Wettskandal HSV bestreitet Paderborner Vorwürfe

Der Paderborner Regionalliga-Spieler Thijs Waterink hat zugegeben, vor der Pokalpartie gegen den Hamburger SV 10.000 Euro erhalten zu haben. Paderborns Präsident Finke nährt den Verdacht, dass auch der HSV an der Manipulation beteiligt gewesen sein könnte. Der Bundesligist prüft jetzt eine Unterlassungsklage.


Paderborner Waterink: Geld angenommen und nach dem Spiel an Teamkollegen verteilt
DPA

Paderborner Waterink: Geld angenommen und nach dem Spiel an Teamkollegen verteilt

Paderborn - Nach Angaben des Paderborner Präsidenten Wilfried Finke hatte Waterink am Mittag des 21. August 2004 vor dem Pokalspiel in unmittelbarer Nähe des Paderborner Hermann-Löns-Stadions 10.000 Euro von einem "ihm unbekannten, südländisch anmutenden Mann" mit dem Hinweis erhalten, dass er das Geld im Falle eines Sieges gegen den zwei Klassen höher spielenden Bundesligisten Hamburger SV behalten könne.

"Der Bote hatte Waterink zudem darum gebeten, die Mannschaft vor dem Spiel über diese Sonderprämie zu informieren", fügte Finke hinzu. Waterink bestreitet, seine Mitspieler vorab in Kenntnis gesetzt zu haben. Er behauptet, dass das Geld erst am Tag nach dem 4:2-Erfolg unter den SC-Spielern verteilt wurde, jeder erhielt 500 Euro. Die Paderborner Akteure, die sich zurzeit im Trainingslager auf Mallorca befinden, haben mittlerweile an Eides statt versichert, nichts von den Vorfällen vor dem Spiel gewusst zu haben.

Das Pokalspiel der ersten Hauptrunde war vom Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer geleitet worden. Dieser hat inzwischen zugegeben, insgesamt vier Partien manipuliert zu haben. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung soll Hoyzer bei seiner Vernehmung durch die Berliner Staatsanwaltschaft auch Waterinks Teamkollegen Alexander Löbe belastet haben. Waterink bestreitet, vom Geldboten zu Täuschungsversuchen aufgefordert worden zu sein. Tatsächlich hatte Hoyzer nach einer Schwalbe von Waterink einen von insgesamt zwei unberechtigten Elfmetern für Paderborn gepfiffen.

Erboste Hamburger

Skandalspiel in Paderborn: HSV-Spieler beklagen sich bei Schiri Hoyzer
AP

Skandalspiel in Paderborn: HSV-Spieler beklagen sich bei Schiri Hoyzer

"Die in diesem Zuge gezahlten 10.000 Euro können nur die Spitze des Eisberges sein. Um eine Wette sicher zu machen, brauche ich drei Parteien: Sieger, Verlierer und Schiedsrichter. Das soll keine Schuldzuweisung in Richtung HSV sein, aber Recherchen sollten in alle Richtungen gehen", forderte Finke.

Laut Paderborner Vereinsboss sei erkennbar gewesen, dass die Hamburger Mannschaft in Paderborn nicht ihre bestmögliche Leistung gezeigt habe. "Man sollte die Laufwege, Gestik und Mimik der Hamburger Spieler in der zweiten Halbzeit ganz genau beobachten", sagte Finke. Auch rein passives Verhalten könne manipulativen Charakter haben.

Der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann reagierte erbost auf Finkes Aussagen: "Das ist eine glatte Unverschämtheit. Wir werden mit allen Mitteln gegen diese Behauptungen vorgehen und über unsere Anwälte die Möglichkeit einer Unterlassungsklage prüfen lassen." Keinesfalls werde der Hamburger SV von seinen Spielern diesbezüglich eidesstattliche Erklärungen einfordern: "Es kann ja nicht sein, dass jeder, der andere auf diese Weise mit in den Schmutz zieht, solche Automatismen auslöst", so Hoffmann, der seine Forderung nach einer Wiederholung des Erstrunden-Pokalspiels betonte: "Wir haben von Anfang an mit einem Wiederholungsspiel gerechnet und tun dies auch weiter."

"Kein Straftatbestand"

Paderborns Mannschaftskapitän Waterink wurde inzwischen freigestellt, von einer Kündigung sah der Club bislang ab. Der geständige Spieler wolle, so Finke, bei der Aufklärung des Sachverhaltes helfen. "Es gilt die Unschuldsvermutung. Waterink hat Geld angenommen, die Wertung sollte man den Juristen überlassen. Es liegt jedenfalls kein Straftatbestand vor", sagte Finke.

Der Vorgang um Waterink kam durch interne Recherchen heraus, die der Regionalligist in Abstimmung mit dem DFB durchgeführt hatte. Demnach wurde Finke am Samstag von einem Spielerberater über die Zahlung von 500 Euro an die von ihm vertretenen Spieler informiert. Er habe dann umgehend den Verband informiert.



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