Weltfußballverband Fifa-Funktionäre gewähren Blatter neue Amtszeit

Die Schlammschlacht vor der Wahl konnte Joseph Blatter nichts anhaben. Der Schweizer wurde mit großer Mehrheit in seinem Amt als Fifa-Präsident bestätigt. Sein großer Rivale, der suspendierte Katarer Mohammed Bin Hammam, durfte nicht einmal den Saal betreten.
Weltfußballverband: Fifa-Funktionäre gewähren Blatter neue Amtszeit

Weltfußballverband: Fifa-Funktionäre gewähren Blatter neue Amtszeit

Foto: Alessandro Della Bella/ dpa

Hamburg - Joseph Blatter bleibt der mächtigste Funktionär im Weltfußball. Ungeachtet der Bestechungsvorwürfe gegen Exekutivkomitee-Mitglieder und der chaotischen Zustände in den letzten Tagen wurde der Schweizer am Mittwoch beim Kongress des Fußball-Weltverbandes Fifa in Zürich als Präsident wiedergewählt.

186 der 203 abstimmenden Mitglieder votierten für Blatter. Der 75-Jährige geht in seine vierte und letzte Amtszeit. Blatters einziger Gegenspieler, der Katarer Mohammed Bin Hammam, hatte am Wochenende auf seine Kandidatur verzichtet und war anschließend wegen des Verdachts der Korruption suspendiert worden.

"Ich bin sehr bewegt, ich fühle mich sehr geehrt. Das ist ein großes Zeichen der Solidarität. Wir werden das Schiff der Fifa in ruhigere und transparentere Gewässer führen, auch wenn das einige Zeit dauert. Die Fifa-Pyramide bleibt solide", sagte Blatter nach der Wahl. Der Verband werde Erfolg haben, auch wenn das nicht "von heute auf morgen" gehe, so Blatter weiter.

Zuvor war die Forderung des englischen Fußballverbandes FA, die Wahl zu verschieben, mit 172 von 206 Stimmen abgelehnt worden. Er forderte eine offene und faire Wahl mit einem Konkurrenten, hatte FA-Chef David Bernstein in seiner Rede vor dem Kongress gesagt. Dann werde der gewählte Präsident auch die notwendige Glaubwürdigkeit haben, um die Probleme zu lösen. So dagegen sei die Wahl "ein Rennen mit einem Pferd".

"Ich, der Kapitän, trage die Verantwortung"

Blatter selbst hatte vor der Wahl noch einmal Werbung in eigener Sache betrieben. "Wir fahren auf einem Schiff Namens Fifa in turbulentem Wasser. Ich, der Kapitän, trage die Verantwortung, doch das geht nur, wenn Sie mir helfen. Wir müssen alle Probleme innerhalb der Fifa lösen", sagte der Schweizer, der seit 1998 an der Spitze des Verbandes steht. Zudem präsentierte sich Blatter als Reformer und kündigte ein verändertes Vergabeverfahren für WM-Turniere an.

Wer eine deutliche Aussprache unter den Fifa-Mitgliedern erwartet hatte, sah sich getäuscht. Einige Delegierte vornehmlich aus Afrika hatten frühzeitig die Richtung vorgegeben, indem sie Blatter ihr Vertrauen ausgesprochen und ihn zum Weitermachen aufgefordert hatten. Der englische Delegierte David Bernstein erhielt mit seinem Wunsch nach Verschiebung der Abstimmung nicht einmal von den Europäern Unterstützung. Die Vertreter der großen Verbände, darunter DFB-Boss Theo Zwanziger, zogen es vor zu schweigen.

So war die Bühne frei für Blatter, der für sein Projekt "Zero Tolerance" bei Verstößen gegen den Ethik-Code der Fifa warb. In seiner Grundsatzrede ließ er zwar aufhorchen durch seinen Vorschlag, die WM-Vergabe neu zu regeln. Ansonsten war seine Ansprache jedoch wenig emotional. Er ging auch kaum auf die aktuellen Vorgänge ein und nahm das Wort Korruption kein einziges Mal in den Mund. Mit müdem Applaus der Delegierten wurde sein Auftritt honoriert.

Dem suspendierten Bin Hammam war am Mittwoch der Zutritt zum Kongress verwehrt worden. "Ich bin sehr traurig darüber, was in den letzten Tagen passiert ist. Ich werde nie akzeptieren, wie ein Name und mein Ruf beschädigt wurden. Ich werde um mein Recht kämpfen", sagte der 62-Jährige und fügte hinzu: "Ich wurde bestraft, bevor ich schuldig gesprochen bin. Das geht nicht."

Das sogenannte Ethik-Komitee der Fifa hatte Bin Hammam und Jack Warner, Präsident der Concacaf (Fußballverband Nord- und Mittelamerika sowie Karibik), am Sonntag wegen Verstößen gegen den Fifa-Ethik-Code suspendiert, Blatter dagegen von allen Vorwürfen freigesprochen.

Bin Hammam und Warner wird vorgeworfen, Stimmen von Mitgliedern der karibischen Fußball-Union CFU gekauft zu haben. Zudem stehen zahlreiche weitere Fifa-Funktionäre unter dem Verdacht der Bestechung und der Bestechlichkeit.

ged/bka
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