben hört nicht auf, wenn ich es nicht werde", sagte Ronaldo vergangene Woche. Vielleicht ahnt der Portugiese, dass wieder Messi den Pokal bekommen wird.

insgesamt 74 Beiträge
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fonduan 07.01.2013
1. optional
Und Iniesta, bei der EM bester Spieler der Spanier und einer der Hauptgründe für die Titelverteidigung, den lassen wir mal ganz raus? Ah ja.
baconneck 07.01.2013
2. Andere sind besser .....
Weltfußballer kann nur ein Spanier sein! Die haben alles abgesahnt, Italien im EM-Finale vorgeführt. Die sind das Maß der Dinge und das liegt an deren Spielern ....
hexitus 07.01.2013
3.
Ronaldo ist nicht der bestbezahlte Fußballer der Welt. Das ist Samuel Eto'o von Anschi Machatschkala mit rund 20 Mio. Euro p.a. Ronaldo kommt bei 16 Mio. Euro raus.
grandpuba23 07.01.2013
4. @fonduan
genauer lesen: "Und bei allem Respekt vor Andrés Iniesta, Messis Teamkollege und dritter Nominierter, geht es eigentlich nur um die Frage: Ronaldo oder Messi?" Dann erübrigt sich Nerverei.
neill1983 07.01.2013
5. Großartiger Großkotz
Toller Journalismus wieder einmal bei Spiegel. Würde mich fragen, ob sowas auch kommt, wenn mal einer der deutschen Spieler eine Chance auf diese Trophäe hätte. Er hat doch recht, der CR7 (auch wenn ich kein großer Fan von ihm bin). Er ist schön. Er ist reich. Viele sind deswegen neidisch. Natürlich tut er auch was provozieren, aber das würden gern die meisten Menschen tun, soweit sie es denn könnten. Wer mir was anderes erzählen will, lügt sich selbst in die Tasche!
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