Wettskandal Bestechungsaffäre erreicht türkische Superliga

Überraschend ist ein Beschuldigter im Fußball-Wettskandal freigekommen. Der Betreiber des Berliner "Café King" hatte zuvor eine umfangreiche Aussage gemacht. Er berichtete erstmals über Manipulationsversuche bei einem Spiel der höchsten türkischen Liga zwischen Ankaragücü und Galatasaray Istanbul.

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Café King in Berlin: Dreh- und Angelpunkt für die Spielmanipulationen
DDP

Café King in Berlin: Dreh- und Angelpunkt für die Spielmanipulationen

Berlin - Am späten Dienstagnachmittag konnte Milan S. nach rund viermonatiger Untersuchungshaft das Gefängnis in Berlin-Moabit verlassen. Das bestätigte der Berliner Justizsprecher Michael Grunwald SPIEGEL ONLINE auf Anfrage. Zuvor hatte die Berliner Staatsanwaltschaft ihre Beschwerde gegen die Haftverschonung des 39-jährigen Kroaten zurückgezogen. Noch am Dienstag wurde Milan S. daraufhin auf freien Fuß gesetzt.

Der überraschenden Haftentlassung war eine dreieinhalbstündige Vernehmung von Milan S. durch die Berliner Staatsanwaltschaft vorausgegangen. Was Milan S. den Ermittlern berichtete, birgt neuen Sprengstoff für die Affäre um manipulierte Spiele, bestochene Schiedsrichter und fingierte Wetten. In seiner Aussage hat Milan S. nach Informationen von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE neue Angaben gemacht, die den Wettskandal auf eine internationale Ebene ausweiten. So soll er zugegeben haben, dass man im Jahr 2004 auch ein Spiel der türkischen "Süper Lig" manipulieren wollte. Dabei soll es sich um die Partie zwischen MKE Ankaragücü und Galatasaray Istanbul gehandelt haben.

Konkret sei Milan S. im April 2004 in die Türkei gereist, um einen damaligen Mittelfeldspieler des Vereins MKE Ankaragücü sowie einen Teamkollegen mit 15.000 Euro zu bestechen. Für die Summe sollte der Spielverlauf der Begegnung am 10. April 2004 beeinflusst werden. Ziel war es, dass Ankara das Spiel verliert. Letztlich aber sei die Manipulation gescheitert, da der Mittelfeldspieler nicht aufgestellt worden sei. Das Spiel am 29. Spieltag der ersten türkischen Liga ging 1:0 für Ankara aus.

SMS-Protokolle und Passdaten

Unterstützt werden die Angaben von Milan S. durch mehrere objektive Beweise, die der Staatsanwaltschaft nach umfangreichen Ermittlungen vorliegen. So sollen den Fahndern Protokolle von ausgetauschten SMS-Nachrichten zwischen den Brüdern Ante und Milan vorliegen. Ebenso sollen die Passdaten von Milan S. bestätigen, dass er zum angegebenen Zeitpunkt in der Türkei war.

Ex-Referee Hoyzer: Hinweise auf internationale Aktivitäten
DPA

Ex-Referee Hoyzer: Hinweise auf internationale Aktivitäten

Der Berliner Anwalt Herbert Hedrich, der Milan S. verteidigt, bestätigte die Freilassung. Zum Aussageverhalten seines Mandanten lehnte er jeden Kommentar ab.

Der Hinweis auf die Türkei ist die zweite internationale Spur in dem Skandal. Bereits der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Robert Hoyzer hatte in seiner Aussage mehrere Hinweise auf internationale Aktivitäten der Brüder S. gemacht. Demnach seien die Brüder in Österreich, England, Griechenland und Italien aktiv gewesen. Noch ist jedoch unklar, wie viel an den bisherigen internationalen Hinweisen dran ist.

Der freigelassene Milan S. betreibt das "Café King" in der Berliner Rankestraße, das nach Ansicht der Berliner Staatsanwaltschaft das logistische Zentrum der Manipulationen gewesen sein soll. Ihm wird vorgeworfen, gemeinsam mit seinem Bruder Ante und Hoyzer an den Manipulationen von diversen Fußballspielen beteiligt gewesen zu sein. Auf die manipulierten Spiele soll Ante S. umfangreiche Wetten abgeschlossen und so Millionengewinne ergaunert haben.

Langsam packen alle aus

Milan S. war in Zusammenhang mit dem Wettskandal mit seinen Brüdern Ante und Filip Ende Januar bei einer Razzia im "Café King" verhaftet worden, nachdem Robert Hoyzer umfangreiche Angaben über sich und die kroatischen Brüder gemacht hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft allen Beteiligten bandenmäßigen Betrug vor. Die umfangreichen Ermittlungen der Abteilung Organisierte Kriminalität der Berliner Staatsanwaltschaft bekamen vor wenigen Wochen neuen Schub, als Ante S. erstmals vor den Staatsanwälten auspackte.

Bereits im April war Milan S. kurzzeitig auf freien Fuß gesetzt worden, musste aber wenige Stunden später wieder zurück in die Untersuchungshaft. Damals hatte das Amtsgericht Berlin-Tiergarten den kroatischen Wirt gegen Hinterlegung einer Kaution Haftverschonung gewährt. Da die Staatsanwaltschaft jedoch umgehend Beschwerde einreichte und Recht bekam, musste Milan S. bis Dienstag im Gefängnis Berlin-Moabit bleiben.



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