Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hat Werders Trainer Markus Anfang ein gefälschtes Impfzertifikat genutzt?

Das Gesundheitsamt Bremen hat Anzeige gegen den Fußballtrainer Markus Anfang eingereicht. Es soll Zweifel an der Echtheit seines Impfnachweises geben. Der Coach weist Anschuldigungen von sich.
Markus Anfang von Werder Bremen

Markus Anfang von Werder Bremen

Foto: Daniel Karmann / dpa

Es ist bereits 22.27 Uhr, als Werder Bremen am Donnerstagabend eine Pressemitteilung veröffentlicht. Ein Klubfunktionär kommt darin nicht zu Wort, nur Markus Anfang, der Trainer des Fußball-Zweitligisten. Es sind zwei Absätze, die mehr Fragen als Antworten liefern. Sie haben das Potenzial, den Verein zu erschüttern.

Anfang soll ein gefälschtes Impfzertifikat verwendet haben, ob es um das digitale Zertifikat oder das gelbe Impfbuch geht, ist offen. Der SPIEGEL erfuhr, dass die mögliche Fälschung dem Bremer Gesundheitsamt aufgefallen sein soll. Anfang soll die Behörde aufgesucht haben müssen, nachdem zuletzt ein Spieler von Werder Bremen, Marco Friedl, positiv auf das Coronavirus getestet wurde.

Die Staatsanwaltschaft Bremen bestätigte dem SPIEGEL, dass ihre Behörde gegen Anfang ermittelt, die Strafanzeige gegen Anfang habe das Gesundheitsamt gestellt. Urkundenfälschungen können mit Geld- oder sogar Freiheitsstrafe geahndet werden.

Anfang dementiert

Anfang hatte den Bundesligaabsteiger zu Saisonbeginn übernommen und war für eine Ablösesumme von angeblich 400.000 Euro aus Darmstadt gekommen. Zuvor hatte der 47-Jährige auch als Trainer des 1. FC Köln und von Holstein Kiel gearbeitet.

Laut der Bremer Mitteilung vom Donnerstagabend  hat Anfang die Anschuldigungen entschieden zurückgewiesen und beteuert nachdrücklich, vollständig geimpft zu sein. Anfang habe sich in einem offiziellen Impfzentrum impfen lassen, dafür habe er »die entsprechenden Aufkleber im gelben Impfpass bekommen. Den habe ich anschließend in der Apotheke digitalisieren lassen«. Er sei selbstverständlich davon ausgegangen, dass »damit alles seine Ordnung hat«, und hoffe sehr, dass sich das Thema schnell aufklärt.

Markus Anfang vergangene Woche beim Werder-Training

Markus Anfang vergangene Woche beim Werder-Training

Foto: nordphoto GmbH / Stoever / imago images/Nordphoto

Der Verein soll am Donnerstag von der Strafanzeige gegen Anfang erfahren und anschließend versucht haben, den Fall aufzuarbeiten. Die Mitteilung am späten Abend sollte Anfang die Möglichkeit geben, sich zum Fall selbst äußern zu können. Der Fall war zuvor bereits einer Redaktion bekannt geworden.

Werder selbst äußert sich in dem Statement nicht mit einer offiziellen Stimme. Inzwischen gibt es aber Rückendeckung für Anfang. »Markus hat uns versichert, dass alles korrekt gelaufen ist und dass er auch geimpft ist«, sagte Frank Baumann am Freitag nach dem Abschlusstraining, das von Anfang geleitet wurde. »Es gibt aus unserer Sicht auch keinen Grund, daran zu zweifeln«, so der Geschäftsführer Fußball.

Normalerweise, so scheint es, müsste der Vorfall schnell aus der Welt zu schaffen sein. Ein Anruf beim Impfzentrum – Fall geklärt. Es soll auch zu Fehlern mit den digitalen Impfnachweisen kommen können, wenn persönliche Daten des Geimpften versehentlich falsch eingegeben worden sind. Doch diese Fehler lassen sich laut Experten binnen weniger Minuten überprüfen.

Werder wollte auf Anfrage nicht mitteilen, wie der Verein bei der Rekonstruktion des Falles vorgegangen ist. Auch die Staatsanwaltschaft machte keine Angaben.

Fast parallel zum Bekanntwerden der Causa Anfang hat es ein Update für die Corona-Warn-App gegeben. Die App kann nun gefälschte Impfzertifikate als ungültig markieren. Konkret kennzeichnet sie Zertifikate von Apotheken, von denen bekannt geworden ist, dass sie Fälschungen herausgegeben haben. Dadurch können aber auch ehrliche Nutzer und Nutzerinnen betroffen sein (mehr lesen Sie hier).

Größere Aufmerksamkeit erregte zuletzt der Fall einer Apothekenmitarbeiterin aus München, die QR-Codes für digitale Impfpässe verkauft haben soll.

Wie die mögliche Fälschung bei Anfang aufgefallen sein soll, blieb zunächst unklar. Laut »Deichstube « sollen im Impfnachweis des Trainers die Chargennummer des Impfstoffs und ein Impfdatum unstimmig gewesen sein. Es heißt, das Gesundheitsamt habe den Fall »eingehend« geprüft. Danach sei die Staatsanwaltschaft informiert worden.