Wettskandal Reichenberger entlastet, Hagedorn bleibt suspendiert

Der beurlaubte Verler Spieler Tim Hagedorn wird trotz seiner Unschuldsbeteuerung vorerst nicht am Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen. Erleichterung hingegen beim Osnabrücker Thomas Reichenberger, er wurde von einem im Zuge des Wettskandals verdächtigten Beteiligten entlastet.

Osnabrücker Reichenberger: Entlastung durch einen Verdächtigen
dpa

Osnabrücker Reichenberger: Entlastung durch einen Verdächtigen


Hamburg - Auch nach seiner Unschuldsbeteuerung im Wettskandal darf Tim Hagedorn vom Regionalligisten SC Verl nicht am Training und an Spielen des Clubs teilnehmen. "Wir bleiben bei der Beurlaubung", sagte SC-Präsident Peter Mankartz am Freitag. Der suspendierte Hagedorn hatte zuvor nach Angaben seines Anwalts bei den Ermittlungsbehörden eine Beteiligung an Manipulationen bestritten. "Wir können darauf nicht reagieren, weil wir immer noch nicht von der Staatsanwaltschaft in Szene gesetzt worden sind", sagte Mankartz.

Eine Kündigung ist allerdings auch für den neben Hagedorn zweiten suspendierten Verler Spieler Patrick Neumann noch nicht ausgesprochen. "Von der arbeitsrechtlichen Seite geht es gar nicht anders. So lange die Schuld nicht bewiesen ist, gilt das Unschuldsprinzip", sagte Mankartz. Neumann hatte nach Angaben seines Anwalts zugegeben, 500 Euro für die Manipulation eines Spiels angenommen zu haben.

Sechstligist FC Gütersloh hat sich von einem unter Verdacht stehenden Spieler getrennt. "Er ist im Visier der Staatsanwaltschaft. Es galt einen Schaden vom Verein fernzuhalten", sagte ein Sprecher am Freitag. Die Auflösung des Vertrags sei in beiderseitigem Einvernehmen geschehen. In einem Gespräch mit Vereinsverantwortlichen hatte der Spieler am Donnerstagabend eine Beteiligung am Wettskandal bestritten. Nach Angaben des Clubs ist er Geschäftsführer in einem Bielefelder Wettbüro.

Zwei Tage zuvor war der Spieler nach freigestellt worden. "Es besteht der Verdacht, dass er in Kontakt mit dem Spieler gewesen ist, der in Verl die Manipulation gestanden hat", hatte der Gütersloher Präsident Udo Böning am Mittwoch gesagt.

Thomas Reichenberger vom VfL Osnabrück ist nach Angaben eines der mutmaßlichen Drahtzieher des Wettskandals zu Unrecht der Spielmanipulation verdächtigt worden. "Die Ehrenerklärung, die Thomas Reichenberger vor dem Drittligaspiel am 21. November im Stadion des VfL Osnabrück vor den Fans und vor der gesamten Öffentlichkeit abgegeben hat, ist richtig", ließ der 34-Jährige aus Lohne, der zurzeit in Untersuchungshaft sitzt, über seine Rechtsanwälte erklären.

Niemals gegen Geld in irgendwelche Spiele eingegriffen

Jens Meggers, einer der Anwälte der Verdächtigten, bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Der Anwalt hat nach eigener Aussage am Donnerstag Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft Bochum erhalten und könne sich nicht erklären, woher der Verdacht gegen Reichenberger komme. Die Akten gäben keinen Hinweis auf den Kapitän des VfL Osnabrück.

Reichenberger hatte vor der Drittligapartie gegen die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund eine mögliche Beteiligung an Spielmanipulationen dementiert. Er habe niemals gegen Geld in irgendwelche Spiele eingegriffen, sagte der 35-jährige Stürmer. Der Verdächtige erklärte nun, er habe nie versucht, Reichenberger zu bestechen. "Mein Mandant hat von Anfang an gesagt, er kenne Reichenberger nicht und habe noch nie mit ihm gesprochen", sagte Meggers.

