Werder-Remis in Enschede Punkte verschenkt, Torwart verloren

Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel: Das Unentschieden bei Twente Enschede hat Bremen in der Champions League kaum geholfen. Werder wirkt nicht eingespielt, nicht gefestigt, und hat nun ein weiteres, großes Problem - Torwart Tim Wiese fällt vorerst aus.

Aus Enschede berichtet


Es war wohl der kurzen Rückreise im vereinseigenen Bus geschuldet, dass die Spieler von Werder Bremen nicht den üblichen Ausgehanzug trugen. Einer nach dem anderen schlenderte am späten Mittwochabend im froschgrünen Kapuzenpullover aus den Katakomben des Stadions "De Grolsch Veste" in Enschede. Richtig unzufrieden sahen sie nicht aus, als sie in ihrer Lümmelkluft den Bus für die nur 214 Kilometer kurze Heimfahrt bestiegen. Dabei hätte es für Missstimmung durchaus Anlässe gegeben.

Mit dem 1:1 (0:0) beim FC Twente Enschede hatte Werder zwar sein Minimalziel erreicht. "Das war wichtig. Wir müssen so oder so nun das Heimspiel gegen Twente gewinnen", sagte Bremens Vorstandsboss Klaus Allofs mit Schlips und Anzug. So, wie es sich bei Werder für gewöhnlich gehört, wenn Pflichttermine in der Champions League anstehen. Doch ob die Hanseaten in diesem feinen Wettbewerb überwintern, ist fraglich.

Zum einen bleibt Werder mit zwei Punkten aus drei Spielen Letzter der Gruppe A; zum anderen sind die Bremer weit von ihrem einstigen Leistungsvermögen entfernt. Die Feinabstimmung im Angriff funktioniert kaum, in der Abwehr bleibt Werder anfällig. "Defensiv standen wir besser", sagte Per Mertesacker, stellte aber auch fest: "Es sind noch einige Punkte, an denen wir arbeiten müssen."

Insgesamt präsentiert sich das Team in dieser Saison noch nicht als ein eingespieltes, geschweige denn gefestigtes Ensemble, das im Achtelfinale der Champions League reüssieren könnte. Ein Dirigent vom Kaliber des nach Madrid gewechselten Mesut Özil fehlt an allen Ecken und Enden - auch wenn die Verantwortlichen das nicht hören wollen.

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Champions League: Wiese verletzt, Schaaf zerknirscht
Ausgesprochen hatte das kürzlich auch Torwart Tim Wiese, der in der Nacht zu Donnerstag in Richtung Bus gehumpelt war. Der Keeper war sichtlich niedergeschlagen, vor allem aber sichtlich angeschlagen. Wiese, in einem wackeligen Team seit Wochen eine der wenigen Konstanten, war nach 35 Minuten bei einer harmlosen Flanke ohne gegnerische Einwirkung gestürzt und musste ausgewechselt werden.

"Ich habe mir den Vorderfuß verdreht, bin umgeknickt", sagte der Keeper. Die erste Diagnose fiel aus seiner Sicht aber glimpflich aus: "Das Kreuzband ist okay. Damit kenne ich mich ja aus, das habe ich sofort gemerkt. Ich glaube, diesmal ist es aufs Innenband gegangen." Zweimal hatte sich der 28-Jährige in seiner Anfangszeit an der Weser das Kreuzband gerissen. Eine solche Verletzung aber schloss Vereinsarzt Götz Dimanski noch an Ort und Stelle aus. Vermutet wird eine schwere Dehnung des Innenbandes, was aller Voraussicht nach unmöglich macht, dass der Schlussmann am Samstag bei Borussia Mönchengladbach (15.30 Uhr) und am Dienstag im DFB-Pokal beim FC Bayern (20.30, jeweils Liveticker SPIEGEL ONLINE) zwischen den Pfosten steht.

Dumm nur, dass mit Christian Vander auch Wieses etatmäßiger Vertreter wegen einer hartnäckigen Schambeinentzündung seit Wochen außer Gefecht ist. Seine Feuertaufe in der Königsklasse bestand daher der etatmäßige dritte Keeper: Sebastian Mielitz, 21 Jahre jung, seit fünf Jahren bei Werder in der Ausbildung, zeigte nach seiner Einwechslung zunächst einige Unsicherheiten, hielt dann jedoch ordentlich.

Sollte Wiese länger ausfallen, muss Werder mit Mielitz seine Aufholjagd in der Bundesliga starten - eine andere Wahl hat der Club nicht. "Wir haben absolutes Vertrauen in ihn, ich kann mich an kein schlechtes Spiel erinnern", lobte Allofs seinen dritten Keeper. "Ich versuche jetzt mein Bestes", sagte Mielitz, und ergänzte: "Für Tim tut mir das aber sehr leid." Wiese blieb es immerhin erspart, das wenig ansehnliche Spiel seiner Vorderleute in Enschede zu kommentieren.

