Weltfußballverband Fifa-Funktionäre gewähren Blatter neue Amtszeit

Die Schlammschlacht vor der Wahl konnte Joseph Blatter nichts anhaben. Der Schweizer wurde mit großer Mehrheit in seinem Amt als Fifa-Präsident bestätigt. Sein großer Rivale, der suspendierte Katarer Mohammed Bin Hammam, durfte nicht einmal den Saal betreten.


Hamburg - Joseph Blatter bleibt der mächtigste Funktionär im Weltfußball. Ungeachtet der Bestechungsvorwürfe gegen Exekutivkomitee-Mitglieder und der chaotischen Zustände in den letzten Tagen wurde der Schweizer am Mittwoch beim Kongress des Fußball-Weltverbandes Fifa in Zürich als Präsident wiedergewählt.

186 der 203 abstimmenden Mitglieder votierten für Blatter. Der 75-Jährige geht in seine vierte und letzte Amtszeit. Blatters einziger Gegenspieler, der Katarer Mohammed Bin Hammam, hatte am Wochenende auf seine Kandidatur verzichtet und war anschließend wegen des Verdachts der Korruption suspendiert worden.

"Ich bin sehr bewegt, ich fühle mich sehr geehrt. Das ist ein großes Zeichen der Solidarität. Wir werden das Schiff der Fifa in ruhigere und transparentere Gewässer führen, auch wenn das einige Zeit dauert. Die Fifa-Pyramide bleibt solide", sagte Blatter nach der Wahl. Der Verband werde Erfolg haben, auch wenn das nicht "von heute auf morgen" gehe, so Blatter weiter.

Zuvor war die Forderung des englischen Fußballverbandes FA, die Wahl zu verschieben, mit 172 von 206 Stimmen abgelehnt worden. Er forderte eine offene und faire Wahl mit einem Konkurrenten, hatte FA-Chef David Bernstein in seiner Rede vor dem Kongress gesagt. Dann werde der gewählte Präsident auch die notwendige Glaubwürdigkeit haben, um die Probleme zu lösen. So dagegen sei die Wahl "ein Rennen mit einem Pferd".

"Ich, der Kapitän, trage die Verantwortung"

Blatter selbst hatte vor der Wahl noch einmal Werbung in eigener Sache betrieben. "Wir fahren auf einem Schiff Namens Fifa in turbulentem Wasser. Ich, der Kapitän, trage die Verantwortung, doch das geht nur, wenn Sie mir helfen. Wir müssen alle Probleme innerhalb der Fifa lösen", sagte der Schweizer, der seit 1998 an der Spitze des Verbandes steht. Zudem präsentierte sich Blatter als Reformer und kündigte ein verändertes Vergabeverfahren für WM-Turniere an.

Wer eine deutliche Aussprache unter den Fifa-Mitgliedern erwartet hatte, sah sich getäuscht. Einige Delegierte vornehmlich aus Afrika hatten frühzeitig die Richtung vorgegeben, indem sie Blatter ihr Vertrauen ausgesprochen und ihn zum Weitermachen aufgefordert hatten. Der englische Delegierte David Bernstein erhielt mit seinem Wunsch nach Verschiebung der Abstimmung nicht einmal von den Europäern Unterstützung. Die Vertreter der großen Verbände, darunter DFB-Boss Theo Zwanziger, zogen es vor zu schweigen.

So war die Bühne frei für Blatter, der für sein Projekt "Zero Tolerance" bei Verstößen gegen den Ethik-Code der Fifa warb. In seiner Grundsatzrede ließ er zwar aufhorchen durch seinen Vorschlag, die WM-Vergabe neu zu regeln. Ansonsten war seine Ansprache jedoch wenig emotional. Er ging auch kaum auf die aktuellen Vorgänge ein und nahm das Wort Korruption kein einziges Mal in den Mund. Mit müdem Applaus der Delegierten wurde sein Auftritt honoriert.

Dem suspendierten Bin Hammam war am Mittwoch der Zutritt zum Kongress verwehrt worden. "Ich bin sehr traurig darüber, was in den letzten Tagen passiert ist. Ich werde nie akzeptieren, wie ein Name und mein Ruf beschädigt wurden. Ich werde um mein Recht kämpfen", sagte der 62-Jährige und fügte hinzu: "Ich wurde bestraft, bevor ich schuldig gesprochen bin. Das geht nicht."

Das sogenannte Ethik-Komitee der Fifa hatte Bin Hammam und Jack Warner, Präsident der Concacaf (Fußballverband Nord- und Mittelamerika sowie Karibik), am Sonntag wegen Verstößen gegen den Fifa-Ethik-Code suspendiert, Blatter dagegen von allen Vorwürfen freigesprochen.