Reichenberger, dessen Anwalt ebenfalls Akteneinsicht nahm, zeigte sich erleichtert. "Das ist eine positive Nachricht. Ich bin froh, dass auch von dieser Seite endlich eine Entlastung kommt", sagte Reichenberger. "Der Verein, die Spieler, Freunde und die Osnabrücker haben mir zur Seite gestanden. Beim VfL war es ein ganz normales Miteinander. Letztlich weiß aber nur ich hundertprozentig, dass ich mit dem Wettskandal nichts zu tun habe." Ob er gegen einige Medien und deren Veröffentlichungen vorgehen werde, ließ er offen.

"Wir haben an die Unschuld des Spielers geglaubt"

Auch der VfL Osnabrück ist froh, "dass diese Sache endgültig geklärt ist", sagte Manager Lothar Gans. "Wir haben an die Unschuld des Spielers geglaubt und daran keinen Zweifel gelassen. Diese Nachricht ist vor allem für den Jungen selbst wichtig. Es ist ein Unding, was in den Medien gegen ihn gelaufen ist."

Der Haftbefehl gegen den Verdächtigen aus Lohne wurde laut seines Anwalts Meggers erlassen, weil er den Osnabrücker Profis Reichenberger und Marcel Schuon 25.000 Euro für die Manipulation des Spiels gegen den 1. FC Nürnberg am 13. Mai 2009 geboten haben soll. Schuon hat seine Verwicklung in den Wettskandal gestanden und war von seinem neuen Club SV Sandhausen am Montag entlassen worden.

