WM 2006 Lehmann sieht sich als Nummer Eins

Jens Lehmann hat die Diskussion um die Torhüterfrage in der Fußball-Nationalmannschaft angeheizt. Der Keeper vom FC Arsenal ist fest davon überzeugt, dass er und nicht Oliver Kahn bei der WM 2006 zwischen den Pfosten stehen wird.


Torhüter Lehmann: "Die Besten sollen spielen"
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Torhüter Lehmann: "Die Besten sollen spielen"

Hamburg - "Die Länderspiel-Ergebnisse, die ich gebracht habe, waren bis auf das 2:3 gegen Brasilien alle in Ordnung. Ich spiele seit drei, vier Jahren konstant. Das wird sich auszahlen", begründete der 35-Jährige in der "Bild"-Zeitung. Eine Rotation wie sie von Bundestrainer Jürgen Klinsmann in der Vorbereitung praktiziert wird, schließt Lehmann bei der Weltmeisterschaft aus: "Es kann mal passieren, dass ich drei Spiele mache und dann eine Gelb-Rote Karte bekomme. Aber ich glaube fest daran, dass ich spielen werde."

Ebenso glaubt Lehmann nicht an einen Kahn-Bonus beim WM-Eröffnungspiel am 9. Juni 2006 in München. "Es geht doch nicht um Bayern, es geht um Deutschland. Ich bin überzeugt, viele Leute wollen die Besten spielen sehen." Dass Lehmann bei der Verteilung der Trikotnummern in der Nationalmannschaft nicht die "Eins" zugeordnet wurde, sieht er gelassen: "Ich hätte auch auf der Eins beharren können. Dann hätte es einen Streit gegeben. Also habe ich die Neun genommen", so Lehmann, der in den beiden Testspielen in der Slowakei (Samstag/Bratislava) und gegen Südafrika (7. September/Bremen) gemäß der Rotation anstelle von Kahn im Kader steht.

Dass der Torhüter in der deutschen Mannschaft nicht gesetzt ist, sorge bei Lehmanns Mitspielern in London für Verwunderung. "Sie lachen darüber. Ich verlange auch nicht von meinem Trainer Arséne Wenger, dass er sich jede Woche für mich aus dem Fenster hängt. Es ist okay, wenn das andere machen", erklärte Lehmann in der Tageszeitung "Die Welt".

Im Rückblick auf die großen Turniere 1998, 2000, 2002 und 2004, bei denen er nur Ersatzmann war, sagte Lehmann: "1998 habe ich gesehen, dass Lothar Matthäus gespielt hat, obwohl er nicht besser war als andere. Thon war die bessere Besetzung, aber er wurde geopfert. Damals habe ich den Eindruck bekommen, dass in Deutschland nicht immer auf Leistung geschaut wird, sondern wichtig ist, was der Öffentlichkeit am besten verkauft werden kann." Der England-Legionär ist sich jedoch sicher, dass er im nächsten Jahr nicht wieder die Bank drücken muss: "Ich werde spielen."

Bei Arsenal hat Lehmann neue Konkurrenz bekommen, denn der Club hat den estnischen Fußball-Nationaltorhüter Mart Poom bis Januar 2006 vom Liga-Konkurrenten FC Sunderland ausgeliehen.

Poom soll die ersten beiden Gruppenspiele der Champions League bestreiten, für die der deutsche Nationaltorhüter gesperrt ist. Lehmann hatte nach dem Champions-League-Ausscheiden seines Clubs gegen Bayern München im Achtelfinale der vorigen Saison im Spielertunnel mit Wasser in Richtung des italienischen Schiedsrichters Massimo De Santis und eines Assistenten gespritzt.



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