DFB-Gegner Portugal Deutschlands Angst vor dem Ballermann

Portugal ist Deutschlands härtester Gruppengegner bei der Weltmeisterschaft 2014. Die Mannschaft lebt von der Stärke ihres Superstars Cristiano Ronaldo. Das macht sie gefährlich - aber berechenbar. Der Taktik-Check.

AFP

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"Im Prinzip ist Portugal Cristiano Ronaldo - und ein bisschen was drum rum." So lautete die Blitzanalyse von ARD-Experte Mehmet Scholl zu Deutschlands stärkstem Konkurrenten in der ansonsten nicht allzu schwierigen Gruppe G. Scholls These ist zwar stark vereinfacht, im Grunde aber richtig: Die Taktik der "Seleção" ist ungewöhnlich deutlich auf Ronaldo ausgerichtet. "CR7" ist der Zielspieler bei den Portugiesen. Seine Sturmpartner sollen ihm Räume öffnen, die Mittelfeldspieler versuchen ihn so einzusetzen, dass er zum Abschluss kommt. Das schlägt sich auch in der Statistik nieder: 49 Schüsse hat Ballermann Ronaldo bei seinen zehn Einsätzen in der WM-Qualifikation abgegeben. In Europa feuerte kein anderer häufiger aufs Tor.

Portugals Fixierung auf den Superstar von Real Madrid ist nachvollziehbar: Ronaldos Torquote ist überragend, seine vier Treffer in den beiden WM-Playoff-Spielen gegen Schweden hievten ihn in die Rolle des aktuell wohl meistgelobten Fußballers der Welt. Sie ist aber auch aus einem anderen Grund logisch. Portugal hat zwar Ronaldo und weitere starke Flügelspieler, doch es fehlt sowohl an einem offensiven Mittelfeldspieler, der Kreativität entwickelt, als auch an einem Mittelstürmer, der internationales Top-Niveau besitzt. Diese Mängel sind nicht neu; sie sind aber auch nicht leicht zu beheben.

Ronaldos Spiel lebt von Dynamik, er benötigt möglichst viel Raum vor oder neben sich, um seine physischen Vorteile auszuspielen. Wenn er Tempo aufnehmen und seine perfekte Ballführung einsetzen kann, kommt er meist auch zum Abschluss. Hier ist Ronaldo am stärksten. Für die meisten Gegner Portugals bedeutet das, dass sie die Räume um den Angreifer herum verdichten. Dann, wenn die Defensive des Gegners tief geordnet ist, bekommt die "Seleção" Probleme, Ronaldos Stärke droht zu verpuffen.

Portugal flankt fast doppelt so oft wie Deutschland

Regelmäßig zwingen gegnerische Abwehrreihen Trainer Paulo Bento eine alternative Angriffsstrategie zu fahren. Wenn Portugals Offensive nämlich keine Räume vorfindet, versucht sie konsequent über Flanken und Standards zum Erfolg zu kommen. Die Analyse sämtlicher zwölf Pflichtspiele seit der Europameisterschaft 2012 zeigt, wie berechenbar Portugal bei eigenem Ballbesitz ist.

24 Tore erzielte die Elf insgesamt, 14 Treffer wurden dabei über die Flügel vorbereitet. Mehr als ein Drittel aller Tore (9) fielen nach Standardsituationen. Keine andere europäische Nation versucht derart häufig über Hereingaben zum Erfolg zu kommen: 338-mal flankten die Portugiesen den Ball vor das gegnerische Tor. Zum Vergleich: Auf Platz zwei landete in dieser Kategorie Bosnien und Herzegowina mit 301 Hereingaben, Deutschland flankte (in allerdings zehn Partien) nur 175-mal.

Das kann man einfallslos nennen. Man könnte darin aber auch eine Strategie erkennen, mit deren Hilfe Portugal versucht, auch dann Ronaldos Vorzüge hervorzuheben, wenn der Superstar zugestellt wird. Dann orientiert er sich nämlich an den Strafraum und lauert auf Hereingaben. Seine Dynamik bringt ihm zwar keinen Vorteil mehr, wohl aber seine Physis, seine Kopfballstärke und sein Timing.

