Analyse der WM-Kader Das Vereinsranking der WM-Geschichte

10.000 Nominierungen, 1500 Vereine, 21 Turniere. Was eine Analyse sämtlicher WM-Kader der Historie über den Profi-Fußball erzählt.
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Manchester City besitzt das, was man einen Luxus-Kader nennt. 16 Spieler des Vereins haben es in die finalen WM-Kader geschafft. Selbst ohne Leroy Sané stehen die Citizens damit an der Spitze, was die Zahl der WM-Teilnehmer angeht. Es folgen Real Madrid (15), der FC Barcelona (14), Paris Saint-Germain und Tottenham Hotspur (je zwölf).

In einer Zeit, in der Real Madrid bereits achtmal in Folge mindestens das Halbfinale der Champions League erreicht hat und ein kleiner Kreis an Vereinen die Champions League dominieren, ist dies keine wirkliche Überraschung. Doch wie sieht die Bilanz im historischen Rückblick aus? Welches Team stellt die meisten WM-Teilnehmer der Geschichte? Und waren es immer schon dieselben Großklubs, die das Geschehen bestimmen?

Die wahren Weltmeister des Vereinsfußballs

Ein wahres Who's who des Vereinsfußballs ergibt sich, wenn man alle WM-Teilnahmen pro Verein seit 1930 aufsummiert. Die vordersten Plätze belegen: FC Barcelona, Juventus, Inter Mailand, Real Madrid und Bayern München. Eine Spitzenposition belegt in diesem Klassement nur, wer aus einer großen Fußballnation stammt und sowohl eine lange Erfolgsgeschichte aufweisen kann als auch aktuell zu den weltbesten Vereinen zählt. Begrenzt man die Auswahl auf deutsche Vereine, so wird die Rangliste von Bayern München, Borussia Dortmund, dem 1. FC Köln und Schalke 04 angeführt. Generell fällt auf, dass sich einige Traditionsklubs auf den vorderen Plätzen befinden, die aktuell sportlich alles andere als weltmeisterlich agieren.

Die Zeiten von Prag, Budapest und Rio de Janeiro

Blickt man weiter zurück in die WM-Historie, so zeichnen vor allem die Dreißiger- und Fünfzigerjahre ein ganz anderes Bild. Fußball war damals hauptsächlich in Zentraleuropa und Südamerika populär. Hauptstädte des Weltfußballs waren nicht London oder Madrid, sondern Prag, Budapest, Rio de Janeiro und Montevideo. Die dort spielenden Klubs stellten den Kern der damals weltbesten Nationalmannschaften. Vereine wie Slavia und Sparta Prag sowie die Budapester Teams Ferencváros und Újpest zählen nicht umsonst zu den häufigsten Siegern des Mitropapokals. Dem ersten bedeutenden und regelmäßig ausgespielten internationalen Vereinswettbewerb.

Der Siegeszug des globalen Profi-Fußballs

Spätestens ab den Siebzigerjahren begann der Aufstieg der europäischen Vereine. Sowohl bedingt durch die WM-Teilnahme von immer mehr europäischen Nationen als auch durch die Internationalisierung des Vereinsfußballs. Seit den Neunzigerjahren dominieren die europäischen Vereine das Ranking vollständig und belegen durchgehend die ersten zehn Plätze. Doch auch innerhalb Europas kam es zu Veränderungen. Ajax Amsterdam, PSV Eindhoven, der FC Brügge und RSC Anderlecht gehörten, gemessen an den WM-Kadernominierungen, in den Neunzigerjahren noch zu den besten zehn Vereinen der Welt. Seitdem können sie sportlich wie wirtschaftlich nicht mehr mit den europäischen Größen mithalten und sind im Ranking abgestürzt. In den führenden Positionen finden sich mittlerweile ausschließlich Vereine aus Spanien, England, Deutschland und Italien.

Nimmt man Frankreich noch hinzu, so spielen mittlerweile über 50 Prozent der WM-Teilnehmer in den großen fünf europäischen Ligen. Hauptursache ist die internationale Mobilität der heutigen Fußballprofis. Spieler, die in Vereinen außerhalb ihres Heimatlands spielen, waren bis in die frühen Siebzigerjahre noch absolute Ausnahmefälle. Selbst der kleine Anstieg in der Statistik im Jahr 1958 erklärt sich durch die damalige WM-Teilnahme von Nordirland, Schottland und Wales, deren Spieler häufig bei englischen Vereinen unter Vertrag standen. In den Siebzigerjahren sprang der Anteil der "Gastarbeiter" dann dauerhaft auf über zehn Prozent. 1990, als gleich fünf deutsche Weltmeister in Italien spielten, erreichte er knapp 30 Prozent und liegt mittlerweile bei über 70 Prozent.

Was bringt die Zukunft?

Die Tendenz der Internationalisierung des Profi-Fußballs scheint unaufhaltsam zu sein. Spätestens zur Weltmeisterschaft 2026 wird die Zahl der teilnehmenden Nationen auf 48 erhöht. Immer mehr Länder werden Teil des Spektakels, während sich zwischen den Turnieren die Aufmerksamkeit immer stärker auf die global bekannten Großvereine konzentriert. Es sieht vorerst so aus, als seien die Spitzenpositionen zementiert. Prag, Budapest oder Montevideo wirken da leider sehr weit weg.

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Mitarbeit: Nicolas Krönert
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