Wettskandal im Fußball Ex-Profi Cichon soll angeklagt werden

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sollen im Prozess um Wettmanipulationen im Fußball weitere Spieler angeklagt werden. Darunter ist auch der frühere Profi Thomas Cichon. Die bereits verurteilten Drahtzieher hatten ihn schwer belastet.

Ex-Osnabrück-Profi Cichon: Staatsanwaltschaft will Anklage verschicken
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Ex-Osnabrück-Profi Cichon: Staatsanwaltschaft will Anklage verschicken

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Ante Sapina, Nürettin Günay und Marijo Cvertak sind bereits zu Haftstrafen von bis zu fünf Jahren verurteilt worden. Sie galten als "Champions League des Wettbetrugs", wie der Bochumer Staatsanwalt Andreas Bachmann es formulierte. Nun sollen weitere Anklagen gegen Beteiligte in den seit vergangenem Oktober laufenden Wettmanipulationsprozessen geschrieben werden.

"Wir werden im kommenden Herbst die Anklagen gegen Profifußballer verschicken", sagte Bachmann SPIEGEL ONLINE. Mit Thomas Cichon wird es dann auch einen prominenten Kicker erwischen. Der ehemalige Spieler des Bundesligisten 1. FC Köln war in seiner Karriere auch für den Rot-Weiß Oberhausen, Panionios Athen und den VfL Osnabrück tätig. Im Diensten der Niedersachsen soll er mit dem Wettbürobetreiber Günay in Kontakt getreten sein.

Mehrere Zeugen - darunter Sapina, Günay und Cvertak - hatten Cichon während der beiden ersten Wettbetrugs-Prozesse vor dem Bochumer Landgericht beschuldigt, sowohl Geld für manipulierte Spiele angenommen als auch selbstständig für einen bestimmten, von den Paten gewünschten, Spielausgang gesorgt zu haben. Auch sein früherer Osnabrücker Teamkollege Marcel Schuon hatten gegen Cichon ausgesagt. Schuon wurde im Dezember 2009 zu einer Haftstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sperrte ihn bis zum 31. August 2012.

Cichons Anwalt glaubt nicht, dass es zu einem Prozess kommt

"Herr Cichon hat sich den Anschuldigungen in mehreren polizeilichen Verhören gestellt. Er weist insbesondere die Beschuldigungen von Günay weit von sich", sagt Cichons Rechtsanwalt Andreas Bartholomé. Cichon selbst, der zuletzt in Südafrika für den Erstligisten Maroka Swallos gespielt hat, beendete seine Karriere vor wenigen Monaten und weilt wieder in Deutschland. "Wir warten derzeit darauf, was kommt. Uns ist vom Staatsanwalt gesagt worden, dass Herr Cichon im Oktober angeklagt wird", sagt Bartholomé SPIEGEL ONLINE.

Die Täterakte ist dem Kölner Rechtsanwalt bereits in Teilen durch die Staatsanwaltschaft zugestellt worden, der endgültige Schriftsatz soll bis Anfang September erstellt und an den Strafverteidiger gesendet werden. Der Tatvorwurf gegen Cichon lautet entsprechend der Täterakte: "Betrug als Mitglied einer Bande." Die Staatsanwaltschaft sieht anscheinend eine Kooperationsbeteiligung Cichons an den Manipulationsgeschäften Günays. Bartholomé geht dagegen davon aus, dass es nicht zu einem Verfahren kommt: "Dafür gibt es aus unserer Sicht keinen Grund."

Bereits am 25. Januar sprach Cichon vor dem DFB-Kontrollausschuss. Auch dort distanzierte er sich von den Tatvorwürfen. Das Kontrollorgan des Verbandes konnte aber unabhängig davon keine Bestrafung aussprechen, da Cichon seine aktive Karriere zuvor beendete. Neben Cichon sollen ab Oktober auch weitere Spieler auf der Anklagebank sitzen. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen handelt es sich dabei um zwei ehemalige Akteure des SC Verl.

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