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Argentinien gegen Schweiz: Entscheidung mit dem zwölften Schuss

Foto: Clive Rose/ Getty Images

Erlösungstreffer in der Verlängerung Argentinien rettet sich ins Viertelfinale

Die Schweiz hat die nächste WM-Überraschung knapp verpasst. Gegen Top-Favorit Argentinien erzwangen die Eidgenossen die Verlängerung - und verloren durch ein Tor in der 118. Minute. Die Niederlage bedeutet das Karriereende von Trainer Ottmar Hitzfeld.

Hamburg - Es ist ein bitterer Abschied für Ottmar Hitzfeld: Der Trainer, der nach der WM seine Karriere beenden will, sah, wie seine Schweizer im Achtelfinale Argentinien einen großen Kampf boten - und verloren. 0:1 (0:0, 0:0, 0:0) unterlag die Schweiz, ein spätes Tor von Angel di María in der Verlängerung (118. Minute) besiegelte die Pleite des Außenseiters. Argentinien steht damit im Viertelfinale und trifft dort am Samstag auf den Sieger des Duells zwischen Belgien und den USA, die am Abend aufeinandertreffen (22 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

"Fußball ist so brutal", sagte Hitzfelds Assistent Michel Pont: "Dieses Ergebnis ist sehr enttäuschend für uns alle, wir sind am Boden zerstört." Siegtorschütze Di María war "einfach nur froh, dass wir die nächste Runde erreicht haben".

Hitzfeld bot gleich sieben Bundesligaprofis in der Startelf auf - und damit nur einen weniger als Bundestrainer Joachim Löw am Montag bei Deutschlands Sieg über Algerien. Er stellte sein Team defensiv ein: In zwei Viererreihen warteten die Schweizer in der eigenen Hälfte auf den Favoriten. Sobald die Argentinier einen Pass dorthin wagten, wurden sie plötzlich und hart attackiert. Stets wandelten die Schweizer bei ihren Zweikämpfen an der Grenze zum Foul.

Drmic verpasst die Schweizer Führung

Argentinien kam mit dieser Spielweise lange nicht zurecht - und beging Fehler bei eigenem Ballbesitz. So bewegten sie sich zu selten in die Freiräume, die dadurch entstanden, dass sich meist zwei Schweizer an Lionel Messi orientierten. Weil auch die "Albiceleste" nach Ballverlusten gut verteidigte und so Konter vermied, ergab sich eine Anfangsphase frei von Strafraumszenen.

Chancen hatten zunächst nur die Schweizer: Der Neu-Leverkusener Josip Drmic lief nach Vorarbeit von Xherdan Shaqiri unbedrängt auf das argentinische Tor zu. Torhüter Romero machte erst einige Schritte nach vorne, stoppte dann ab, was Drmic auf die Idee brachte, den Keeper per Heber zu überwinden. Der Stürmer traf den Ball aber schlecht - und schob ihn direkt in die Arme Romeros (38.). Zuvor hatte Shaqiri bereits eine Gelegenheit für Granit Xhaka vorbereitet, der jedoch mit einer unpräzisen Direktabnahme an Romero gescheitert war (28.).

Die Schweiz mauert, Argentinien drängt

Und Argentinien? Wurde kaum gefährlich. Schüsse von Ezequiel Lavezzi (29.) und Angel di María (41.) blieben harmlos. Am gefährlichsten wurden die Südamerikaner nach einer Ecke, als Abwehrspieler Ezequiel Garay den Ball freistehend knapp verfehlte (30.).

Nach der Pause änderte sich das Bild. Argentinien drängte die Schweiz immer tiefer in die eigene Hälfte, die Hitzfeld-Elf kam kaum noch zu entlastenden Kontern. Vor allem Argentiniens Linksverteidiger Marcos Rojo rückte nun häufig mit nach vorne und sorgte für Gefahr: Erst scheiterte er mit einem Schuss (62.) selbst, dann bereitete er einen Kopfball von Gonzalo Higuaín vor, den Wolfsburgs Diego Benaglio im Tor der Schweiz entschärfen konnte (62.).

Auch Superstar Messi wurde stärker, zweimal verpasste er einen Treffer nur knapp: Zunächst zielte er von der Strafraumgrenze über die Latte (68.), dann dribbelte er an mehreren Verteidigern vorbei, scheiterte aber an Benaglio (78.). Das Spiel war nun völlig gekippt, Argentinien kam zu vielen Abschlüssen, das 1:0 schien nur eine Frage der Zeit. Doch es fiel nicht, die Schweiz rettete sich in die Verlängerung - und nahm darin plötzlich wieder am Spiel teil.

Statt den eigenen Strafraum zu verteidigen, schoben die Schweizer weiter vor, gestalteten die Partie wieder offener. Gefährlicher blieben aber die Argentinier, für die Garay (92.) und der eingewechselte Rodrigo Palacio (94.) und Di María (109.) mit ihren Versuchen an Benaglio scheiterten. Das Elfmeterschießen rückte näher - bis Di María nach starker Vorarbeit von Messi zur Führung traf. Doch noch waren die Eidgenossen nicht bezwungen: In den letzten Momenten der Partie warfen sie alles nach vorne, Blerim Dzemaili kam tatsächlich zur großen Chance zum Ausgleich, traf aber aus kurzer Distanz nur den Pfosten (120.+2).

Argentinien - Schweiz 1:0 (0:0) n. V.
1:0 Di María (118.)
Argentinien:
Romero - Zabaleta, Fernandez, Garay, Rojo( Basanta, 106.) - Gago (Biglia, 106.), Mascherano - Lavezzi (Palacio, 74.), Di María - Messi Higuain
Schweiz: Benaglio - Lichtsteiner, Schär, Djourou, Rodriguez - Behrami, Inler - Xhaka (Fernandes, 66.), Shaqiri, Mehmedi (Dzemaili, 113.) - Drmic (Seferovic, 82.)
Schiedsrichter: Jonas Eriksson (Schweden)
Zuschauer: 63.255
Gelbe Karten: Garay, Di María, Rojo (2.) - Xhaka, Fernandes Torschüsse: 29:15
Ballbesitz: 64:36 %

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