Gegen Deutschland dürften Portugal andere Fähigkeiten abverlangt werden. Wahrscheinlich wird die DFB-Auswahl den Ballbesitz dominieren und viele eigene Spieler in der gegnerischen Hälfte postieren. Ähnlich wie bei der Europameisterschaft 2012, als Deutschland Portugal knapp besiegte. Dann spielt die "Seleção" vermutlich so wie zuletzt in Schweden: defensiv geordnet, auf Konter lauernd.

Paradoxerweise ist die Partie gegen die favorisierte deutsche Mannschaft wohl jene, die Portugals taktischer Ausrichtung am ehesten entgegenkommt. Kreativität aus dem Zehnerraum heraus wird weniger wichtig sein als ein funktionierendes Umschaltspiel. Ronaldo bleibt Zielspieler, nun findet er aber Freiräume vor, die gegen Ballbesitz-orientierte Mannschaften zwangsläufig entstehen. Gegen Schweden nutzte er diese Räume im Rückspiel zu drei Treffern.

Die Kunst wird sein, Ronaldo effektiv zu verteidigen und gleichzeitig Offensivpower zu entwickeln. Bei der EM 2012 gelang das nur teilweise, Deutschlands Außenverteidiger Jérôme Boateng und Philipp Lahm sicherten häufig ab statt nach vorne zu arbeiten, Deutschland mangelte es an Durchschlagskraft.

Immerhin: Sollte Ronaldo der Raum genommen und sollten zugleich Flanken und Standards zuverlässig geklärt werden, braucht man eine Niederlage gegen Portugal kaum zu fürchten.

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Seite 1
jujo 07.12.2013
1. ...
Zitat von sysopAFPPortugal ist Deutschlands härtester Gruppengegner bei der Weltmeisterschaft 2014. Die Mannschaft lebt von der Stärke ihres Superstars Cristiano Ronaldo. Das macht sie gefährlich - aber berechenbar. Der Taktik-Check. http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-2014-deutschlands-gegner-portugal-im-taktik-check-a-937725.html
Man konnte doch schon diverse Male sehen, wie man den Schönling Ronaldo in den Griff bekommt und ihm die Lust nimmt, bis er nur noch mit beleidigten Schmollmund über den Platz schlurft ob der Frechheit das man ihm den Ball weggenommen hat, Raktionen wie ein verwöhntes Einzelkind. Wenn man ihm allerdings alle Freiheiten lässt, ist es ein Genuss ihm zuzuschauen!
gandhiforever 07.12.2013
2. Nicht die Mannschaft ist gefaehrlich
Zitat von sysopAFPPortugal ist Deutschlands härtester Gruppengegner bei der Weltmeisterschaft 2014. Die Mannschaft lebt von der Stärke ihres Superstars Cristiano Ronaldo. Das macht sie gefährlich - aber berechenbar. Der Taktik-Check. http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-2014-deutschlands-gegner-portugal-im-taktik-check-a-937725.html
Ronaldo ist gefaehrlich. Und weil die Spielweise der Portugiesen berechenbar ist, muss man diesen Ronaldo eben nicht zur Entfaltung kommen lassen. Das wird Herrn Loews Aufgabe sein, dafuer den richtigen Mann zu finden.
koenig.a85 07.12.2013
3. Wirklich...
...unheimliche Angst^^
unsermichel 07.12.2013
4. Mein Gott!!! :(
Diese nun geballt auf die Leserschaft einschlagenden Taktik-Analysen und Prognosen sind in Gänze nur Eines, nämlich lächerlich. Was soll dieses Geschreibsel ein halbes Jahr vor der WM, was kann noch alles passieren bis dahin? Niemandem wünsche ich, dass er verletzt wird, aber das geht so schnell im Sport. Analysieren wir die Spielsysteme doch bitte einen Tag vor den jeweiligen Spielen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass die 80 Millionen Bundestrainer auch gleiche Schachfiguren auf dem Spielfeld haben, zumindest nicht mehr ganz so hohl, wie zum Beispiel dieser Bericht ... Ich fürchte, das Ganze währt noch eine Woche, dann haben wir die große Koalition und damit endlich wieder andere Themen, über die sich das Aufregen lohnt. _ Ach ja, Merkel in Manaus - oder, wo war noch dieses Halbfinaltreffen mit Berlusconi?
and777 07.12.2013
5. optional
Was für ein Riesenblödsinn! Niemand von Deutschland hat Angst vor Ronaldo und Portugal!
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