jar/dpa

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Seite 1
nil75 20.11.2009
1. ...
Zitat von sysopDutzende Festnahmen, hunderte Begegnungen unter Manipulationsverdacht, schockierte Spieler und Funktionäre - ein neuer Wettskandal erschüttert die Fußballwelt. Verliert der Sport endgültig seine Glaubwürdigkeit? Diskutieren Sie mit.
sie meinen nach der politik und der finanzwelt nun auch der sport?
baloo64 20.11.2009
2.
Wie sauber oder glaubwürdig ist der Sport noch? Wettskandale im Fußball, manipulierte Rennen im Motorsport, Doping im Sport im allgemeinen und so weter. Es geht im Sport mittlerweile nicht mehr nur um die sportliche Leistung sonder viel mehr um wirtschaftliche Leistungen. Wo Milliarden Beträge im Spiel sind, ist immer der Anreiz gegeben sich unredlich sich eine Scheibe davon abzuschneiden. Auch bin ich der Meinung das der neuerliche Wettskandal nur die Spitze des Eisberges ist. Aber ich glaube auch das die FIFA, UEFA und die Ligen nicht an eine lückenlose Aufklärung interessiert sind, weil sonst ihre eigene Praktiken unter die Lupe kommen würde. Und auch da gäbe es wahrscheinlich genug zuentdecken. Wie beim Wettskandal vor ein paar Jahren wird hier alles in ein paar Wochen unter den Mantel des Vergessens geraten. Welche glaubwürdigkeit kann der Sport verlieren? Keine! Er hat ja keine!
Iggy Rock, 20.11.2009
3.
Zitat von baloo64Wie sauber oder glaubwürdig ist der Sport noch? Wettskandale im Fußball, manipulierte Rennen im Motorsport, Doping im Sport im allgemeinen und so weter. Es geht im Sport mittlerweile nicht mehr nur um die sportliche Leistung sonder viel mehr um wirtschaftliche Leistungen. Wo Milliarden Beträge im Spiel sind, ist immer der Anreiz gegeben sich unredlich sich eine Scheibe davon abzuschneiden. Auch bin ich der Meinung das der neuerliche Wettskandal nur die Spitze des Eisberges ist. Aber ich glaube auch das die FIFA, UEFA und die Ligen nicht an eine lückenlose Aufklärung interessiert sind, weil sonst ihre eigene Praktiken unter die Lupe kommen würde. Und auch da gäbe es wahrscheinlich genug zuentdecken. Wie beim Wettskandal vor ein paar Jahren wird hier alles in ein paar Wochen unter den Mantel des Vergessens geraten. Welche glaubwürdigkeit kann der Sport verlieren? Keine! Er hat ja keine!
Leider richtig, außer beim privaten Amateursport, wo Bewegung zählt und keine "scheinbare" Spitzenleistung.
Darjaan 20.11.2009
4.
Zitat von baloo64Wie sauber oder glaubwürdig ist der Sport noch? Wettskandale im Fußball, manipulierte Rennen im Motorsport, Doping im Sport im allgemeinen und so weter. Es geht im Sport mittlerweile nicht mehr nur um die sportliche Leistung sonder viel mehr um wirtschaftliche Leistungen. Wo Milliarden Beträge im Spiel sind, ist immer der Anreiz gegeben sich unredlich sich eine Scheibe davon abzuschneiden. Auch bin ich der Meinung das der neuerliche Wettskandal nur die Spitze des Eisberges ist. Aber ich glaube auch das die FIFA, UEFA und die Ligen nicht an eine lückenlose Aufklärung interessiert sind, weil sonst ihre eigene Praktiken unter die Lupe kommen würde. Und auch da gäbe es wahrscheinlich genug zuentdecken. Wie beim Wettskandal vor ein paar Jahren wird hier alles in ein paar Wochen unter den Mantel des Vergessens geraten. Welche glaubwürdigkeit kann der Sport verlieren? Keine! Er hat ja keine!
So glaubwürdig wie die Fans die ihn konsumieren. Wer sein Geld immer noch für Fanartikel, überteuerte Eintrittskarten, besonders in der F1, aber auch Tennis, oder für Fußballspiele ausgibt, wo die Sportler Millionen verdienen obwohl sie schon ohne soviel Geld genug Privilegien genießen und ihr Hobby zum Beruf machen durften, der hat es nicht anders verdient als betrogen zu werden. Man kennt die Probleme seit Jahrzehnten, ist aber nicht bereit die Konsequenzen zu ziehen und mal 1 Jahr nicht ins Stadion zu rennen. Kann ich kein Mitleid mit haben und ich lache nur noch darüber, über den "Sport" und seine dummen Fans. Der Sport ist nur das Spiegelbild dessen, mit dem wir uns zufrieden geben. Viel Spaß weiterhin, wenn unsere millionenschwere Hoppel-Häschen-Fußballnationalelf, mit ihrem ganzen überteuertem Psychologen und Medizinerstab, und ihren "highteck" Trainings, gegen eien Entwicklungsland so gerade ein Unentschieden herausholen. Dieser ganze Wahn gehört abserviert und diese Primadonnen sollen wieder für einen Facharbeiterlohn spielen Ich lach mich wirklich schlapp. Diese ganze Jammerei über unsauberen Sport ist so unglaublich, als jammerte man dass man im Spielcasino Geld verloren hat, ohe zu vergessen dass das schon fast das Gleiche ist. Irgendwann wir auch diese hyperkommerzielle "Sortblase" platzen. Dauert beim Fußball halt was länger weil Fußballfans im Durchschnitt ein paar kognitive Defizite mehr haben als der Rest.
taiga, 20.11.2009
5. CL · EL · BL usw.
Wenn selbst aktuelle Spiele der Champions League involviert sind, bekommt das Ausscheiden des FCB mit einem Mal sogar einen positiven Beigeschmack ;) Ich verstehe im Übrigen nicht ganz, wie man diesem "Sport" noch so viel Herzblut opfern kann. Interesse, OK – aber diese Massenbegeisterung? Das kommt mir vor wie unsere Währung, die ebenfalls durch NICHTS mehr gedeckt ist.
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