Werder-Trainer tritt wegen Impfpass-Affäre zurück Anfangs Ende

Ein wohl gefälschtes Impfzertifikat von Markus Anfang bringt Werder Bremen in Schwierigkeiten. Der Chefcoach ist inzwischen zurückgetreten. Auch der Co-Trainer geht, gegen ihn wird ebenfalls ermittelt. Der Klub spricht von »massiven Vorwürfen«.
Markus Anfang

Markus Anfang

Foto: via www.imago-images.de / imago images/Comsport

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Am Abend steht ein Fußballklassiker an, Werder Bremen trifft auf Schalke 04. Dieses Duell ehemaliger Schwergewichte mag nur noch ein Zweitligaspiel sein, 42.000 Zuschauerinnen und Zuschauer haben sich trotzdem im Bremer Stadion angekündigt.

Doch aktuell ist diese Partie Nebensache, Vorfreude scheint es nicht mehr zu geben. Wenige Stunden vor Anpfiff musste Werder Bremen den Rücktritt seines Trainers Markus Anfang bekannt geben .

Markus Anfang beim Werder-Training Anfang November

Markus Anfang beim Werder-Training Anfang November

Foto: nordphoto GmbH / Stoever / imago images/Nordphoto

Nun ging es doch schnell. Erst am Donnerstagabend wurden staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Werders Trainer Markus Anfang bekannt. Er soll ein gefälschtes Corona-Impfzertifikat verwendet haben. Aufgefallen ist das dem Bremer Gesundheitsamt, das nach Prüfung die Entscheidung getroffen hatte, Strafanzeige gegen Anfang zu stellen.

Der 47-Jährige hatte in einer ersten Stellungnahme zunächst alle Anschuldigungen zurückgewiesen. Nun, am Samstagmorgen, ist er von seinem Posten als Bremer Coach zurückgetreten.

Das muss kein Schuldeingeständnis sein, den Verdacht, betrogen zu haben, entkräftet dieser Schritt allerdings auch nicht.

»Ich habe aufgrund der inzwischen extrem belastenden Lage für den Verein, die Mannschaft, meine Familie und auch mich selbst entschieden, dass ich meine Aufgabe als Cheftrainer von Werder Bremen mit sofortiger Wirkung beende«, wird Anfang am Samstag in einer Mitteilung des Vereins zitiert. Auf die Vorwürfe ging Anfang nicht mehr ein.

Auch der Co-Trainer soll involviert sein

Es ist noch nicht abzusehen, wie groß die Angelegenheit, wie groß das Problem auch für Werder Bremen noch wird. Von heute auf morgen ist der Cheftrainer weg, das wird am Team nicht spurlos vorbeigehen. Die Causa könnte den in der Vorsaison abgestiegenen Verein noch einmal in seinen Grundfesten erschüttern.

Mit Anfang erklärte auch Co-Trainer Florian Junge seinen Rücktritt. Gegen den 35-Jährigen gibt es laut Werder-Mitteilung ebenfalls staatsanwaltschaftliche Ermittlungen, das war bisher nicht öffentlich. Laut »Deichstube«  soll auch er im Verdacht stehen, ein gefälschtes Impfzertifikat genutzt zu haben.

Anfang mit seinem Co-Trainer Junge

Anfang mit seinem Co-Trainer Junge

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Junge und Anfang verbindet eine lange Zusammenarbeit. Beide kennen sich aus dem Nachwuchsbereich von Bayer Leverkusen, wo sie im Zeitraum von 2013 bis 2016 Juniorenmannschaften trainiert hatten. Später wurde Junge unter Anfang Co-Trainer, zuerst beim 1. FC Köln, anschließend in Darmstadt. Im Sommer 2021 traten sie als Trainerteam den Job bei Werder Bremen an. In Bremen leben sie in einer gemeinsamen Wohnung.

»Ich bedauere es sehr, dass meine Zeit bei Werder Bremen schon wieder endet«, wird Junge in der Klubmitteilung zitiert. Zu den Ermittlungen gegen ihn äußerte er sich bisher nicht.

Werder geht auf Distanz

Werders Geschäftsführer Fußball Frank Baumann sagte, die beiden übernähmen mit ihrem Schritt Verantwortung »und tragen somit dazu bei, die Unruhe, die in den letzten Tagen rund um den Verein und die Mannschaft aufgekommen ist, zu beenden«.

Noch am Freitag hatte Baumann gesagt, er habe keine Zweifel an der Darstellung Anfangs, geimpft zu sein.

In einem Klub-Interview sagte Baumann nun, der Vorwurf sei »massiv«, die Faktenlage habe sich im Laufe des Freitags geändert. Er bat darüber hinaus um Verständnis, dass man Anfang zunächst einen Vertrauensvorschuss gegeben habe. Das klang nicht mehr nach der Rückendeckung vom Vortag, eher nach Distanz zum Ex-Trainer. Details nannte Baumann nicht.

Anfang soll seinen Impfpass den Ermittlungsbehörden am Freitagabend ausgehändigt haben, schreibt Radio Bremen . Urkundenfälschungen können mit Geld- oder sogar Freiheitsstrafe geahndet werden.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, hätte dies wohl erhebliche Folgen für die Trainerkarriere von Anfang. Eine Täuschung in dieser Angelegenheit könnte schwerer wiegen als sportlicher Misserfolg. Zumal die Deutsche Fußball Liga DFL zuletzt immer wieder mit hohen Impfquoten innerhalb der 36 Profiklubs geworben hatte.

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Für Werder dürfte die Unruhe mit dem Rücktritt jedoch kaum beendet sein. Die Causa Anfang ist vielmehr ein weiterer Krisenherd, den der Klub moderieren muss.

Sportliche und finanzielle Schieflage

Bundesliga-Absteiger Werder steht neben der sportlichen auch vor einer wirtschaftlichen Herausforderung, machte neue Schulden über annähernd 40 Millionen Euro. Anfang galt als Werders Wunschtrainer und soll den Klub eine Ablöse von 400.000 Euro gekostet haben. Das ist viel Geld angesichts der finanziellen Lage.

Auch sportlich läuft es bisher nicht: Nach 13 Spieltagen steht Werder nur auf Rang acht, im DFB-Pokal war zum wiederholten Mal bereits in der Auftaktrunde Schluss.

Werder hatte zu Saisonbeginn zwar nicht den direkten Wiederaufstieg als Ziel ausgerufen, immer wieder betonten die Klubfunktionäre, es müsse einen »Wiederaufbau« geben. Doch nun sieht es so aus, als wäre die Abrissbirne durch Bremen gefahren.

Noch am Donnerstag hatte Anfang beteuert, er sei in einem offiziellen Impfzentrum geimpft worden. Dafür habe er »die entsprechenden Aufkleber im gelben Impfpass bekommen. Den habe ich anschließend in der Apotheke digitalisieren lassen.«

Wie die mögliche Fälschung dem Bremer Gesundheitsamt aufgefallen ist, ist weiter unklar. Laut Medienberichten soll es Unstimmigkeiten beim Impfdatum von Anfang gegeben haben. Es heißt, der Impftermin hätte zu einem Zeitpunkt stattgefunden, als Anfang als Werder-Coach im Einsatz gewesen sei. Eine Bestätigung gibt es dafür bisher nicht.

Gegen Schalke 04 trägt nun Danijel Zenkovic die Verantwortung auf der Trainerbank. Der Österreicher hatte bereits unter Anfang-Vorgänger Florian Kohfeldt gearbeitet. Größere Erfahrung als Cheftrainer hat er nicht, Werder dürfte sich daher bereits auf die Suche nach einem neuen Coach begeben.

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