Medienecho zum WM-Skandal "Jetzt ist Niersbach dran"

Die Titelgeschichte des SPIEGEL über den mutmaßlichen Kauf der Fußball-WM 2006 ist überall Thema. Ein Überblick über die wichtigsten Pressestimmen aus Deutschland.

DFB-Präsident Niersbach und Fußball-Idol Beckenbauer: Bei einem Workshop zur Vorbereitung der Fußball WM in 2006
AP

DFB-Präsident Niersbach und Fußball-Idol Beckenbauer: Bei einem Workshop zur Vorbereitung der Fußball WM in 2006


Die Enthüllung des SPIEGEL über die mutmaßlich gekaufte "Sommermärchen"-WM 2006 hat ein riesiges Medienecho ausgelöst.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 43/2015
Schwarze Kassen - die wahre Geschichte der WM 2006

Websites und Tageszeitungen kommentieren die Titelgeschichte über die angeblichen Verstrickungen der deutschen Fußball-Idole Beckenbauer und Netzer und die Rolle von DFB-Präsident Niersbach im WM-Skandal.

Im neuen SPIEGEL: Das zerstörte Sommermärchen

Die Meinungsbeiträge im Einzelnen:

Das schreibt Faz.net:

"Jetzt ist Niersbach dran"

"Wundert sich noch jemand? Das wäre erstaunlich. Schließlich wäre eine Mega-Portion Naivität nötig, um zu glauben, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) könnte so etwas sein wie eine moralische Instanz inmitten all des korrupten Unrats in den Funktionärsbüros dieses Sports. Und zu erwarten, dass jemand, der etwas will von einem von Bestechung und Abhängigkeiten befeuerten System, wie zum Beispiel den Zuschlag für die Fußball-WM 2006, dies auf saubere Weise erreichen könnte. Hier wirken unentrinnbare Schmutz-Kräfte." (Den ganzen Kommentar lesen Sie hier.)

Das schreibt "Zeit Online":

"So haben wir das nicht gewollt"

"Dass die deutsche Bewerbung nicht ganz sauber lief, war lange bekannt. Aber dieser Fall hat neue Dimensionen. Er wird die Debatten verändern. Seit Jahren stöhnt die Fußballwelt aufgebracht über Katar und Russland sowie über die Fifa, das Syndikat des Schweigens und Schmierens. Doch der Fall, sollten die Anschuldigungen stimmen, zeigt: Korruption ist nicht nur die Sache von Diktatoren, Scheichs und Bananenrepubliken. Der Schlamm fließt mitten durch Deutschland. Deutschland wäre Teil der Fußballmafia." (Den ganzen Kommentar lesen Sie hier.)

REUTERS
Das schreibt die "Süddeutsche Zeitung":

"Das Fußballgeschäft - eine bizarre Parallelwelt"

"Falls sich nun bestätigt, dass die deutsche Bewerbung für die Fußball-WM 2006 aus schwarzen Kassen alimentiert und befördert wurde, so läge das zunächst nur in der Logik des Fußballgeschäfts. Dieses findet ja in einer Parallelwelt statt: Der Sport, der größte Zweig der globalen Unterhaltungsindustrie, darf seine Milliardengeschäfte ohne Kontrolle durch externe Instanzen abwickeln - aufgrund einer bizarren, von allen Staaten garantierten Autonomie. In deren Schutz tätigt seit Dekaden eine kleine Kameradschaft von Funktionären ihre Deals. Der Fußball ist so gewaltig, dass er den Alltag, die Kalender, ja sogar die Sprache einer immer größeren Anhängerschaft prägt. Dies ist der Grund, weshalb sich die Politik an die Herrscher über diesen modernen Volksglauben so oft nicht herantraut. Fußball ist unantastbar." (Den ganzen Artikel lesen Sie hier.)

Das schreibt der "Kölner Stadt-Anzeiger":

"Märchen gibt es nicht geschenkt"

"Die Indizien dafür, dass die Fußball-WM 2006 mit unlauteren Mitteln nach Deutschland geholt wurde, verdichten sich bis an die Grenze zur Fassbarkeit. Das ist in der Wirkung auf die Selbstsicht des Landes vergleichbar mit dem VW-Skandal. Sollten sich die Erkenntnisse des "Spiegel" bewahrheiten, müsste man endgültig feststellen, dass "Made in Germany" offensichtlich auch ein echtes Markensiegel für Betrug und Korruption ist. Das "Sommermärchen" - möglicherweise einfach gekauft wie ein x-beliebiger Luxusartikel." (Den ganzen Kommentar lesen Sie hier.)

