Fußball-Wettskandal Cichon erhält Bewährungsstrafe

Fünf Jahre nach dem Bekanntwerden des Fußball-Wettskandals ist erstmals ein früherer Bundesligaprofi verurteilt worden. Das Bochumer Landgericht verhängte eine Bewährungsstrafe gegen Thomas Cichon.
Ex-Fußballprofi Cichon (2008): "Dass ich bestraft werden muss, ist klar"

Ex-Fußballprofi Cichon (2008): "Dass ich bestraft werden muss, ist klar"

Foto: Christof Koepsel/ Bongarts/Getty Images

Hamburg - Der frühere Fußballprofi Thomas Cichon ist für seine Beteiligung im Wettskandal von 2009 zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Bochumer Landgericht sah Beihilfe zum Betrug und versuchte Steuerhinterziehung - Cichon hatte das Schmiergeld der Wettmafia damals nicht als Einkommen angegeben - als erwiesen an.

Fünf Jahre nach dem bislang größten Wettskandal im europäischen Fußball ist Cichon der erste Ex-Bundesligaprofi, der verurteilt wurde. Der 37-Jährige hatte gestanden, als Spieler des früheren Zweitligisten VfL Osnabrück 20.000 Euro von der Fußball-Wettmafia erhalten zu haben. Im Gegenzug hatte er bei der Partie gegen den FC Augsburg am 17. April 2009 nach eigenen Angaben nicht seine "volle Leistungsbereitschaft" abgerufen. Die Wettpaten hatten eine hohe Niederlage gefordert, die auch eingetreten ist - Augsburg gewann 3:0.

Cichon war nach eigenen Angaben schon 2008 von der Wettmafia angesprochen worden. Damals habe er sich aber noch geweigert, Spiele zu verschieben. Das habe sich erst geändert, als er wegen eigener Wettschulden immer mehr unter Druck gesetzt worden sei. "Ich habe mit Sicherheit nicht alles richtig gemacht", sagte er den Richtern: "Dass ich dafür bestraft werden muss, ist klar."

Cichon änderte zum Prozessbeginn seine Taktik

Heute tue ihm die Sache Leid. Hätte er damals klare Gedanken fassen können, hätte er sich sicherlich anders verhalten, sagte Cichon. Absichtliche Fehler will Cichon im Spiel gegen Augsburg aber nicht gemacht haben. Er habe lediglich nicht mit vollem Einsatz gespielt. Das sei nach Angaben seines Verteidigers aber nicht einmal dem Trainer aufgefallen.

Das Schmiergeld war damals mit Wettschulden verrechnet worden. Cichon, der vom DFB noch bis Juli 2015 gesperrt ist, will die 20.000 Euro nie in der Hand gehalten haben. Nach Bekanntwerden des Wettskandals im Jahr 2009 hatte er die Vorwürfe zunächst bestritten. Zum Prozessauftakt änderte er seine Taktik und legte ein Geständnis ab.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Ex-Profi ursprünglich noch eine weitere Manipulation vorgeworfen. Dabei ging es um das Spiel gegen den 1. FC Nürnberg vom 13. Mai 2013. Auch diese Partie hatte Osnabrück verloren. Hier hatte Cichon allerdings jeglichen Manipulationsversuch bestritten.

Zwei ebenfalls angeklagte Ex-Amateurfußballer waren bereits in der vergangenen Woche zu Bewährungsstrafen von sieben beziehungsweise neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Auch sie hatten von der Wettmafia Geld angenommen und anschließend absichtlich schlecht gespielt.

max/dpa
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