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17. Oktober 2014, 12:01 Uhr

Umstrittene WM-Vergabe

Ergebnisse des Garcia-Reports werden nur teilweise veröffentlicht

Der Garcia-Report soll Aufschluss darüber geben, ob es bei den WM-Vergaben 2018 und 2022 rechtens zuging. Die Fifa wird die Untersuchungsergebnisse wegen rechtlicher Probleme nicht vollständig veröffentlichen.

Hamburg - Der Untersuchungsbericht zu den Korruptionsvorwürfen bei den WM-Vergaben 2018 und 2022 wird nicht komplett veröffentlicht. Das teilte der Fußball-Weltverband Fifa mit.

"Den Untersuchungsbericht integral zu veröffentlichen, würde die Fifa-Ethikkommission sowie die Fifa insgesamt in eine äußerst schwierige rechtliche Situation bringen", sagte der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert in seiner Funktion als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der Fifa-Ethikkommission. Zudem müssten die "Persönlichkeitsrechte der im Bericht genannten Personen" gewahrt werden, erklärte Eckert.

Der Chefermittler Michael Garcia hatte seinen Untersuchungsbericht ("Garcia-Bericht") zu möglichen Unregelmäßigkeiten bei der WM-Vergabe für die Jahre 2018 an Russland und 2022 an Katar Anfang September an Eckert übergeben. "Nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge wird die Stellungnahme spätestens Mitte November fertiggestellt", sagte Eckert.

Blatter hatte Veröffentlichung abgelehnt

Der Deutsche betonte zudem, dass er gegenwärtig an einer "geeigneten Form" der Veröffentlichung arbeite: "Ob diese geeignete Form in einer Stellungnahme zum Untersuchungsbericht besteht oder ob gewisse Teile des Untersuchungsberichts anonymisiert veröffentlicht werden, ist Teil meiner derzeitigen Abklärungen. Auch eine Kombination dieser Möglichkeiten wäre denkbar."

Fifa-Boss Blatter hatte Ende September nach einer Sitzung des Exekutivkomitees eine Veröffentlichung abgelehnt. Nach Darstellung des umstrittenen Schweizers soll kein Mitglied der Exekutive einen solchen Umgang mit dem 350 Seiten umfassenden Bericht beantragt haben.

Zuletzt hatte Uefa-Präsident Michel Platini, der der Fifa-Exekutive angehört, für eine Offenlegung der Ergebnisse ausgesprochen. "Ich habe kein Problem damit, die Resultate und Empfehlungen des Berichtes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wenn es nicht gegen den Fifa-Ethikcode verstößt, unterstütze ich die Veröffentlichung des Berichtes", zitierte der US-Nachrichtensender CNN den Franzosen.

Ganz ohne Hintergedanken ist der Vorstoß Platinis nicht. Im kommenden Jahr steht die Fifa-Präsidentschaftswahl an. Der Franzose hatte auf eine Kandidatur verzichtet, wodurch Blatters fünfter Amtszeit nichts mehr im Wege stehe dürfte. Seit dem findet Platini immer wieder harsche Worte gegen den Weltverband.

luk/sid/dpa

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