Bin Hammam und Warner wird vorgeworfen, Stimmen von Mitgliedern der karibischen Fußball-Union CFU gekauft zu haben. Zudem stehen zahlreiche weitere Fifa-Funktionäre unter dem Verdacht der Bestechung und der Bestechlichkeit.

ged/bka

insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
kunstdirektor 01.06.2011
1. Es wird Zeit ...
Zitat von sysopDie Schlammschlacht vor der Wahl konnte Joseph Blatter nichts anhaben. Der Schweizer wurde in Zürich in seinem Amt als Fifa-Präsident bestätigt. Sein großer Rivale, der suspendierte Katarer Mohamed Bin Hammam, durfte nicht einmal den Saal betreten. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,766144,00.html
... dass sich die Länder von der FIFA lossagen und einen eigenen Verband gründen mit eigener Weltmeisterschaft ohne den durch und durch korrupten Haufen um Blatter. Allerdings wird der Kotau-DFB-Präsident Zwanziger nicht mitmachen.
gsm900, 01.06.2011
2. Wir sind alle eine große Familie
Zitat von sysopDie Schlammschlacht vor der Wahl konnte Joseph Blatter nichts anhaben. Der Schweizer wurde in Zürich in seinem Amt als Fifa-Präsident bestätigt. Sein großer Rivale, der suspendierte Katarer Mohamed Bin Hammam, durfte nicht einmal den Saal betreten. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,766144,00.html
sagte schon Don Vito Corleone
Pepito_Sbazzagutti 01.06.2011
3. ....
Zitat von sysopDie Schlammschlacht vor der Wahl konnte Joseph Blatter nichts anhaben. Der Schweizer wurde in Zürich in seinem Amt als Fifa-Präsident bestätigt. Sein großer Rivale, der suspendierte Katarer Mohamed Bin Hammam, durfte nicht einmal den Saal betreten. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,766144,00.html
KLasse, Joseph Blatter bleibt FIFA-Präsident bis 2066. Da wird sich bestimmt bald einiges in den Strukturen der FIFA ändern.
alpenjonny 01.06.2011
4. Wer sagts denn?
Gratuliere lieber Sepp, Sie haben ihren missgünstigen Neidern gezeigt, wo der Bartel den Most holt! Wenn auch die CH-Fussballnati zur Zeit bloss als Schiessbudenfiguren und Gartenzwerge taugen, so freut es doch viele aufrechte CHer, dass ihr Landsmann wieder zum König gekürt wurde. Hinter vorgehaltener Hand konnte ich heute Abend so etwas wie verhaltene Schadenfreude im Zug von Zürich nach Basel feststellen. Nicht der d-Kaiser Beckenbauer oder sonst ein bekannter Öl-Gustel aus einem Arabischen Land wurde glanzvoll wieder gekrönt- oh nein. Der bekannte knorrige Walliser namens Sepp Blatter hat noch einmal zugeschlagen und den Ruf der CH als einsame Machernation vollauf bestätigt. Es lebe der alte und neue Strippenzieher SB! Nicht mehr ganz jung, 76 genau, auch ein toller Sieg der Grufti-Sektionen über die Jungspunde, die das Ruder in der FIFA übernehmen wollten. Coup gescheitert, kläglich sogar. Der Weisswein Fendant dürfte heute Abend im Zürich in Strömen fliessen, zuprosten und Hohngelächter allenthalben. Fuck ZDF and BBC wetten? Einige Vorstände mächtiger Verbände wie derjenige aus England, nervös hüsteln und mit schluckauf kämpfen müssen. Shit happens, liebe Sportfreunde, wo auch immer ihr auf diesem Globus die Intronisierung von SB mitverfolgt habt. Lang lebe der alte und neue "King of Soccer!" Africa loves You!
Koppsi 01.06.2011
5. Die Leichtigkeit der Unerträglichkeit
Mir fiel eines auf: warum sind FIFA UEFA IOC UCI in der Schweiz ansässig??? FIFA - oh Blatti Corrupti ; ein Strafverfahren anhängig? nulla Problema; einieg Tsd. Fränkli an die Justiz und alles regelt sich ohne jegliche weitere Veröffentlichungen UEFA - Handlanger und Ja-Sager und Kopfnicker; in Sachen "Korruption" für mich ebenso verdächtig wie die FIFA IOC die Meister in Sachen "Korruption"; sittenwidrige Verträge sind Voraussetzung für die Anerkennung als Olympia-Standort; Naturschutz, Menschenrechte etc. sind für diese Bande alles zu vernachlässigende Faktoren UCI diese dopingverseuchte Sportart wird durch den entsprechenden Weltverband mittels Vertuschungen, Lügen und Betrug noch gefördert - ohne Worte und der DFB der sagt im Falle FIFA zu allem Ja und Amen und ist IMHO durch Unterlassen der Korruption und des Betruges mitschuldig !!! ich frage nochmals: warum sind all die Orgas in der Schweiz ansässig ??? On y soit qui mal y pense !!!!!!
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