Skripnik-Aus in Bremen Gesichtsverlust für alle

Bremens Trennung von Trainer Viktor Skripnik ist richtig. Doch sie kommt zu spät und gerät zum Desaster für alle Beteiligten. Werder hat im Sommer einen Neuanfang verpasst - das könnte sich rächen.
Viktor Skripnik

Viktor Skripnik

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

In der langen und bunten Geschichte des Fußballbundesliga gab es selten, vielleicht noch nie, eine Trainer-Entlassung, die so logisch und so richtig war wie die von Viktor Skripnik beim SV Werder.

Die Ergebnisse der ersten vier Pflichtspiele dieser Saison waren dramatisch. Pokal-Aus gegen einen Drittligisten mit dem putzigen Namen Sportfreunde Lotte, eine krachende 0:6-Niederlage beim FC Bayern, die auch zweistellig hätte ausfallen können, der misslungene Heimauftakt gegen Augsburg, am Ende das 1:4 bei Borussia Mönchengladbach, das selbst wohlwollendste Fans erzürnte. Die Bremer haben einen Saisonstart hingelegt, der einer Bundesliga-Mannschaft nicht würdig ist. Schlimmer noch und am Ende verhängnisvoll für Skripnik war allerdings, dass er nicht einen Funken Hoffnung auf die Wende zum Guten vermitteln konnte.

Und so sympathisch die Bremer Idee war, sich den sogenannten Mechanismen der Branche zu widersetzen und einem Trainer trotz verheerender Ergebnisse und steigenden Drucks der Öffentlichkeit die Treue zu halten - die Idee hat keine Chance, wenn der Trainer selbst keinen Glauben ausstrahlt, dass bald wieder alles gut wird. Das war bei Skripnik der Fall.

Die einzige Frage: Warum erst jetzt?

Sein Unbehagen mit dem Job im Scheinwerferlicht des Profibetriebs war bekannt. Nach der Niederlage in München zum Bundesliga-Start sagte er, bislang nicht einen Tag als Trainer der ersten Bremer Mannschaft genossen zu haben. Und dann ist da noch sein Lieblingssatz, er verwendet ihn in jeder erdenklichen Situation. So ist Fußball, das ist dieser Satz. Wenn das alles ist, was einem Trainer einfällt, wenn er in der Krise Schicksalsergebenheit vorlebt, dann ist die Zeit für das Ende der Zusammenarbeit gekommen.

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Werder Bremen: Ende mit Schrecken

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Das Problem ist das Timing: Schon in der vergangenen Saison gab es kaum Argumente für ihn. Der in letzter Minute vollbrachte Klassenerhalt war vor allem das Ergebnis eines beeindruckenden Schulterschlusses zwischen dem Verein und seinen Fans. In der Sommerpause hätte der Klub ohne Probleme einen Schnitt machen können. Er hätte Skripnik zurück in die Jugendarbeit versetzen und einen Trainer verpflichten können, der glaubhaft für einen Neuaufbau steht.

Doch die Bremer verabschiedeten lieber den unbequemen Manager Thomas Eichin, setzten den im eigenen Betrieb sozialisierten Frank Baumann an dessen Stelle und verlängerten den Vertrag des ehemaligen Werder-Profis Skripnik. Um jeden Preis sollte der sogenannte Werder-Weg beschritten werden. Dieser Weg führte mit Ansage ins Verderben.

Beziehungsweise: auf den letzten Platz der Bundesliga-Tabelle und zum Gesichtsverlust für alle Beteiligten. Für Skripnik, der länger in einem Amt belassen wurde, das offensichtlich nichts für ihn ist, und der vor großem Publikum bloßgestellt wurde; für Baumann, der seine ohne Not ausgestellte Job-Garantie für Skripnik ("Über den Trainer wird nicht diskutiert, auch wenn wir die nächsten acht Spiele nicht gewinnen.") zurücknehmen musste; und für Marco Bode, der als Chef des Aufsichtsrats die Verantwortung für den grün-weißen Trümmerhaufen trägt - und dafür, dass die Bremer mit drei Spielen Rückstand in die Bundesliga-Saison gehen.

Durch das Festhalten an Skripnik haben die Bremer den Start der Kampagne verschenkt, stehen mit null Punkten und schon zwölf Gegentoren da. Das könnte sich am Ende der Saison rächen.

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