Affäre um die WM 2006 Netzer räumt Vermittlerrolle für Dreyfus ein

Günter Netzer hat sich über seinen Anwalt zu seiner Rolle in der WM-Affäre und zum Millionendarlehen von Robert Louis-Dreyfus geäußert. Der ehemalige Adidas-Chef habe Netzer gebeten, einen Kontakt zum Organisationskomitee herzustellen.
Netzer: Klage gegen Zwanziger noch nicht zugestellt

Netzer: Klage gegen Zwanziger noch nicht zugestellt

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Der frühere WM-Botschafter Günter Netzer war in der WM-Affäre um ungeklärte Millionenzahlungen offenbar ein Vermittler für den ehemaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus. "Dreyfus kam auf ihn zu mit der Bitte, den Kontakt zu den WM-Machern herzustellen. Er war aber nur ein Mittler, der von dem Anspruch wusste", sagte Netzers Anwalt Lucas Brost.

Die Aussage bezieht sich auf Dreyfus' Forderung aus dem Jahr 2004 nach Rückzahlung eines mutmaßlich zwei Jahre zuvor gewährten Darlehens über 6,7 Millionen Euro. Zugleich wird damit auch die Darstellung des früheren WM-OK-Vizepräsidenten Horst R. Schmidt bestätigt. Was mit dem Geld geschehen ist, darüber gibt es verschiedene Theorien.

  • Die Version von DFB-Chef Wolfgang Niersbach geht so: Die Fifa habe Franz Beckenbauer 2002 einen Zuschuss für die WM in Höhe von 170 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Von der Finanzkommission der Fifa sei die Forderung gekommen, dass das OK im Gegenzug 6,7 Millionen Euro zahlen müsse. Von wem genau diese Forderung kam, konnte Niersbach nicht sagen. Dafür wusste er, dass Louis-Dreyfus die 6,7 Millionen Euro für das OK an den Fußball-Weltverband überwies. Die Fifa widersprach Niersbachs Version und kündigte eine Untersuchung an.
  • Niersbachs Vorgänger Theo Zwanziger dagegen sagte dem SPIEGEL, Netzer habe ihm erzählt, mit dem Geld seien die vier asiatischen Stimmen für die WM-Vergabe im Juli 2000 gekauft worden.

Netzer bestreitet, dies auch nur im Ansatz gesagt zu haben, er hat daher Klage gegen Zwanziger angekündigt. Diese war am Freitag laut seinem Anwalt Brost "noch nicht zugestellt", dies solle aber "zügig" geschehen.

Netzer bestehe darauf, "von der Vorgeschichte oder dem vermeintlichen Darlehen nichts gewusst zu haben", sagte Brost außerdem: "Er sieht sich nicht als Hauptprotagonist an. In diese Rolle wurde er erst von Theo Zwanziger gedrängt."

cte/sid
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