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16. Juni 2018, 23:42 Uhr

Erfolg gegen Nigeria

Warum nicht mal Kroatien?

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Gerade die Offensive Kroatiens glänzte beim WM-Auftakt noch nicht, aber der erste Sieg deutet ihr Potenzial an. Nigeria half allerdings mit, ein weiteres schwaches afrikanisches Team bei dieser WM.

Warum nicht mal Kroatien? Diese Frage stellen sich Fans mit Kenntnis des starken kroatischen Kaders regelmäßig bei großen Turnieren. Genauso regelmäßig werden sie enttäuscht. Dreimal in Folge scheiterte Kroatien zuletzt schon in der Vorrunde (2002, 2006 und 2014), 2010 war das Team nicht einmal qualifiziert. Aber vielleicht geht diesmal ja mehr. Auch wenn Kroatien gegen Nigeria nicht wirklich glänzte, ist der wichtige Auftakt gelungen.

Das Ergebnis: Kroatien schlägt Nigeria 2:0 (1:0) und ist damit Tabellenführer der Gruppe D - zwei Punkte vor Argentinien und Island nach deren Remis. Hier geht's zum Spielbericht.

Musterlos: Das gemusterte nigerianische Heimtrikot wurde rasend schnell zum Verkaufsschlager. Innerhalb weniger Minuten waren die Kleidungsstücke im Onlineshop des Herstellers ausverkauft. Die Trikots warten noch auf ihren ersten WM-Einsatz, Nigeria spielte in enttäuschend schlichtem musterlosen Dunkelgrün. Gepaart mit den kroatischen Rauten wären die Zuschauer vielleicht auch zu abgelenkt gewesen. Immerhin präsentierten die Spieler vor dem Anpfiff die Trainingsjacken, die den Trikots in nichts nachstehen.

Die erste Hälfte: Kroatien dominierte und zeigte seine gute Spielanlage, ohne wirklich gefährlich zu werden. Ähnliches galt für Nigeria: Es blieb bei vielversprechenden Ansätzen. Kroatien ging in Folge einer Ecke in Führung. Ante Rebic verlängerte per Kopf, Mario Mandzukic versuchte es mit einem Abschluss ebenfalls per Kopf - und Nigerias Oghenekaro Etebo lenkte den Ball ins eigene Tor (32. Minute).

Die zweite Hälfte: War ähnlich langweilig wie die erste. Wenige Torraumszenen, wenige gute Abschlüsse, viel Mittelfeldgeplänkel. Erst ein Elfmeter brachte etwas Aufregung, Luka Modric aber trat an und verwandelte ganz unaufgeregt. Nigeria konnte dem Favoriten nichts mehr entgegensetzen.

Fremdhilfe statt Offensivglanz: Andrej Kramaric, Mandzukic, Ivan Perisic und Rebic, dahinter Ivan Rakitic und Modric - gerade die Offensive ist bei Kroatien sehr gut aufgestellt. Mateo Kovacic und Marko Pjaca schafften es nicht einmal in die erste Elf. Im Spiel war von der Angriffsstärke dann aber nicht viel zu sehen. Dass es nicht nur eine Standardsituation, sondern auch noch ein Eigentor zur kroatischen Führung und einen Elfmeter für das zweite Tor brauchte, ist da schon etwas überraschend.

Tag der Elfmeter: Vier Spiele, fünf Strafstöße - das ist die Bilanz des dritten WM-Tags. Nicht eine der Partien ist ohne Elfmeter ausgekommen. Mehr Strafstöße an einem einzelnen Tag gab es zuletzt bei der WM 1998. Das spricht nicht gerade für cleveres Verteidigen. William Troost-Ekongs Foul an Mandzukic war tatsächlich an Plumpheit kaum zu überbieten. Der Nigerianer zog und hielt den Kroaten so lange, bis Schiedsrichter Sandro Ricci wirklich so gar keine andere Wahl mehr hatte, als auf den Punkt zu zeigen.

Harmlose Afrikaner: Drei Spiele haben Vertreter des afrikanischen Fußballverbands Caf bisher absolviert. Die ernüchternde Bilanz nach den Partien von Ägypten, Marokko und Nigeria: drei Niederlagen und 0:4 Tore. Tunesien (gegen England) und der Senegal (gegen Polen) haben am Montag beziehungsweise am Dienstag die nächsten Gelegenheiten.

Fazit des Spiels: Nigeria wird es in einer vergleichsweise ausgeglichenen Gruppe nach der Auftaktniederlage sehr, sehr schwer haben. Den Kroaten fehlte noch der Glanz, großes Potenzial hat das Team aber zweifellos. Warum nicht mal Kroatien?

Kroatien - Nigeria 2:0 (1:0)
1:0 Etebo (32., Eigentor)
2:0 Modric (71., Foulelfmeter)
Kroatien: Subasic - Vrsaljko, Lovren, Vida, Strinic - Rakitic, Modric - Rebic (ab 78. Kovacic), Kramaric (ab 60. Brozovic), Perisic - Mandzukic (ab 85. Pjaca)
Nigeria: Uzoho - Abdullahi, Balogun, Idowu, Ekong - Ndidi, Etebo - Moses, Mikel (ab 88. Nwankwo), Iwobi (ab 62. Musa) - Ighalo (ab 72. Iheanacho)
Schiedsrichter: Ricci (Brasilien)
Zuschauer: 31.136
Gelbe Karten: Rakitic, Brozovic - Ekong

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