Weltmeister Frankreich Donnerwetter, war das gut

Frankreich kann sich freuen: Das Team, das in einem turbulenten, torreichen Endspiel Fußballweltmeister wurde, ist noch jung, Talente wie Mbappé und Pavard sind ein Versprechen für die Zukunft.
Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé und Florian Thauvin

Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé und Florian Thauvin

Foto: JEWEL SAMAD/ AFP

Frankreich ist zum zweiten Mal nach 1998 Weltmeister. Da können mit jungen Fußballern schon mal die Gäule durchgehen.

Samuel Umtiti, Olivier Giroud und Adil Rami hatten sich kurz nach Abpfiff französische Flaggen geschnappt, tanzten ihre Ehrenrunde eher, als dass sie sie liefen, und plötzlich stand das Trio vor der kroatischen Fankurve. Ganz kurz drohte die Stimmung zu kippen, erste Pfiffe ertönten. Doch als die Franzosen die drohende Provokation erkannten, verbeugten sie sich, winkten zur Tribüne - und wurden dann auch von den gegnerischen Anhängern beklatscht.

Es war die verdiente Anerkennung für einen verdienten Weltmeister, auch wenn Kroatien im Finale zeitweise wieder an die hervorragenden Leistungen der bisherigen Spiele anknüpfen konnte. Frankreich war als Favorit ins Endspiel gegangen, weil sich das Team in Russland so defensivstark, so abgezockt und so gnadenlos effizient gezeigt hatte. Und der 4:2-Sieg - erstmals nach 1958 waren in einem WM-Finale in 90 Minuten wieder so viele Tore gefallen - bestätigte diese Eindrücke auf höchstem Niveau.

Glücklich und effizient

"Ich weiß gar nicht, wo ich bin", sagte Torschütze Antoine Griezmann kurz nach dem Schlusspfiff. "Das Herz ist glücklich. Wir haben es geschafft, den Pokal nach Frankreich zu holen." In der Tat hatte die Équipe Tricolore zunächst auch etwas Glück gebraucht:

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Finale im Regen: Her mit dem Schirm!

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Vor dem 1:0, einem Eigentor von Mario Mandzukic, stand Paul Pogba minimal im Abseits und dem 2:1 durch das Elfmetertor von Griezmann ging zwar ein Handspiel von Ivan Perisic voraus, doch die Vergrößerung der Körperfläche war gering und nicht jeder Schieds- oder Videorichter hätte auf Strafstoß entschieden. "Ich wusste erst gar nicht, warum der Videobeweis eingesetzt wurde", sagte auch Griezmann. "Als die Entscheidung dann feststand, habe ich einfach so getan, als sei es ein normales Ligaspiel."

Schiedsrichter Néstor Pitana war in beiden Fällen aufseiten der Franzosen, die ihre Chancen wie im gesamten Turnierverlauf ohne zu zögern ausnutzten. Unmittelbar vor Griezmanns Elfmeterausführung war ein lauter Donner im Himmel über dem Luschniki-Stadion zu hören, so als hätte der Fußballgott seinen Unmut über diese Entscheidungen kundtun wollen.

Mbappé ist ein Versprechen für die Zukunft

Doch als Kapitän Hugo Lloris um 20:32 Uhr Ortszeit im wolkenbruchartigen Moskauer Regen den von Philipp Lahm ins Stadion gebrachten WM-Pokal in die Höhe reckte, waren das sicher keine Tränen eines Fußballgottes mit kroatischem Herz. Denn die Franzosen verdienten sich den Sieg in der zweiten Halbzeit gegen immer stärker werdende Kroaten mit exzellenten Gegenangriffen und zwei wunderschönen Toren von Paul Pogba und Kylian Mbappé.

Paul Pogba

Paul Pogba

Foto: KIRILL KUDRYAVTSEV/ AFP

Pogba hatte seinen eigenen Treffer mit einem harten und präzisen Pass über das halbe Spielfeld selbst eingeleitet. Mbappé, der im Anschluss als bester Nachwuchsspieler der WM ausgezeichnet wurde, stellte sein überbordendes Talent beim 4:1 unter Beweis, als er eine minimale Lücke entdeckte, den zögernden Domogaj Vida mit einem Flachschuss bestrafte und damit Torhüter Danijel Subasic keine Chance ließ. Diese Möglichkeit erkennen nur ganz wenige Spieler, es war die Krönung eines spektakulären, wenn auch nicht hochklassigen Finals.

Macron feiert wie ein Fan

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron war schon während des Spiels auf der Tribüne wie ein Fan mitgegangen, hatte überschwänglich gejubelt und sprang dann nach Schlusspfiff auf ein Podest. Bei der Siegesfeier auf dem Rasen ließ er sich, gemeinsam mit Kroatiens Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic, auch nicht vom Regen stoppen. Macron gratulierte jedem Spieler, küsste den Pokal und wollte Trainer Didier Deschamps gar nicht mehr loslassen.

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WM-Finale 2018: Fantastique, la France!

Foto: Laurent Cipriani/ AP

Deschamps ist nach Mário Zagallo und Franz Beckenbauer erst der Dritte in der WM-Historie, der als Spieler und als Trainer Weltmeister wurde. Vor 20 Jahren, beim ersten französischen Triumph, war Deschamps Kapitän, nun wiederholte er seinen Erfolg. "Es ist zu schön, es ist wunderbar für die Spieler, einige sind jetzt schon mit 19 Jahren Weltmeister", sagte der General, der sich eher reserviert und nicht so euphorisch wie seine Spieler gab. "Wir haben nicht alles richtig gemacht, aber trotzdem Qualität an den Tag gelegt und im richtigen Moment Mentalität gezeigt."

Den französischen Spielern war das Wetter ohnehin egal. Sie tollten nach der Siegerehrung wie kleine Kinder über den getränkten Rasen, rutschten mit Anlauf in Richtung der eigenen Fans und mussten aufpassen, dabei nicht den WM-Pokal zu verlieren. Mit dieser jungen Mannschaft muss auch in der Zukunft gerechnet werden.

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