Fotostrecke

4  Bilder
WM-Vergabe 2006: Schwarze Kasse fürs Sommermärchen
Das schreibt die "Gmünder Tagespost":

"Bittere Wahrheit"

"Die Argumente der Fußballhandelsreisenden Beckenbauer und Niersbach waren offensichtlich genauso überzeugend wie die der häufig und hart kritisierten Kollegen aus Südafrika, Brasilien, Russland oder Katar. Die WM 2006 wird fortan in einem Atemzug mit den Ländern genannt, die für Korruption und andere unlautere Methoden im Fußball stehen. Viel schwerer wiegt jedoch der gute Ruf, den Deutschland als fröhlich frischer und aufrichtiger Sympathieträger weltweit zu verlieren droht." (Den ganzen Kommentar lesen Sie hier.)

Das schreibt der "General-Anzeiger":

"Das Märchen"

"Überraschen kann das nicht. Im Gegenteil, es wäre eine Überraschung, wenn einzig die Deutschen edel, ritterlich und im Geiste des Sports um große Sportveranstaltungen kämpften. Wo doch längst die Turniere in Frankreich (1998), Südafrika (2010), Russland (2018) und Katar (2022) unter Korruptionsverdacht stehen. Sport bewegt viel Geld, ist deshalb wichtig und damit anfällig für jede Art von Betrug. So funktioniert es in allen Lebensbereichen." (Den ganzen Kommentar lesen Sie hier.)

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 90 Beiträge
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ludwighuber1 17.10.2015
1. Es war doch auch vor ca. 10 Jahren
als Adidas von Hoeness Bayern-Sponsor blieb oder wurde, obwohl weit bessere Angebote vorlagen. Mich wundert immer noch, dass die Bayern einen, der weit weniger zahlt, den Zuschlag gaben.
kritischer-spiegelleser 17.10.2015
2. Der FIFA-Sumpf
Jetzt zerrt jeder jeden an die Öffentlichkeit. Aus Rache. Ist ja nicht schlecht. Da weis man dann was wie gelaufen ist und man kann endlich den Laden dichtmachen!
brainstormerene 17.10.2015
3.
Wer ist wirklich verwundert ? ich bin es nicht !!!! die geruechte wabern ja schon lange durch den raum. und sollte sich das jetzt wirklich bestaetigen das das alles nicht ganz sauber gelaufen ist dann ist nur der wirklich naive ueberrascht. natuerlich muessen dann auch die daran beteiligten und wissenden personen zur rechenschaft gezogen werden ohne ruecksicht auf namen, ansehen und funktion. der sport im allgemeinen und der fussball im besonderen ist halt auf allen ebenen gepraegt durch "funktionstum" .......eine ganz besondere sorte mensch......das weiss schon jeder der nur bei kleinkleckersdorf in der kreisliga mal gekickt hat.
windpillow 17.10.2015
4. Echt nah am Wasser gebaut?
Sollte man angesichts deutscher schwarzer Kassen für gigantische, weltweite Sportveranstaltungen, nicht auch mal einen Blick auf die evtl. Vergabe von olympischen Spiele werfen? --in diesem Falle speziell auf Hamburg!
cosmos 17.10.2015
5. DFB auflösen
Der DFB muss aufgelöst werden. Das ist die einzige Chance, den Fussball sauber zu machen. Genau wie die FIFA ist der DFB eine halb-kriminelle Organisation. Viele haben es sich auch schon lange gedacht. Neben dieser Bestechungssache betreibt der DFB auch noch massiv Steuerbetrug ( vor kurzem ein Fernseh-Bericht ). Der DFB zeigt sich uneinsichtig, bestreitet alles, geht in Deckung, will alles verwischen und fortfahren wie immer. Die Fussball-Nationalmannschaft darf nicht mehr zu diesem DFB gehören. Es hilft nur der Radikal-Schnitt. Man muss einen neuen Verband mit sauberen Strukturen gründen.
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