Wettskandal Ex-Profi Karl zu Bewährungsstrafe verurteilt

Sein Teilgeständnis hat sich gelohnt: Ex-Profi Steffen Karl ist wegen seiner Beteiligung am Betrugsskandal zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Zuvor hatte er die Manipulationen zugegeben.


Berlin - Karl ist wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug in zwei Fällen zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Berlin, das den Strafvollzug für vier Jahre auf Bewährung ausgesetzt hat, fällte die Entscheidung bereits am Donnerstagmittag. Erst am Morgen hatte Karl seine Verstrickung in den Wett- und Manipulationsskandal um Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer gestanden.

Ex-Profi Karl: Neun Monate auf Bewährung
DPA

Ex-Profi Karl: Neun Monate auf Bewährung

Nach Hoyzer und Dominik Marks sowie den Brüdern Ante, Filip und Milan Sapina ist Karl der bislang sechste verurteilte Angeklagte in dem Verfahren. Der 35-Jährige hatte durch seinen Anwalt ein Teilgeständnis verlesen lassen. "Es war ein sehr spätes Geständnis, aber es war von Reue getragen", stellte Richterin Gerti Kramer fest.

Die Art und Weise von Karls Manipulationen sei nicht mit der von Hoyzer zu vergleichen, begründete die Vorsitzende das mildeste aller bisher gefällten Urteile. Karls Geständnis und die Geburt seiner Tochter Anfang September wirkten sich strafmildernd aus, genau wie die günstige Sozialprognose für den Angeklagten, der außerdem 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten muss. Dennoch prüft Karls Anwalt Andreas Bartholome einen Antrag auf Revision.

Karl hatte das erst für kommende Woche geplante Ende des Prozesses mit seinem überraschenden Geständnis am Donnerstagmorgen eingeleitet. Bislang hatte der 35-Jährige Manipulationen von Spielen des Chemnitzer FC bestritten. Jetzt gab er zu, vor dem Regionalligaspiel am 1. Mai 2004 zwischen Holstein Kiel und seinem Ex-Verein (3:0) den Drahtzieher des Wettskandals, Ante Sapina, alleine im Hotel in Bad Bramstedt getroffen und von diesem Geld angenommen zu haben. Karls Anwalt bestätigte eine Summe in Höhe von 18.000 Euro. Allerdings seien 8000 Euro für Karls Mannschaftskollegen Markus Ahlf bestimmt gewesen, doch Karl habe das Geld für sich behalten.

Für die Manipulation des Spiels SC Paderborn gegen Chemnitz (4:0) am 22. Mai 2004 habe Sapina dem Angeklagten 8000 Euro geboten. Allerdings ging der Versuch schief, weil Paderborn nicht zur Pause in Führung lag, wie Sapina gewettet hatte. In drei weiteren Verhandlungspunkten wurde das Verfahren eingestellt.

Dazu gehörte die versuchte Einflussnahme auf Torhüter Georg Koch, der auf Drängen Karls ein Zweitligaspiel von Energie Cottbus gegen Jahn Regensburg manipulieren sollte, sowie mögliche Einflussnahmen auf die Drittligaspiele von Chemnitz gegen die Amateure von Borussia Dortmund und gegen Dynamo Dresden im Jahr 2004. Die angebliche Vermittlerrolle des ehemaligen Zweitligaspielers Torsten Bittermann beim Spiel gegen Dresden soll aber noch geklärt werden.



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