Werders Last-Minute-K.-o. "Die ganze Brutalität"

Werder Bremen zeigte unter Interimscoach Alexander Nouri gute Ansätze - am Ende standen die Grün-Weißen wieder als die Verlierer da. Mainz nutzte gnadenlos die Bremer Schwächen aus.

DPA

Aus Bremen berichtet


Dieser wieder einmal frustrierende Bremer Abend hatte auch seine glänzenden Momente. Momente, in denen der SV Werder an den FC Bayern erinnerte, den Meister aller Klassen im deutschen Fußball. Es lief die zwölfte Minute der Partie gegen Mainz 05, als Mittelfeldspieler Izet Hajrovic mit dem Ball am Fuß von der rechten Seite in die Mitte zog, aus rund 20 Metern abschloss und zur Bremer Führung traf. "Das macht Arjen Robben auch nicht viel anders", rief Stadionsprecher Arnd Zeigler in Anspielung auf den in Münchner beschäftigten Niederländer, der seine Tore am liebsten nach dem gleichen Muster schießt.

Überhaupt hatte dieser wieder einmal frustrierende Bremer Abend seine guten Seiten aus Sicht des SV Werder. Die Abwehr stand besser als beim 1:4 bei Borussia Mönchengladbach am vergangenen Wochenende. Auf Torhüter Jaroslav Drobny war Verlass, er zeigte die eine oder andere gute Parade, auch wenn seine Abwehraktionen oft unkonventionell wirken. Neben dem in die Startelf gerückten Hajrovic machte auch der 19 Jahre junge Angreifer Ousman Manneh ein ordentliches Spiel bei seinem ersten Bundesliga-Auftritt überhaupt.

Das Publikum im Weserstadion war wieder auf Werders Seite, die Stimmung war kämpferisch, teilweise sogar euphorisch. Eine Halbzeit lang hatten die Bremer das Spiel gut im Griff, sie hätten es am Ende fast gewonnen und damit die ersten Punkte überhaupt in dieser Saison eingefahren. Aber eben nur fast.

"Die ganze Brutalität des Sports"

Weil sich die Mainzer spät für ihre druckvolle zweite Hälfte belohnt hatten durch die Tore durch Yunus Malli in der 87. Minute und den eingewechselten Pablo De Blasis in der zweiten Minute der Nachspielzeit, verloren die Bremer 1:2 und kassierten damit die fünfte Niederlage im fünften Pflichtspiel dieser Saison, was natürlich weiter den letzten Tabellenplatz bedeutet. Das Bundesliga-Debüt von U23-Trainer Alexander Nouri, der den Posten nach der Freistellung von Viktor Skripnik übergangsweise übernommen hat, endete enttäuschend. Wieder einmal frustrierend eben.

In den letzten Minuten der Partie offenbarte sich dem Übergangsübungsleiter "die ganze Brutalität des Sports, die die komplette Klaviatur der Gefühle rauf und runter spielen lässt", wie Nouri hinterher berichtete.

Allerdings entschieden sich die Bremer, die unschönen Seiten dieser Partie auszublenden und sich auf die Dinge zu konzentrieren, die gut geklappt haben. "Ich habe eine Mannschaft gesehen, die unbedingt wolle", berichtete Nouri. Für den Willen werde sich das Team irgendwann belohnen, vielleicht im kommenden Spiel gegen den VfL Wolfsburg oder danach gegen Darmstadt. Irgendwann auf jeden Fall.

Sportchef Frank Baumann deutete die Partie gegen Mainz als ersten Schritt, "um da unten rauszukommen", wie er sagte. Die Bremer sind genügsam geworden. Schlimmer als zuletzt in Mönchengladbach hätte es ohnehin nicht kommen können. Der SV Werder freute sich über eine Verbesserung auf niedrigem Niveau.

Gegen Wolfsburg soll Nouri auf der Bank sitzen

Doch nach wie vor wartet das Team in dieser Saison auf den ersten Punkt, und so langsam sollten sich die ersten Erfolgserlebnisse einstellen, wenn der Verein nicht schon früh den Anschluss verlieren will. "Fakt ist, dass wir irgendwann punkten müssen", stellte Baumann fest. Er wollte sich nicht zu ausgelassen äußern über Nouri, der mit seiner extrovertierten Art der Gegenentwurf seines ruhigen Vorgängers Skripnik ist und für die letzten Minuten der Partie gegen Mainz sogar auf die Tribüne geschickt wurde.

Nouri ist eine Übergangslösung, aus der im Erfolgsfall natürlich eine Dauerlösung werden könnte, doch Baumann wollte keine Verbindlichkeiten schaffen in dieser Frage. Gegen Wolfsburg am Samstag (18.30 Uhr, High-Liverticker SPIEGEL ONLINE) soll Nouri auf jeden Fall auf der Bremer Bank sitzen. Wie es danach weitergeht, ist unklar.

"Ich lebe im Hier und Jetzt und muss abwarten, welche Entscheidung der Verein trifft", sagte Nouri. Möglicherweise muss er noch eine ganze Weile warten. Denn der Verein hat keine Eile mit der Entscheidung darüber, wer die Mannschaft künftig trainiert. "Es gibt kein Zeitfenster", sagte Sportchef Baumann. Nouri könnte noch ein paar Spiele Zeit haben, die Klaviatur der Gefühle kennenzulernen.



insgesamt 5 Beiträge
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Nonvaio01 22.09.2016
1. gute ansaetze?
ist genauso wie " er hat sich stets bemueht"
spitzaufknoof 22.09.2016
2. Werder verhandelt
mit Louis van Gaal. Schade um das viele Geld welches man Trainern und auch Beratern hinterher wirft. Und auch ehemaligen Trainern.
charlybird 22.09.2016
3. Der allgemeine Fachtenor
hat sich zum Werder-Problem eigentlich dergestalt geäußert, dass es ein Riesenfehler war, in der Sommerpause nicht mit einem neuen Trainerteam angefangen zu haben, nachdem die letztjährige Saison schon wieder mit einem Hupfdohlengekicke durchgestanden wurde. Ich behaupte mal ganz einfach, diese Saison kommt Werder nicht mehr ungestraft durch die Klasse. Eine ordentliche Portion selbstgemachtes Elend ist also schon dabei. Auch wenn es vielleicht gut ist, dass Skripnik gehen musste, aber ein neuer Trainer wird aus diesem Kader und obendrein mit den dauerverletzten Schlüsselspielern auch keine oberhaustaugliche Truppe mehr formen können. Ein frisierter Golf hat in der Formel 1 auch keine Chance.
Dumme Fragen 22.09.2016
4. Herzliches Beileid aus Hamburg!
Liebe Grüße von der Elbe an die Weser! Kann mit euch fühlen! Bin auch schon etwas älter und erinnere mich noch gut an die Fanfreundschaft zwischen Werder und HSV...
kloppskalli 23.09.2016
5. hoffentlich nicht 'van Gaal'...
ich hoffe die Panik ist noch nicht so gross dass man L. van Gaal verpflichtet. Der Konnte es bei Bayern nicht und bei ManU isser auch gefeuert worden. Die Milllionen kann man besser in 1-2 Abwehrspieler investieren. Oder einfach mal die Ruhe bewahren. Guck ma was Schalke macht! Die haben GENAU DAS gemacht, was man den Bremern vorwirft versaeumt zu haben: Neuer Trainer, Top Manager, alles pico bello und wie viele Punkte die schon geholt haben, da wackeln einem ja die Ohren ;-))
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