Deutscher Zittersieg gegen Schweden Ganz Kroos!

Drama pur in der Gruppenphase: Ein Traumtor von Toni Kroos in der fünften Minute der Nachspielzeit rettete Deutschland den Sieg gegen Schweden. Alles Wichtige zur Partie.
Toni Kroos bejubelt seinen Treffer

Toni Kroos bejubelt seinen Treffer

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Die Szene des Spiels: Mehr Drama geht fast nicht. Mit dem Pausenergebnis gegen Schweden wäre Deutschland ausgeschieden, auch nach Ablauf der regulären Spielzeit sah die WM-Zukunft in Russland sehr finster aus. Aber dann kam Toni Kroos mit einem Geistesblitz von einem Freistoß, dann kam das 2:1 in der Nachspielzeit. Jetzt ist Deutschland in der WM angekommen. Joachim Löw sagte in der ARD: "Es kann ein gutes Signal sein für uns. Das hat die Mannschaft vielleicht auch mal gebraucht, so einen Sieg. Ich hoffe, dass das einen Schub gibt für das Turnier."

Das Ergebnis des Spiels: 2:1 (0:1) für Deutschland - hier geht's zum Spielbericht.

Erste Hälfte: Deutschland hatte schon nach fünf Minuten mehr Offensivaktionen als in den gesamten 90 Minuten gegen Mexiko. Julian Draxler, Marco Reus, Thomas Müller und Timo Werner wirbelten im Strafraum durcheinander, selbst Jonas Hector schaltete sich immer wieder mit ein. Doch immer wenn ein Deutscher zum Schuss kam, war noch ein schwedisches Bein dazwischen. Die Skandinavier kamen durch Marcus Berg zu einer Großchance, die Manuel Neuer gerade noch zunichtemachte. Ola Toivonen aber blieb cool und traf zum 1:0 für Schweden (32. Minute).

Zweite Hälfte: Marco Reus gab Deutschland schon drei Minuten nach Wiederanpfiff die Hoffnung zurück, danach sah es so aus, als würde Schweden einbrechen. Tat es aber nicht. Egal, was die deutschen Spieler versuchten, entweder war ein Schweden-Bein im Weg oder der Pfosten. Bis zur 95. Minute ging das so.

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Deutschland in der Einzelkritik: Müller ist weiter auf der Suche

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Das 0:1: Toni Kroos mit einem unerklärlichen Fehlpass in der eigenen Hälfte, dann schalteten die Schweden schnell um. Marcus Berg spielte auf Viktor Claesson, dessen Flanke nahm Toivonen stark an und lupfte über Neuer hinweg ins Tor.

Das 1:1: Timo Werner flankte von der linken Seite flach vor das Tor, Mario Gomez fälschte noch leicht ab, und der dahinter heransprintende Marco Reus drückte den Ball mit dem Knie ins Tor. Nicht schön, aber wertvoll.

Das 2:1: Noch wertvoller - und noch viel schöner. Es lief die fünfte und letzte Minute der Nachspielzeit, Freistoß, eine finale Chance zum so wichtigen Siegtreffer. Die Position, halblinks am Strafraum, deutete auf eine Flanke hin. Kroos hatte eine andere Idee. Er tippte den Ball kurz zu Reus, der stoppte ihn - und Kroos versenkte den Freistoß im langen Eck.

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DFB-Sieg gegen Schweden: Rudys blutige Nase und ein Last-minute-Traumtor

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Der schwache Kroos: Vor der WM war bekannt geworden, dass Brasiliens Neymar einen Doppelgänger engagiert hatte, um die Fülle an PR-Terminen bestreiten zu können. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Toni Kroos auch zu dieser Hilfe gegriffen hatte - und sich der Doppelgänger in den WM-Kader von Joachim Löw verirrte. Der echte Kroos ist einer der passsichersten Spieler der Welt. Bei dieser WM verliert er gefühlt mehr Bälle als während zwei Spielzeiten in Spanien. In der ersten Hälfte leitete der 28-Jährige so das 0:1 ein und schickte auch noch Sebastian Rudy in einen Zweikampf, den er teuer bezahlen sollte (dazu später mehr).

Der starke Kroos: Und trotzdem ist Kroos Herz und Hirn dieser Mannschaft, er erdenkt die Spielzüge und lässt den Ball durch die Reihen pulsieren. "Das erste Tor ging auf meine Kappe", sagte er kurz nach Abpfiff in der ARD und wirkte angefressen. "Um dann so eine zweite Hälfte zu spielen, braucht man Eier", so Kroos weiter. Später sagte er noch, er habe das Gefühl gehabt, "relativ viele Leute in Deutschland hätte es gefreut, wenn wir heute ausgeschieden wären. Aber so einfach machen wir es den Leuten nicht."

Statistik des Spiels: "So was passiert nun mal, wenn man 400 Pässe spielt", sagte Kroos zu seinem Fehlpass. Ganz so viele waren es nicht, zu Bestwerten reichte es allemal.

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Ausfall Nummer eins: In der 25. Minute kam Sebastian Rudy ins Straucheln, als er verzweifelt einem etwas schlampigen Kroos-Pass hinterher lief. Ola Toivonen sprang über den Münchner hinweg und erwischte ihn dabei mit der Hacke im Gesicht. Rudy blutete stark aus der Nase und musste minutenlang behandelt werden. Dann stand fest: Es ging nicht weiter, enttäuscht schmiss Rudy das besudelte Trikot auf den Boden. Ilkay Gündogan kam in die Partie. "Er hat die Nase gebrochen, glaube ich", sagte Löw später.

Ausfall Nummer zwei: Jérôme Boateng spielt seit Jahren auf höchstem Niveau, ist die Abgeklärtheit in Person. Aber bei dieser WM scheinen alle gestandenen Nationalspieler ihre Tugenden im Trainingslager in Südtirol gelassen zu haben. Gegen Schweden leistete sich der 29-Jährige mehrere Nachlässigkeiten, den größten Aussetzer aber hatte der Innenverteidiger in der 82. Minute. Kurz zuvor mit Gelb verwarnt, rauschte Boateng in seinen Gegenspieler - Gelb-Rot. Damit ist der Abwehrboss im Gruppenfinale gegen Südkorea gesperrt.

So geht's weiter: Sollte Deutschland am Mittwoch 1:0 gegen Südkorea gewinnen und Schweden 1:0 gegen Mexiko, dann haben alle drei Teams sechs Punkte und 3:2 Tore. Es käme der direkte Vergleich untereinander zum Tragen: Dann wären die Deutschen mit drei Punkten und 2:2 Toren vor den Schweden mit drei Punkten und 2:2 Toren (der direkte Vergleich geht an die Deutschen) und Mexiko mit drei Punkten, aber nur 1:1 Toren, Dritter. Ganz einfach also.

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