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Deutschland vs. USA: Einmal Müller reicht für Klinsmann

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Löw-Team im Achtelfinale Deutschland ist reif wie nie zuvor

2010 in Südafrika: Das war wilder Offensivfußball. 2014 in Brasilien: Das ist vernünftiger Fußball. Die gereifte Mannschaft von Joachim Löw steht damit im Achtelfinale gegen Algerien - und will mehr.

Man kann es sich sehr einfach machen und diese Parallele ziehen: Vor vier Jahren errang Deutschland beim WM-Turnier in Südafrika den Gruppensieg durch einen knappen 1:0-Erfolg über Ghana und zog ins Achtelfinale ein. 2014 holte sich das DFB-Team den Gruppensieg durch ein 1:0 über die USA und erreichte so erneut das Achtelfinale. Damit allerdings sind die Gemeinsamkeiten erschöpft, bei schärferem Hinsehen erkennt man eher die Unterschiede - zugunsten der heutigen Mannschaft.

Die Mannschaft hat die vier Jahre, die zwischen diesen beiden WM-Turnieren liegen, genutzt. Sie hat sie genutzt, um zu reifen.

Ein Blick zurück: 2010 hatte das DFB-Team das zweite Gruppenspiel gegen Serbien verloren, die Mannschaft stand unter Druck, das Ausscheiden war möglich, gegen starke Ghanaer sprang am Ende ein Zittersieg heraus, das Team bangte sich in die nächste Runde. Dann erst löste sich der Knoten, und die Mannschaft zeigte gegen England und Argentinien den begeisternden Fußball, der seitdem weltweit gerühmt wird.

Wissen um die eigene Überlegenheit

Vier Jahre später, im Dauerregen von Recife, präsentierte sich eine abgeklärte, dominierende Elf, die vom gesamten Auftreten her keine Zweifel ließ, wer Anspruch auf den Gruppensieg erhebt. "Wir haben den Amerikanern von Beginn an gezeigt, wer hier Herr im Haus ist", sagte Thomas Müller anschließend. Der eigenen Stärke und Qualität bewusst, agierte gegen die USA eine Mannschaft, die Souveränität ausstrahlte.

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Deutschland in der Einzelkritik: Feldspieler Neuer, Pendel Lahm

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Das hat sie in der Zwischenzeit gelernt: zu wissen, wie gut man ist, und dem eigenen Plan zu folgen. Mit Hilfe eines Mittelfelds, das die US-Amerikaner kaum zum Spielaufbau kommen ließ. Torchancen konnte sich die Klinsmann-Elf bis zur letzten Spielminute, als tatsächlich die Gelegenheit zum Ausgleich da war, gar nicht erarbeiten. Torwart Manuel Neuer musste keinen einzigen Ball halten, das gab es bei Weltmeisterschaften seit dem 8:0 über Saudi-Arabien 2002 nicht mehr, als Oliver Kahn komplett beschäftigungslos war.

Selbstbewusstsein, ohne über die Kante zur Selbstüberschätzung zu gehen - das demonstriert im Moment keiner so gut wie Matchwinner Müller. "Es fühlt sich gut an, seinen eigenen Fähigkeiten vertrauen zu können", sagte der mittlerweile neunfache WM-Torschütze. "Wir alle haben einen Riesen-Ehrgeiz, der uns noch weit bringen kann."

Mit Algerien wartet der größte Außenseiter

Zunächst einmal hat er sie ins Achtelfinale geführt, wo mit Algerien der wohl größte Außenseiter unter den verbliebenen 16 Teams wartet. Unter normalen Umständen sollten die Nordafrikaner kein unüberwindliches Hindernis für die Löw-Elf sein. Der Bundestrainer wird einen Plan haben, und wenn der erfüllt wird, dann sollte das Team unter normalen Umständen ins Viertelfinale einziehen.

Unter normalen Umständen - das führt zu der anderen Seite, die diese Mannschaft auch hat und die im Gruppenspiel gegen Ghana zu Tage trat. Wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, etwas, das gegen den Plan verstößt, dann verliert dieses Team immer noch ab und an die Balance. Gegen Ghana war in der zweiten Halbzeit teilweise nichts mehr von der Ordnung, von der Struktur, von der Absicht zu spüren, mit der die Mannschaft in das Spiel gegangen war. Es schien, als könne das Team den Ausgleich der Afrikaner nach dem Führungstor durch Mario Götze nicht verarbeiten. Es war einfach außerhalb des Plans. Und die Mannschaft erlitt einen Rückfall in die wilde Zeit des puren Offensivfußballs. Um jeden Preis.

Löw hat das an der Seitenlinie angesehen, es hat ihn verärgert, es hat ihn irritiert. Genau das hatte er der Mannschaft zu nehmen versucht. Denn das hatte dem Team, das 2012 Europameister werden sollte und wollte, gefehlt. Sie waren Schönspieler, sie waren vom Offensivgeist berauscht, Götze, Özil, Schürrle, Reus. Aber hinten fielen dann die Tore.

Seitdem hat Löw das Denken dieser Mannschaft verändert, teilweise gegen seine eigene ursprüngliche Überzeugung. Er hat ihr auf Kosten des Rausches, des Glamours, Vernunft eingeimpft, Kühle. Man darf das Reife nennen. Auch wenn es nicht mehr so schön aussieht.

Aber so gewinnt man Spiele gegen die USA 1:0. Und vielleicht wird man so sogar Weltmeister.

USA - Deutschland 0:1 (0:0)
0:1 Müller (55.)
USA: Howard - Johnson, Gonzalez, Besler, Beasley - Beckerman, Jones - Zusi (84. Yedlin), Bradley, Davis (59. Bedoya) - Dempsey
Deutschland: Neuer - Boateng, Mertesacker, Hummels, Höwedes - Lahm, Schweinsteiger (76. Götze) - Özil (89. Schürrle), Kroos, Podolski (46. Klose) - Müller
Schiedsrichter: Ravshan Irmatow (Usbekistan)
Zuschauer (in Recife): 42.000
Gelbe Karten: González, Beckerman - Höwedes
Ballbesitz (in Prozent): 32 / 68
Schüsse: 4 / 13
Zweikämpfe: 46 / 54

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