Wett-Skandal Durchsuchungen bei 19 Verdächtigen

Seit dem frühen Morgen haben Fahnder in zehn Bundesländern Wohnungen und Büros im Zusammenhang mit dem Wett-Skandal durchsucht. Unter den 19 von den Razzien Betroffenen waren auch die Schiedsrichter Jansen und Marks sowie Obmann Ziller. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass aktuell gegen insgesamt 25 Beschuldigte ermittelt wird.


Jansen-Haus in Essen: Bereits mit den Vorwürfen konfrontiert
DDP

Jansen-Haus in Essen: Bereits mit den Vorwürfen konfrontiert

Berlin - Die Hausdurchsuchungen begannen heute zeitgleich gegen 6 Uhr an verschiedenen Orten im ganzen Bundesgebiet. Unter anderem wurden dabei auch die Wohnräume von Bundesliga-Schiedsrichter Jürgen Jansen in Essen, des Zweitliga-Referees Dominik Marks in Berlin und von Schiedsrichter-Obmann Wieland Ziller in Dresden durchsucht, hieß es aus Ermittlerkreisen. Die Untersuchungen hätten bis 11.30 Uhr angedauert, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Auch der Wohnsitz des Cottbuser Torwarts Tomislav Piplica wurde durchsucht. Nach Angaben des Spielers sei jedoch nichts beschlagnahmt worden. Dies bestätigte der Zweitligist. Durchsuchungen seien darüber hinaus in Cottbuser Immobilien des inzwischen bei Alemannia Aachen unter Vertrag stehenden Laurentiu-Aurelian Reghecampf erfolgt, meldet der sid.

Auch in der Obertshausener Wohnung des Offenbacher Regionalligaspielers Bruno Akrapovic kam es zu einer Razzia. Der Bosnier zeigte sich geschockt: "Das ist alles ganz furchtbar, mein Name wird in den Dreck gezogen. Selbst wenn bewiesen ist, dass ich unschuldig bin - die Wohnung von mir wurde durchsucht, das bleibt hängen", sagte der Akrapovic dem Radiosender FFH.

Der Hauptbeschuldigte Robert Hoyzer soll die Genannten belastet haben, sie bestreiten aber jegliche Verwicklungen in den Manipulationsskandal durch eidesstattliche Erklärungen.

Nach Angaben ihrer Anwälte wird gegen die von Hoyzer angeblich genannten Fußballer Georgi Donkow und Alexander Löbe vom SC Paderborn nicht staatsanwaltlich ermittelt. Dies teilte der Regionalligist heute mit. Die beiden Spieler würden in dem anhängigen Verfahren nicht als Beschuldigte geführt. Beiden Spielern sei unerklärlich, wie sie in Verdacht geraten konnten, hieß es in der Erklärung des Clubs.

"Ich habe bereitwillig Auskunft erteilt"

Auch die Wohnungen von sechs Spielern des Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden sind durchsucht worden. Das bestätigte Dynamo-Präsident Jochen Rudi dem sid. Bei den Spielern soll es sich laut dpa unter anderen um Torsten Bittermann, Ignjac Kresic und Ranisav Jovanovic (jetzt FSV Mainz 05) handeln. Zudem seien ein weiterer aktueller - laut sid Thomas Neubert - und ein ehemaliger Dresdner Profi ins Visier der Ermittler geraten. Dabei handelt es sich um den heutigen Erstligaspieler Maik Wagefeld (1. FC Nürnberg).

Wagefeld bestätigte heute in einer Presseerklärung des Vereins die Hausdurchsuchung: "Ich habe den Beamten bereitwillig Auskunft erteilt. Des Weiteren habe ich freiwillig der ermittelnden Staatsanwaltschaft die Vollmacht zur Einsicht in meine Konto- und sonstigen Unterlagen erteilt", sagte der 23-Jährige und versicherte, dass "ich nie an einer Manipulation eines Spiels von Dynamo Dresden beteiligt war oder davon Kenntnis erhalten habe".

Beamte der Polizei Nürnberg hatten am Vormittag wegen der aufgekommenen Verdachtsmomente um Spiele von Dynamo Dresden die Nürnberger Wohnung des Fußballers durchsucht. "Wie die gesamte Mannschaft und die sportliche Leitung von Dynamo Dresden habe ich im Vorfeld der jetzt in der Öffentlichkeit diskutierten Partie gegen Preußen Münster von einer gesondert versprochenen Siegprämie gewusst und darin nichts Verwerfliches gefunden", sagte Wagefeld, der zu Beginn dieser Saison aus Dresden nach Nürnberg gekommen war.

Generalstaatsanwalt verärgert

Völlig überraschend kamen die Untersuchungen jedoch nicht. Bereits seit Montagabend wissen alle von Hoyzer genannten Spieler und Schiedsrichter, dass ein Besuch der Staatsanwaltschaften anstand. Zeitungen hatten die von Hoyzer Beschuldigten unter Berufung auf seine Aussage genannt und auch schon mit den Vorwürfen konfrontiert.

Bereits vor den Hausdurchsuchungen hatte der Berliner Generalstaatsanwalt Dieter Neumann die Veröffentlichung der Namen kritisiert. "Vorzeitig aus den Ermittlungsakten veröffentlichte Informationen sind für uns sehr schädlich, besonders wenn es sich um die Nennung von Verdächtigen handelt", sagte der Generalstaatsanwalt Dieter Neumann SPIEGEL ONLINE.

Hoyzer-Anwalt bringt Geheimdienst ins Spiel

Neumann fügte hinzu, dass die Veröffentlichungen der Arbeit der Fahnder immer mehr im Weg stehen. "Wir sind über die Verbreitung dieser Details unglücklich, doch wir können sie nicht verhindern", so Neumann. Der Generalstaatsanwalt betonte allerdings, dass er nicht von einem Leck in seiner Behörde ausgehe.

Vor den Razzien am Mittwochmorgen konnten die Fahnder deshalb nicht ausschließen, dass die öffentlich genannten Verdächtigen Beweismaterial verschwinden lassen und so eine komplette Aufklärung des Falls verhindern könnten.

Nach Ansicht von Hoyzers Anwalt wird sich der Skandal noch deutlich ausweiten. "So mancher meinte noch vor ein paar Tagen, als sich alle Augen allein auf Robert Hoyzer richteten: So, da haben wir einen, der war's und damit Ende. Ehrlich gesagt, das glaube ich überhaupt nicht", sagte Stephan Holthoff-Pförtner der "Zeit".

Zu den Hintermännern der Wettbetrüger zählt der Anwalt Personen aus dem osteuropäischen Geheimdienstmilieu: "So mancher dieser Leute aus dem europäischen Ausland gehörte früher zum Geheimdienst. Die haben sich neue Aufgaben gesucht", sagt Holthoff-Pförtner. Er gehe davon aus, dass es "vergleichbare Netzwerke wie die in Berlin" auch in anderen Regionen gibt.

Schiedsrichter Marks reagierte auf die Vorwürfe gegen ihn mit der vollständigen Auflistung seiner Vermögensverhältnisse. Die Zahlen wolle Marks bis zum Ende der Woche der Staatsanwaltschaft Berlin vorlegen. In der Auflistung werden auch ihm nahe stehende Personen aufgeführt. "Die Staatsanwaltschaft Berlin kann somit an Hand sämtlicher Belege prüfen, dass die von dritter Seite erhobenen Anschuldigungen unzutreffend sind", teilte Marks über eine Rechtsanwältin mit.

Matthias Gebauer



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