Vorurteile in Belgien und Frankreich Fritten gegen Camemberts

Frankreich und Belgien verbindet mehr als eine Landesgrenze. Vor dem Halbfinalspiel der Nachbarn wärmen beide Seiten noch einmal ihre gegenseitigen Vorurteile auf.
Charles Michel und Edouard Philippe (Archiv)

Charles Michel und Edouard Philippe (Archiv)

Foto: Benoit Doppagne/ dpa

Eigentlich mögen sie sich ja, die Franzosen und die Belgier. Allerdings sind die Neckereien zwischen beiden recht ausgeprägt. Oder, wie die französische Zeitung "Le Parisien" schrieb: "Zwischen diesen beiden Nachbarvölkern gibt es eine ewige Hassliebe: Man liebt sich, aber man grätscht sich." Besonders wenn sich die Fußballmannschaften beider Länder gegenüberstehen.

Die Nachbarn pflegen das Spiel mit Klischees. Es ist irgendwie auch gute und liebgewonnene Tradition geworden. "Wir finden die Franzosen oft anmaßend, und die Franzosen haben eine Tendenz, uns lächerlich zu finden, vor allem wegen unseres Akzents", sagt Belgiens Premierminister Charles Michel. Auf beiden Seiten der gemeinsamen Grenze könne man mit Frotzelei, Spott und Humor aber gut umgehen.

2010 widmete der französische Regisseur Dany Boon die Komödie "Nichts zu verzollen" den Klischees. Hier die "Fritten", dort die "Camemberts" im fiktiven belgisch-französischen Grenzort Courquain. Selbstironie sei auch eine geteilte Qualität, sagt der Brüsseler Regierungschef Michel.

"Lustige Sprache"

Vor allem die Sprache, die den Franzosen so am Herzen liegt, bietet gern Anlass für Lästereien. "Wir mögen uns", schrieb die Sportzeitung "L'Équipe" jüngst. Es gebe eine Vorliebe für Zärtlichkeiten - sogar mit den Flamen, die ja so eine lustige Sprache sprächen.

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Rund 600 Kilometer beträgt die tatsächliche Grenze zwischen der Republik Frankreich und dem Königreich Belgien. Fast 70 Millionen Einwohner zählt Frankreich, gut elf Millionen sind es in Belgien.

Auf der einen Seite steht das zentralistische Frankreich mit seinem Polit-Pathos für "Republik" und "Nation", die Französische Revolution mit "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". Auf der anderen Seite findet sich das zwischen Flamen und Wallonen zerrissene Belgien.

Gemeinsame Kultur

Die einen sind berühmt für ihren Wein und die Haute Cuisine, die anderen für Bierkultur und Pommes, aber auch für ihre Pralinés. Das diplomatische Vorab-Ergebnis vor dem WM-Halbfinale Frankreich gegen Belgien lautet "Le Parisien" zufolge: "Letztlich unentschieden".

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Da passt es, dass auch die Regierungschefs vor dem Duell auf dem WM-Rasen von Sankt Petersburg an diesem Dienstagabend (20 Uhr, Liveticker: SPIEGEL ONLINE, TV: ARD, Sky) die Freundschaft beider Länder beschwören. Belgien sei "mehr als ein Nachbar, sogar etwas mehr als ein Freund", sagte der französische Ministerpräsident Édouard Philippe dem "Journal de Dimanche": "Wir haben mehr als eine Grenze gemeinsam: eine Geschichte, eine Kultur."

Das zeigt sich auch in der Illustration, die die Sonntagszeitung zum Nachbarschaftsduell gewählt hat: Eine Szene aus "Asterix bei den Belgiern".

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"Wenn ihr die Tapfersten seid, müsst ihr es beweisen", sagt der belgische Häuptling. Gallierhäuptling Majestix antwortet: "Das wollte ich vorschlagen. Lasst uns einen Wettbewerb ausrichten".

Und auch ein gemeinsames Ziel, das so gar nichts mit Humor zu tun hat, verbindet Franzosen und Belgier. Philippe erinnerte an ein ernstes Kapitel der jüngeren Geschichte: Die in den vergangenen Jahren verstärkte Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus. Denn die Terrorzelle der Pariser Anschläge vom November 2015 am Rand des Freundschaftsspiels Frankreich gegen Deutschland operierte von Belgien aus.

brt/dpa