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Brasiliens WM-Aus: Ein Land trauert

Foto: GABRIEL BOUYS/ AFP

Brasiliens Stürmer Fred Ausgepfiffen, beschimpft, gedemütigt

Brasiliens Stürmer Fred hat bei der WM schwach gespielt. Gegen Deutschland ging der 30-Jährige mit unter. Dennoch musste er für die Fans erneut als alleiniger Sündenbock herhalten.

Hamburg - Schon nach einer halben Stunde war die Niederlage Brasiliens im WM-Halbfinale gegen Deutschland besiegelt. Die Fans im Mineirão-Stadion waren schockiert, einige weinten. Andere entluden ihren Frust auf die Mannschaft. Beim Gang in die Kabine wurde die Seleção heftig ausgepfiffen. In der zweiten Hälfte hatten es die Anhänger dann besonders auf einen Spieler abgesehen: Fred. Der Stürmer musste böse Schmähgesänge ertragen.

"Gestern war Fred der Sündenbock. Er war die Personifizierung der Inkompetenz, völlig nutzlos auf dem Feld", sagt Fernando Duarte , europäischer Fußballkorrespondent für UOL, die führende Nachrichtenseite Brasiliens: "Und die Fans brauchten jemanden, auf dem sie ihre Wut ablassen konnten."

Beim 1:7 gegen Deutschland aber war Fred der falsche Sündenbock. "Er konnte nichts dafür. Was willst du als einzige Sturmspitze gegen so eine deutsche Mannschaft tun?", fragt Duarte rhetorisch. Trainer Luiz Felipe Scolari hatte den 30-Jährigen immer in Schutz genommen und er tat es wieder. In der 69. Minute nahm der Coach Fred vom Feld, um ihn vor weiteren Demütigungen zu bewahren. Ein letztes Pfeifkonzert gab es für den Profi von Fluminense Rio de Janeiro. Mit blassem Gesicht saß Fred bis zum Schlusspfiff auf der Bank.

Fred stand während der gesamten WM in der Kritik

Den Frust auf einen Einzigen abzuladen, wirkte unfair angesichts des kollektives Versagens der Seleção. Und wie sollte Fred überhaupt eine gute WM spielen? Mit Fluminense wäre er beinahe abgestiegen, zudem hatte er in der vergangenen Saison wegen Verletzungen lediglich neun Ligaspiele bestritten.

Schon vor dem Turnier und auch währenddessen war es meist Fred, den die brasilianischen Fußballfans als Sündenbock für durchschnittliche Leistungen auserkoren hatten. Ein Mittelstürmer, der zu selten aufs Tor schießt und - noch viel schlimmer - nur wenig Treffer erzielt. Beschwichtigen konnten die Anhänger selbst die fünf Tore beim Confederations Cup im vergangenen Jahr nicht.

Dabei hatte die WM für Fred gar nicht so schlecht begonnen. Im Eröffnungsspiel gegen Kroatien hatte er einen wichtigen Elfmeter herausgeholt, auch wenn es eine Schwalbe war. In der letzten Vorrundenpartie gegen Kamerun schoss er zudem ein Tor. Aber auch das verschaffte ihm keine Ruhe vor der Kritik der brasilianischen Öffentlichkeit. Und dass, obwohl auch die anderen Angreifer Brasiliens - bis auf Superstar Neymar - den Erwartungen nicht gerecht wurden.

Statistisch enttäuschte Fred im Vergleich zu anderen Stürmern

Ein Blick auf die Statistiken beweist dennoch, dass Fred bei der WM enttäuschte. Zwar hatte ihn Scolari nicht als Torjäger auserkoren, aber der erfahrene Fred sollte Bälle halten, sie verteilen. Das gelang nur mäßig. Im Vergleich mit Argentinien Gonzalo Higuaín, ebenfalls einem klassischen Mittelstürmer, wird das besonders deutlich.

Nur rund 67 Prozent von Freds Pässen kamen beim Mitspieler an, bei Higuaín sind es bislang 85 Prozent. Zumal die Diskrepanz bei der Anzahl der Ballkontakte pro 90 Minuten nicht so groß ist: 29 bei Fred, 36 bei Higuaín. Fred war damit für einige Ballverluste verantwortlich.

Im Kontrast mit einem modernen Stürmertypen wie Thomas Müller steht Fred noch schlechter da. Insbesondere bei den Ballberührungen pro 90 Minuten (50:29 für Müller). Aber vor allem bei der Statistik, die für Angreifer am wichtigsten ist: Fünf Tore für den Deutschen, eines für den Brasilianer.

Um die Fans zu besänftigen, hätte es wohl andersherum sein müssen.

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