Wettbetrug im Fußball Fünf italienische Erstligisten unter Manipulationsverdacht

Dem internationalen Fußball droht der nächste große Wettskandal. In Italien werden sechs Spiele der Serie A untersucht. Auch ein Test zwischen Nigeria und Argentinien steht unter Manipulationsverdacht - wegen auffallend hoher Einsätze und merkwürdigen Schiedsrichterentscheidungen.
Inter-Spieler nach Sieg gegen Lecce: Auffallend hohe Einsätze

Inter-Spieler nach Sieg gegen Lecce: Auffallend hohe Einsätze

Foto: Tullio M. Puglia/ Getty Images

Hamburg - Der Nächste, bitte! Im internationalen Profifußball gibt es fast täglich neue Skandale. Manchmal fallen diese sogar auf einen Tag. So wie am Mittwoch, als erst Fifa-Präsident Sepp Blatter trotz massiver Korruptionsvorwürfe gegen Mitglieder des Verbandes für weitere vier Jahre in seinem Amt bestätigt wurde. Fast zeitgleich wurde in Italien mehr als ein Dutzend Fußballspieler wegen des Verdachts auf Wettmanipulation festgenommen.

Unter den Verdächtigen befindet sich auch der ehemalige Nationalspieler Giuseppe Signori. Er soll eine zentrale Rolle in einer Organisation gespielt haben, die hohe Summen auf manipulierte Spiele gesetzt hat. Laut Staatsanwaltschaft soll Signori auch Gelder auf das Serie-A-Meisterschaftsspiel Inter gegen Lecce (1:0) am 20. März gesetzt haben. Der 43-Jährige bestreitet die Vorwürfe.

Laut Staatsanwaltschaft gibt es noch weitere Spiele von insgesamt fünf Vereinen in der höchsten italienischen Liga, die unter Manipulationsverdacht stehen. "Wir sind jedoch noch nicht sicher, ob Spiele dieser fünf Clubs tatsächlich manipuliert wurden, oder ob es beim Versuch blieb", sagte der Cremoneser Staatsanwalt Roberto Di Martino. Die Namen der Clubs nannte er nicht. SPIEGEL ONLINE hatte bereits im April von extrem ungewöhnlichen Wettquoten in der Serie A berichtet.

Nach den ersten Verhören der 16 festgenommenen Personen hätten sich die Verdachtsmomente jedoch erhärtet und ausgeweitet, sagte Di Martino. Wie italienische Sporttageszeitungen am Samstag berichteten, sollen sich die Vorwürfe gegen Signori und den Erstliga-Aufsteiger Atalanta Bergamo ebenfalls verstärkt haben.

Die Staatsanwaltschaft Cremona und der italienische Fußballverband arbeiten mit Hochdruck an der Aufklärung des Wettskandals. Insgesamt 30 Personen stehen unter Verdacht, in den vergangenen Monaten Spiele der ersten, zweiten und dritten Liga manipuliert zu haben. Auch der Erstliga-Aufstieg von Atalanta Bergamo und AC Siena ist Gegenstand der Untersuchung.

Länderspiel unter Verdacht

Vernommen wurde auch der Teamarzt von Ancona Calcio, Marco Pirani. Der Medziner wird verdächtigt, einem ehemaligen Torwart des Drittligisten Cremonese Calcio Schlafmittel verkauft zu haben, die der Spieler im vergangenen 14. November vor dem Spiel Cremonese gegen Paganese in Getränke seiner Teamkollegen geschüttet haben soll, um seine Mannschaft zu schwächen und das Spiel zugunsten der Gegner zu beeinflussen.

Daraufhin hatten sich mehrere Spieler unwohl gefühlt, einer der Akteure hatte sogar einen Auto-Unfall verursacht. Nach diesen Vorfällen wurden Ermittlungen in die Wege geleitet. Pirani versicherte, dass er nicht gewusst habe, was der Torhüter mit dem Schlafmittel anfangen wollte. In den nächsten Tagen sollen weitere festgenommene Spieler befragt werden.

Zudem wurde am Samstag bekannt, dass die Fifa nachträglich das Länderspiel zwischen Nigeria und Argentinien vom vergangenen Mittwoch (Endstand 4:1) untersucht, weil es ungewöhnlich hohe Wetteinsätze gegeben hat. Der "Daily Telegraph" zitiert einen Sprecher des Weltfußball-Verbandes: "Wir können bestätigen, dass das Spiel zwischen Nigeria und Argentinien unter besonderer Beobachtung steht und untersucht wird."

Nigeria bezwang die stark ersatzgeschwächt angetretenen Südamerikaner in Abuja klar. Erst in der achten Minute der Nachspielzeit hatten die Argentinier per Handelfmeter getroffen, obwohl eigentlich nur fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt wurden. Augenscheinlich hatte es beim 4:0-Zwischenstand zahlreiche Wetten gegeben, dass noch ein Treffer fällt.

mig/dpa/sid
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