Es war ein zäher Kampf, den sich beide Clubs lieferten. Allerdings mit einem furiosen Finale, in dem Theo Janssen den Gastgeber im Nachschuss aus Abseitsposition in Führung gebracht hatte (75.), ehe ausgerechnet der im Twente-Talentschuppen ausgebildete Marko Arnautovic nach Doppelpass mit Claudio Pizarro ausglich (80.). Anschließend hätte Theo Janssen noch seinen zweiten Treffer erzielen müssen (85.), dann fand in der Nachspielzeit ein Kopfballtor von Pizarro wegen vermeintlicher Abseitsstellung keine Anerkennung.

"Vielleicht war hier mehr drin", sinnierte Bremens Trainer Thomas Schaaf über die zwei verschenkten Punkte, bescheinigte seinem Team aber eine "ansteigende Leistung". Zumindest hatte er mit Arnautovic an diesem Tage den richtigen Joker gezogen. Aus Respekt vor den ehemaligen Mitspielern habe er das Jubeln unterlassen, erklärte der Österreicher anschließend. Seine anfängliche Verbannung auf die Bank kommentierte er mit den Worten: "Mein Spiel gegen Freiburg war nicht perfekt. Aber jetzt habe ich dem Trainer bewiesen, dass ich in die Anfangsformation gehöre." Sprach's und ging zum Bus. Dort hockte bereits Wiese und hielt sich das schmerzende rechte Knie. Werder hatte in Enschede mehr als nur zwei Punkte verloren.

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Seite 1
Schwabenpower 26.08.2010
1.
Zitat von sysopDie Gruppenphase ist ausgelost - Welche Chancen haben Bayern Müchen, Schalke 04 und Werder Bremen?
Der FC Barcelona atmet auf, dass er nicht gegen Bayern München, Schalke 04 und Werder Bremen spielen muss. Zumindest in der Gruppenphase nicht. Bayern souverän Gruppenerster, Schalke 04 kann die Gruppe packen, Werder Bremen wird keine Chance haben, wenn sie die haarsträubenden Abwehrfehler in dieser Häufigkeit nicht abstellen können.
WhereIsMyMoney 26.08.2010
2.
Zitat von sysopDie Gruppenphase ist ausgelost - Welche Chancen haben Bayern Müchen, Schalke 04 und Werder Bremen?
Bremens Gruppe ist sicherlich die schwerste von allen. Dennoch müssten sie es theoretisch schaffen. Tottenham hat den teureren Kader aber die haben keine Erfahrung. Wenn Bremen nicht wieder mal Punkte verschenkt , müsste der zweite Platz drin sein.Und Inter wird nicht unbedingt locker durchmarschieren. Sogar in der letzten Saison sind sie nur knapp weitergekommen. Bayern ohne Probleme. Vllt. könnten sie ja sogar Basel zum Weiterkommen verhelfen. Schalke hat eine absolut machbare Aufgabe. Diesmal müsste es klappen dass alle drei weiter kommen. Achja , wie kommt es eigentlich dass Arsenal immer in der Gruppe H landet und in dieser dann auch immer die schwächsten Mannschaften sind?
Ihr5spieltjetzt4gegen2 26.08.2010
3. Werder locker weiter ;-)
Werder gegen Inter, die Spurs und Twente. Man gönnt sich ja sonst nichts. Das schlimmste dabei: Da ist überall mieses Wetter im Herbst. Wie in Bremen ;-) Benfica wäre schön gewesen, aber das ging wohl nicht. Gott sei Dank nicht Moskau, Kasan oder Donezk... Egal, an den Aufgaben wächst man. Die leichten Aufgaben überlässt Werder den Bayer und Schalke ;-) Und mit Sylvestre kann in der Abwehr ja nichts mehr schiefgehen...33 scheint ja im Moment das magische Alter für die BL zu sein...;-) Wobei Schalke aufpassen muss. OL hat sowohl Werder als auch Bayern schon echte Pein bereitet. In Tel Aviv kann man auch 'mal verlieren. Und Benfica sollte man zuhause auch nicht unterschätzen, auch wenn der Glanz früherer Jahre lange vorbei ist. Also, van der Vaart kaufen...;-) Für Bayern ist wohl das schwerste die Anreise nach Klausenburg. Gegen die Roma können es interessante Spiele werden. Und beim Auswärtsspiel in Basel können sie ja ihre Kontostände kontrollieren ;-) Insgesamt schöne Übungseinheiten für die jungen Bayern-Verteidiger ;-)
dhanz, 26.08.2010
4.
Zitat von sysopDie Gruppenphase ist ausgelost - Welche Chancen haben Bayern Müchen, Schalke 04 und Werder Bremen?
Hab' die Auslosung verfolgt und muß sagen: 'Mein' S04 hat Schwein gehabt. Wäre beinahe die Gruppe mit AC Mailand und Real Madrid geworden. So kann ich mit den Gegnern Lyon, Lissabon und TelAviv leben. Das Erreichen des Achtelfinales ist durchaus machbar. Für Bayern München sollte das Erreichen des Achtelfinals kein Problem sein, wogegen Werder Bremen sicherlich die schwerste Gruppe der deutschen Mannschaften erwischt hat. Gegen Inter Mailand und den Tottenham Hotspurs wird's nicht leicht.
derpolokolop 26.08.2010
5.
Bayern sollte souverän Gruppensieger werden. Ich denke die werden aber wie immer leichtsinnig oder durch arroganz sich selber das leben schwer machen.
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