Ärger vor dem Nordderby Polizei stoppt Fans von Werder und Hamburg

Frust bei den Fans von Werder Bremen: Die Niederlage in Hamburg verschärft die Abstiegsgefahr. Zudem durften viele Ultras gar nicht ins Stadion. Auch bei HSV-Anhängern gibt es Ärger über die Polizei.

Werder-Profis Anthony Ujah und Papy Djilobodji mit Fans
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Werder-Profis Anthony Ujah und Papy Djilobodji mit Fans

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Am Ende des Abends hatten die Fans des Hamburger SV Grund zur Freude. Nach dem 2:1-Erfolg im Nordderby gegen Werder Bremen ist der Klub so gut wie gerettet, in dieser Saison muss der HSV wohl nicht bis zur letzten Sekunde um den Klassenerhalt bangen. Mannschaft und Fans feierten nach Schlusspfiff ausgiebig. Vor dem Spiel gab es allerdings Ärger. Um 18 Uhr versammelten sich rund 800 Anhänger des HSV an einer nahe gelegenen S-Bahn-Station, um gemeinsam zum Stadion im Volkspark zu gehen. Der Marsch kam allerdings nicht weit. Mithilfe von Wasserwerfern wurde er von der Polizei aufgelöst.

Nach Polizeiangaben sind die Fans daran selbst schuld. Polizisten seien aus der Masse heraus mit Böllern und Dosen beworfen worden, sagte ein Polizeisprecher. Über Verletzte machte er keine Angaben. Aus Fan-Sicht hat sich die Polizei falsch verhalten. Augenzeugen berichten in sozialen Medien von übertriebener Härte. Die Polizei sei "grundlos auf völlig unbeteiligte Fans losgegangen" und habe mit dem Vorgehen "ihre Unkenntnis im Umgang mit der Fußball-Fanszene bewiesen", schrieb ein Nutzer bei Twitter.

Auch zwischen Bremer Fans und der Polizei gab es einen Vorfall. Weil das Duell zwischen dem HSV und Werder als Risikospiel eingestuft wurde, legte die Polizei besonderes Augenmerk auf die Anreisewege des Bremer Anhangs. Viele Fan-Busse wurden auf der Autobahn angehalten. Vier Busse wurden nach längerer Überprüfung in Polizeibegleitung zurück nach Bremen geschickt. Als Grund nannte die Polizei, dass in den Bussen Pyrotechnik und sogenannte Passivbewaffnung gefunden worden sei. Die 171 Fans in den Bussen gehörten größtenteils zu den Ultras. Sie konnten das Spiel nicht im Stadion verfolgen.

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Bremer Fan-Vertreter kritisieren das Vorgehen und werfen der Polizei Schikane vor. "Es macht den Anschein, dass die Polizei die Ultras nicht beim Spiel haben wollte", sagte Daniel Behm vom Werder-Fanprojekt. Er war nach eigenen Angaben in einem der zurückgeschickten Busse. Fünf Stunden seien die Fans festgehalten worden, die Motoren der Busse und damit auch die Klimaanlagen hätten abgeschaltet werden müssen, auf Toilette hätte Fans nur einzeln und in Polizeibegleitung gedurft. Die Polizei machte zu diesen Details keine Angaben.

Den Fund von Pyrotechnik und Kleidung zur Vermummung will Behm nicht abstreiten, dennoch hält er den Einsatz der Polizei überzogen. "Es ist eine krasse Sache, dass eine Fanszene so rausgezogen wird, obwohl es bis dahin auf der Anreise überhaupt keine Zwischenfälle gab", sagte er. Nach den Kontrollen seien die Busse in niedriger Geschwindigkeit zurück nach Bremen eskortiert worden. Behm berichtet, dass er erst gegen 23.30 Uhr wieder zu Hause war, ohne das Spiel gesehen zu haben.

Der Bremer Fanblock im Volksparkstadion gab es tristes Bild ab. Zwar war er gut gefüllt, doch Fahnen und andere Utensilien waren kaum zu sehen. Die Unterstützung für die Mannschaft war mau. Kurz vor der Pause holten die Bremer Fans ihre einzige Zaunfahne ein, wohl als Zeichen der Solidarität mit den nach Hause geschickten Ultras. Derbystimmung ging nur von den Fans des HSV aus. Und das lag nicht nur am aus Bremer Sicht enttäuschenden Spiel.

insgesamt 16 Beiträge
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winnirich 23.04.2016
1. Pyrotechnik, Vermummung...
...und schon befindet man sich in der Opferrolle, wenn dem ein Riegel vorgeschoben wird. Offenbar mangelt es einigen an entsprechender Intelligenz, darauf zu verzichten. Man könnte es auch als "Beratungaresistenz" bezeichnen. Vielleicht klappt's ja beim nächsten mal...ohne gefährliche Mitbringsel...
gee1 23.04.2016
2. sippenhaft
nennt man so ne aktion
iansteiner 23.04.2016
3. Wo ist das Problem?
Pyrotechnik und Vermummung gehören nicht ins Station. Also ab nach Hause und noch einmal die Regeln studieren. @Spiegel Wer mit Pyrotechnik und Vermummt ins Station will ist kein Fan. Also eventuell auch mal drauf verzichten echte Fans mit diesem Pack in Verbindung zu bringen.
TomRohwer 23.04.2016
4.
Ein Skandal, dass sich die Polizisten nicht mit Dosen und Böllern bewerfen lassen! Was für Spassbremsen!!
correllon 23.04.2016
5. Selbst schuld
""Es macht den Anschein, dass die Polizei die Ultras nicht beim Spiel haben wollte", sagte Daniel Behm vom Werder-Fanprojekt. [...] Den Fund von Pyrotechnik und Kleidung zur Vermummung will Behm nicht abstreiten [...] "Es ist eine krasse Sache, dass eine Fanszene so rausgezogen wird, obwohl es bis dahin auf der Anreise überhaupt keine Zwischenfälle gab", sagte er." Wie naiv ist dieser Behm eigentlich? Wenn sie Pyrotechnik und solche Kleidung mitnehmen, dann werden sie wohl geplant haben während oder nach dem Spiel Zwischenfälle zu provozieren. Die Polizei hat hier alles richtig gemacht. Feuerwerk und Vermummung haben bei einem Spiel nichts zu suchen. Die Fans können ihr Team mit Gesängen oder Flaggen ausreichend unterstützen.
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