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Werder Bremen: Ende mit Schrecken

Foto: Mika Volkmann/ Bongarts/Getty Images

Werder Bremen in der Krise Das Skripnik-Desaster

Nach dem Debakel gegen Gladbach erhielt er eine Jobgarantie für das kommende Spiel. Nun ist Viktor Skripnik doch beurlaubt worden. Dem Werder-Trainer wurde seine fehlende Linie zum Verhängnis.

Frank Baumann gab zweifellos sein Bestes. Mit all der Tatkraft, die den Fußballern von Werder Bremen zuvor gefehlt hatte, umkurvte der Geschäftsführer des Bundesliga-Tabellenletzten Fallen, er deeskalierte, erklärte, doch dann entglitt ihm der eine Satz, auf den viele Zuhörer gelauert hatten. "Wir brauchen Geduld, aber unsere Geduld ist nicht ewig haltbar", sagte Baumann unmittelbar nach der Partie in Mönchengladbach.

Nur wenige Stunden später verkündete Werder Bremen die Beurlaubung von Trainer Viktor Skripnik.

Seit 1996 ist Skripnik im Verein, im Oktober 2014 hatte er Robin Dutt als Chefcoach der Profis beerbt. Nun wurde ihm der miserable Saisonstart mit vier Niederlagen aus den ersten vier Pflichtspielen zum Verhängnis. "Wir haben auf der Busfahrt noch einmal über die Situation gesprochen und sind dann zu der Entscheidung gekommen", sagte Baumann. Vorübergehend übernimmt U23-Trainer Alexander Nouri. Als mögliche Kandidaten für die Skripnik-Nachfolge gelten unter anderem Ex-Schalke-Coach André Breitenreiter und der ehemalige Hoffenheimer Markus Gisdol.

1:4 hatten die Bremer am Samstag bei Gladbach verloren, in der ersten Halbzeit waren sie in Grund und Boden gespielt worden, und tatsächlich zeigten sich klassische Symptome einer bevorstehenden Trainerentlassung: ein Team, das mit zweifelhafter Taktik spielt, das fürchterliche individuelle Fehler aneinanderreiht, kein Selbstvertrauen hat und am Ende auch noch die Nerven verliert.

Skripniks Ruf war längst demoliert

Doch zunächst beschwichtigte Baumann noch. "Ganz normal" werde der Sonntag verlaufen, und auf die Nachfrage, ob Skripnik auch am Mittwoch während der Partie gegen Mainz 05 auf der Bank sitzen werde, erwiderte der Sportchef: "Klar, Viktor hat einen Vertrag bis 2018." Aussagen der Bremer sind derzeit eben nicht immer verlässlich.

Das galt auch für Skripnik selbst, der in der vorigen Woche mehrfach öffentlich beteuert hatte, dass der umstrittene Felix Wiedwald in Gladbach im Werder-Tor stehen werde. Dann nahm er doch einen Torwartwechsel vor, stellte Jaroslav Drobny auf. Der Glaubwürdigkeit des angeschlagenen Trainers war das nicht zuträglich, aber Skripniks Ruf war ohnehin längst demoliert. Da war eine Beule mehr auch egal.

Zumal er noch ganz andere Angriffsflächen geboten hat. Gegen Gladbach sorgten einmal mehr Aufstellung und Taktik für Skepsis. Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic spielte als Sturmspitze, wo er noch nie unterwegs war. Der Österreicher fand sich dort überhaupt nicht zurecht, die Folge: Im Gladbacher Strafraum war Bremen 45 Minuten lang nicht existent.

Außerdem stand die Bremer Viererkette bei Gladbacher Angriffen 40, 50 Meter vor dem eigenen Tor, ohne dass dabei ihre Vorderleute Druck auf den gegnerischen Spielaufbau ausübten - eine Einladung für die klugen Gladbacher Passspieler und ihre sprintstarken Kollegen auf den Flügeln. Beim 0:6 in München am ersten Spieltag war Skripniks Mannschaft eine allzu ängstliche Grundhaltung vorgehalten worden, deshalb ließ er sein Team nun mutiger, riskanter verteidigen. Das Ergebnis war ganz ähnlich.

Eine Linie? Längst nicht mehr erkennbar

Änderungen wie diese nahm Skripnik in den vergangenen Monaten ständig vor. Das ist zwar nicht grundsätzlich schlecht, doch im Falle des Ukrainers wirkten die Maßnahmen selten wie kluge Anpassungen an den jeweiligen Gegner oder an die Stärken des eigenen Kaders, sondern bloß aktionistisch.

Eine Linie war längst nicht mehr erkennbar. Das Werder Bremen von Viktor Skripnik stand zuletzt für Planlosigkeit, es entwickelte sich nicht weiter, im Gegenteil: Die beste Phase unter dem Trainer erlebte das Team im Frühling 2015, seither befindet es sich gefühlt in der Dauerkrise, das Spiel in Gladbach war der neueste Tiefpunkt.

Skripnik betrachtete den Untergang im Borussia-Park mit traurigen Augen, er wirkte hilflos, Werders Auftreten sei ihm "peinlich", sagte er, und "das Abwehrverhalten in der ersten Halbzeit war eine Katastrophe". An einen Rücktritt denke er aber nicht, das Verhältnis zur Mannschaft sei "ganz normal", und so ein Saisonstart mit drei Niederlagen wirke viel dramatischer als drei verlorene Partien irgendwann in der Mitte eines Spieljahres.

Tatsächlich hat Skripnik bereits einige Krisen überstanden, stets schaffte er im letzten Moment den Turnaround. "Wir hatten schon schlimmere Serien, sind aber immer mit breiter Brust da rausgekommen", sagte er. Dass ihm das ein weiteres Mal gelingt, trauen die Verantwortlichen Viktor Skripnik nicht mehr zu.

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