Fotostrecke

Cristiano Ronaldo: Roter Teufel, Königlicher, Weltfußballer

Foto: AFP

Weltfußballer Ronaldo Endlich Besser-Messi

Was sollte er denn noch alles tun? Jahrelang schoss Cristiano Ronaldo Tore wie am Fließband, den Titel des Weltfußballers schnappte ihm aber stets Lionel Messi weg. Jetzt hat es endlich wieder geklappt mit dem Ballon d'Or. Kein Wunder, dass Tränen flossen.

Um 20.01 Uhr flossen die Tränen. Die erste wischte sich Cristiano Ronaldo noch etwas verschämt von der Wange, doch dann gab der Portugiese den Kampf gegen seine Emotionen auf, so wie es seine Mutter im Publikum der Kongresshalle von Zürich schon mit Bekanntgabe des Ergebnisses getan hatte: Ronaldos Familie freute sich sichtlich über die Ehrung des Real-Profis zum Weltfußballer 2013. "Ich möchte meiner Familie danken", brachte Ronaldo noch hervor: "Ich kann kaum sprechen. Vielen Dank."

Man kann ihn sich gut vorstellen, den Ballon d'Or, wie er künftig einen Ehrenplatz erhält im Haus von Cristiano Ronaldo und sich einfügt in die Inneneinrichtung des Portugiesen. Die vergoldete Kupfertrophäe in Form eines Fußballs schimmert auf einem Sockel aus dem Mineral Pyrit. Die Auszeichnung für den überragenden Fußballer des vergangenen Kalenderjahres ist 31 Zentimeter hoher und 23 Zentimeter tiefer Kitsch.

Aber Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Und ist nicht immer genau das besonders reizvoll, was unerreichbar scheint?

Fotostrecke

Weltfußballer: Lothar, George und Lionel

Foto: Bongarts/ Bongarts/Getty Images

Für Ronaldo galt dies in den vergangenen Jahren, wann immer es um diesen Preis ging. Nachdem er 2008 mit dem Ballon d'Or ausgezeichnet worden war, ging der Stern des Lionel Messi auf. Egal wie glänzend Ronaldo fortan auch spielte, den Argentinier konnte er einfach nicht überstrahlen - 2009, 2010, 2011 und 2012 gewann Messi, mit Ausnahme von 2010 jeweils vor Ronaldo.

Dessen Murren wurde von Jahr zu Jahr lauter, der 28-Jährige haderte mit der Wahl der Experten, der Welt im Allgemeinen, weniger mit sich selbst. Warum auch? Seine Leistungen hätten in der Vergangenheit wohl locker zum ersten Platz gereicht, wäre dieser Messi nicht gewesen.

Seine Sicht der Dinge hatte Ronaldo vor der diesjährigen Preisverleihung kundgetan: "Ob ich den Ballon d'Or verdient habe? Ich habe ihn wohl verdient, wie im vergangenen Jahr oder vor zwei Jahren auch. Eigentlich habe ich ihn in all diesen Jahren verdient."

"Ich muss niemandem eine Antwort geben"

Doch das Jahr 2013 war selbst für Ronaldos Verhältnisse ein besonderes: 69 Tore gelangen ihm in 59 Spielen für Real Madrid und Portugal. Bis November sah es trotzdem so aus, als habe Bayern Münchens Franck Ribéry dank des Triple-Sieges bessere Chancen als Ronaldo oder der in dieser Saison länger verletzte Messi. Doch dann kamen die WM-Playoffs mit dem Duell zwischen Ronaldos Portugiesen und der schwedischen Nationalmannschaft um Zlatan Ibrahimovic - und "CR7" schoss sein Land mit vier Toren in zwei Spielen fast im Alleingang zur WM nach Brasilien.

Nach diesen Gala-Auftritten hatte sich Ronaldo im Vergleich zu früheren Prahlereien deutlich zurückhaltender gegeben. "Ich muss niemandem eine Antwort geben, ich mache das auf sportliche Weise", antwortete Ronaldo damals auf die Frage, ob seine Tore ein besonderer Gruß an Fifa-Boss Joseph S. Blatter waren.

Der Schweizer hatte sich wenige Wochen zuvor öffentlich über Ronaldo lustig gemacht  und erklärt, wegen seines bescheidenen Auftretens bekomme Messi bei der Weltfußballerwahl stets viele Stimmen. Der portugiesische Verband lief Sturm, auch Real Madrid beschwerte sich, Ronaldo drohte mit einem Boykott der Gala. Die Fifa reagierte auf ihre Weise und platzierte Ronaldo prominent auf dem verbandseigenen Magazin.

Wieviel Politik bei der Wahl durch die 209 Trainer und Kapitäne der Fifa-Nationalmannschaften und ausgewählte Fachjournalisten im Spiel ist, hatte sich erneut bei der Pressekonferenz am Nachmittag gezeigt. Die drei Finalisten hatten bereits auf dem Podium Platz genommen, doch zunächst äußerte sich die Fifa in eigener Sache: Die Verlängerung der heftig kritisierten Abstimmungsfrist habe am Ergebnis letztlich nichts geändert, ein globales Wirtschaftsprüfungsunternehmen habe zudem das Verfahren genauestens überwacht.

Da nun der große Favorit gewonnen hat, werden Proteste wohl ohnehin ausbleiben, selbst Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge äußerte sich nach dem dritten Platz für Ribéry (1127 Punkte, Ronaldo 1365, Messi 1205) gelassen ("Wir sind stolz"). Ronaldo posierte derweil für die Siegerfotos, als er sich neben Weltfußballerin Nadine Angerer stellte, war das breite Lächeln zurück, die Tränen waren getrocknet.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.